04.09.2002 · Während der Springer-Clan seinen Streit öffentlich austrägt, verhandelt Kirch hinter den Kulissen weiter über den Verkauf seines Springer-Anteils.
Während sich der Axel Springer Verlag gegen einen Einstieg des Konkurrenten WAZ wehrt, geht der Rechtsstreit zwischen Hauptaktionärin Friede Springer und Erbe Axel Sven Springer in die nächste Runde.
Axel Sven hat 17 Jahre nach dem Tod des Verlagsgründers die Erbvereinbarung aus dem Jahr 1985 vor Gericht angefochten. Da die Beteiligung seiner Enkel Axel Sven und Ariane am Verlag „für eine Vielzahl von rechtlichen Angelegenheiten“ von Bedeutung sei, habe Friede Springer im Gegenzug eine Feststellungsklage eingereicht, hieß es aus dem Büro von Frau Springer. Ziel sei es, eine Klarstellung herbeizuführen. Eine Sprecherin des Landgerichts Berlin sagte nur: „Es gibt eine erbrechtliche Auseinandersetzung zwischen beiden Parteien.“ Details wollte sie zunächst nicht nennen.
Höherer Anteil angepeilt
Axel Sven Springer und seine Schwester Ariane halten jeweils fünf Prozent an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik. Die restlichen 90 Prozent liegen bei Friede Springer, der Witwe und fünften Ehefrau des Verlagsgründers. Die Gesellschaft für Publizistik wiederum verfügt über 50 Prozent plus zehn Aktien am Verlag, der im deutschen Tageszeitungsgeschäft Marktführer ist und unter anderem „Die Welt“ und „Bild“ verlegt.
Die Erben und Friede Springer befinden sich bereits seit Monaten im Rechtsstreit. Ariane und Axel Sven Springer hatten vor Gericht vorerst ohne Erfolg auf Auskunfts- und Einsichtsrechte gegen Friede Springer geklagt, weil sie sich nicht ausreichend vom Management informiert fühlen.
Laut Friede Springer hatte Axel Springer kurz vor seinem Tod am 22. September 1985 noch erklärt, die zunächst vorgesehenen und testamentarisch festgehaltenen Erbquoten ändern zu wollen. „Diese Absicht ist nicht mehr durch die Errichtung neuer formgültiger letztwilliger Verfügungen verwirklicht worden", so das Büro. Dessen ungeachtet hätten sich die Witwe und die Kinder an den letzten Willen des Verlegers gehalten. Deshalb habe Axel Sven Springer Ende Oktober 1985 von seinem ursprünglich vorgesehenen Erbe einen Anteil in Höhe von zehn Prozent des gesamten Nachlasses an Friede Springer und einen weiteren Anteil an seine Schwester abgetreten. Seine Anfechtungsklage richte sich nun gegen diese Vereinbarung, hieß es. Axel Sven Springer war in seinem Hamburger Büro nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Wichtige Rolle im Verhandlungspoker
Im derzeitigen Verhandlungspoker um den 40-prozentigen Springer-Anteil Leo Kirchs, den dieser voraussichtlich bis zum 10. September verkaufen muss, könnten die Springer-Erben Axel Sven und Ariane eine entscheidende Rolle spielen. In der Vergangenheit war mehrfach spekuliert worden, sie könnten mit ihren Anteilen einem möglichen Käufer des Kirch-Pakets zu einer Mehrheit im Verlag verhelfen. Allerdings hat Axel Sven Springer bereits bekräftigt, dass er eine Beteiligung der WAZ an dem Verlag strikt ablehnt. Zudem hat Verlagsangaben zufolge Friede Springer ein Vorkaufsrecht auf die Anteile der beiden Erben.
Unterdessen erhält der Streit um einen WAZ-Einstieg bei Springer immer stärker eine politische Dimension. So lehnte Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, der als möglicher Finanzminister einer unionsgeführten Regierung gilt, einen Einstieg der WAZ-Gruppe beim Axel-Springer-Verlag. „Ich würde einen Zusammenschluss für im höchsten Maße problematisch halten. Das würde die Zeitungslandschaft in Deutschland nachhaltig verändern. Ich hoffe, dass das Kartellamt Grenzen setzt.“ Auch Kanzlerkandidat Edmund Stoiber hat bereits erkennen lassen, dass er gegen einen Beteiligung der tendenziell eher linksgerichteten WAZ an Springer ist.
Kirch verhandelt weiter
Die Ablehnung des bayerischen Ministerpräsidenten hält Leo Kirch allerdings nicht davon ab, weiter mit dem WAZ-Konzern über den Verkauf seines Anteils zu verhandeln. Im Umfeld von Kirch hieß es, der Medienunternehmen verhandle trotz einer Einstweiligen Verfügung des Landgerichts München auch mit dem Schweizer Ringier Verlag über den Verkauf.
Springer hatte Kirch am Dienstag verbieten lassen, sein 40-Prozent-Paket gegen den Willen des Verlages an die WAZ-Gruppe oder einen anderen ungewollten Aktionär zu verkaufen. Kirch ließ umgehend ankündigen, er werde gegen die einstweilige Verfügung juristisch vorgehen und drohte mit Schadenersatz. Springer habe Kirchs Verkaufspläne mit der einstweiligen Verfügung zwar behindert, aber nicht verhindert, hieß es im Umfeld Kirchs.
Sollte Kirch keinen Erfolg mit seinem geplanten Widerspruch haben, könnte das Paket der Deutschen Bank zufallen, die einen Kredit mit der Springer-Beteiligung besichert hatte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,70 | −0,96% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2460 | −0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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