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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Medien Druck auf Kirch nimmt zu

 ·  Das Geschiebe um das angeschlagene Medienimperium Leo Kirchs geht weiter. Rupert Murdoch scheint eine Möglichkeit der Rettung zu verbauen.

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Im Medienthriller um das Überleben und die künftige Firmengestalt der KirchGruppe hat der australische Unternehmer Rupert Murdoch den Druck auf den Bayern Leo Kirch erhöht. Über die „Financial Times“ ließ er wissen, er habe beschlossen, die wirtschaftlichen Verbindungen zur KirchGruppe zu kappen.

Fast gleichzeitig teilte die britische Satellitenfirma BSkyB - die zu Murdochs News Corporation gehört und seit Ende 1999 mit 22 Prozent am KirchPayTV beteiligt ist - mit, sie schreibe 1,6 Milliarden Euro von dieser Beteiligung vorsichtshalber ab. Und BSkyB bekräftigte, man werde die ab Oktober mögliche Verkaufsoption für den Anteil bei Kirch in Höhe von knapp 2,6 Milliarden Euro wahrnehmen. Leo Kirch hat das Geld nicht, um den einstigen Freund und Weggefährten Murdoch auszuzahlen - fehlt es ihm doch schon an den Mitteln, die Verkaufsoption des Springer-Verlags von 767 Millionen Euro zu bedienen.

Daumenschrauben oder Rückzug

Das, was auf den ersten Blick nach einer Trennung aussieht, mag sich beim zweiten Hinschauen eher als das Anlegen von Daumenschrauben zwischen Unternehmern herausstellen. Gegenüber der „Financial Times“ hatte Murdoch erklärt: „Ich sehe nicht, wie wir diese Beziehung fortsetzen können, ohne mehr Geld hineinzustecken. Und dazu sind wir nicht bereit.“

Dies könnte nach Ansicht von Beobachtern auch ein taktischer Schachzug sein, um den Einfluss bei Kirch zu vergrößern, möglicherweise Kirch zu beherrschen. Murdoch hat bisher keinen Hehl daraus gemacht, dass er mit dem Geschäftsgang bei Kirchs Bezahlfernsehen Premiere höchst unzufrieden ist. Den Pay-TV-Kanal sieht er als „schwarzes Loch“, in dem Geld spurlos und in großen Mengen verschwindet. Murdoch würde Premiere gerne kontrollieren, will aber die Verluste dort nicht weiter mittragen.

Pay-TV läuft in Großbritannien besser

Nicht ohne Pikanterie war die Vorlage der BSkyB-Quartalszahlen am Freitag. Denn auch BSkyB macht noch Verluste. Allerdings stimmt jetzt der Trend: In der zweiten Jahreshälfte 2001 waren die Verluste mit 62 Millionen Pfund fast um 50 Millionen Pfund niedriger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Durch 218.000 Netto-Neuzugänge stieg die Zahl der Kunden auf jetzt 5,7 Millionen. Zwar wird nach wie vor jeder Digitaldecoder vom Unternehmen subventioniert, aber im Januar meldete BSkyB erstmals einen positiven Cashflow.

Murdoch will nicht verstehen, warum in Deutschland nicht funktioniert, was in Großbritannien allmählich in Gang kommt. Freilich wartet die Branche mit Spannung auf den Fortgang eines Verfahrens vor dem britischen Office of Fair Trading (OFT). Dort hat sich die Konkurrenz darüber beschwert, dass Murdoch das Angebot seiner diversen Sky-Programme für andere Anbieter von Digitaldecodern so teuer mache, dass diese einfach nicht mithalten können. BSkyB bestreitet dies.

Abgesehen von Unterschieden im Fernsehverhalten liegt aber eine Erklärung für den unterschiedlichen Geschäftsverlauf auch darin, dass es in Großbritannien nur fünf „normale“ TV-Kanäle gibt - drei werbefinanzierte und zwei BBC-Kanäle für eine Jahresgebühr von 160 Euro.

Einigung trotz Säbelrasseln?

Vor der teilweisen Abschreibung des Anteils bei Kirch hat Murdoch festgestellt, dass der Wert dieser Beteiligung schwer zu beziffern ist. Aber auch ihm dürfte klar sein, dass der Wert gegen Null sinkt, wenn es zu einer Insolvenz von Kirch und zu einer gewaltsamen Zerschlagung der deutschen Gruppe käme. In London wird daher damit gerechnet, dass Murdoch und Kirch sich ungeachtet des Säbelrasselns vor Oktober einigen.

Dass über Murdoch in Deutschland derzeit von vielen Leuten geredet wird, die weder die britische Zeitungs- oder Medienszene kennen noch zu den regelmäßigen Lesern der Murdoch-Blätter gehören dürften, wird in London mit englischem Sinn für Skurilität vermerkt. Der Ruf nach einer „nationalen Lösung“ habe wohl viel mit Vorurteilen zu tun, meint die „Financial Times“: „In Deutschland sieht man den Kampf der mächtigsten Medienbosse wie das Aufeinanderprallen von Karikaturen.“

Kirch-Unterstützung aus Berlin möglich

Murdoch kontrolliert bereits TV-Sender in den USA und den britischen Zeitungsmarkt. In deutschen Medien und der Politik wird ein Einstieg des Australiers sehr skeptisch gesehen, was Kirch letztendlich zugute kommen könnte. Unterstützung könnte Kirch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erhalten. Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget sagte, Schröder habe sich ihm gegenüber für eine nationale Lösung ausgesprochen und dazu auch mit den Banken telefoniert. Eine Lösung sei aber Aufgabe der Banken. Schröder sei kein Akteur, wie Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye betonte. Heye sagte in Berlin, eine rechtliche Handhabe, einen stärkeren Einfluss von Murdoch zu verhindern, gebe es nicht.

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