Im Milliardenpoker um Deutschlands größten TV- Konzern ProSiebenSAT.1 erhält der Zeitschriften-Verleger Heinrich Bauer den Zuschlag. Der Marktführer bei Programmzeitschriften setzte sich zusammen mit der HypoVereinsbank im Kampf um das Kerngeschäft der zusammengebrochenen KirchGruppe gegen Konkurrenten aus dem In- und Ausland durch. Der Kaufpreis für die Mehrheit an ProSiebenSAT.1 und für den Filmstock der KirchMedia liegt nach dpa-Informationen bei zwei Milliarden Euro.
„Die Entscheidung ist grundsätzlich gefallen“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems am Mittwoch nach einem Gläubigertreffen der insolventen KirchMedia in München. Noch sind aber eine Reihe von Details zu klären. Der Axel Springer Verlag und der Spiegel-Verlag sind entgegen anderen Spekulationen bei dem erfolgreichen Konsortium nicht dabei. Den Löwenanteil des Kaufpreises werde der Bauer-Verlag bezahlen, hieß es. Die HypoVereinsbank werde beratend zur Seite stehen. Die unternehmerische Führerschaft in der Bieter-Gruppe hat der Bauer-Verlag, bestätigte auch Ziems. Dem Konsortium wird sich voraussichtlich auch noch das US-Studio Columbia mit einer kleineren Beteiligung anschließen.
Kartellrechtliche Fragen
Er rechne nicht damit, dass jetzt noch unterlegene Bieter dazustoßen, sagte Ziems. Bauer und HypoVereinsbank setzten sich zuletzt gegen eine Gruppierung von Altgesellschaftern und gegen den französischen Sender TF1 im Verbund mit dem US-Milliardär Haim Saban durch. Kartellrechtliche Probleme erwarten die Geschäftsführung und Insolvenzverwaltung bei einem Verkauf an Bauer nicht. In Branchenkreisen wurde aber darauf hingewiesen, dass es durchaus noch knifflige Fragen zu klären gibt. Die Entscheidung für einen Bieter fiel früher, als in der Branche zuletzt erwartet. Ziems wollte nicht völlig ausschließen, dass das Geschäft in letzter Minute noch scheitert. Er rechne aber nicht damit. Insolvenzverwalter Michael Jaffé sagte: „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“ Der Sprecher des Bauer-Verlags, Andreas Fritzenkötter, sagte in Hamburg, „es wird noch ein paar Wochen dauern, bis die Verträge unter Dach und Fach sind“.
KirchMedia damit ausgeschlachtet
Zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern. Eine Sprecherin der HypoVereinsbank wollte keinen Kommentar abgeben. Der Axel Springer Verlag sieht sich weiterhin als Partner für das Konsortium. Der Springer Verlag habe das verbindliche Angebot für den Fernsehsender aber nicht mit unterzeichnet, sagte Springer-Sprecherin Edda Fels. Gründe dafür wollte sie nicht nennen. Der größte europäische Zeitungsverlag war zunächst gemeinsam mit Bauer in die Bieter-Runde gestartet. Bauer und die HypoVereinsbank werden laut Ziems die Mehrheit von 52 Prozent an der ProSiebenSAT.1 Media AG kaufen. In den TV-Konzern soll dann auch der Filmrechtehandel eingebracht werden. Die Sportrechte werden an das Management um Günter Netzer verkauft.
Damit ist die KirchMedia weitgehend ausgeschlachtet, ein Käufer muss noch unter anderem für das DSF gefunden werden. Bauer und die HypoVereinsbank hätten das beste Angebot abgegeben, sagte Ziems. Zudem wolle das Konsortium am Konzept eines integrierten Medienkonzerns festhalten. Von dem Verkauf sind 6000 Beschäftigte bei ProSiebenSAT.1 und beim Rechtehandel betroffen. Geschäftsführer Wolfgang van Betteray sagte, ein Großteil der Arbeitsplätze sei durch den Verkauf gesichert. Die KirchMedia war das Herzstück der zusammengebrochenen KirchGruppe.
Im Zuge des Insolvenzverfahrens meldeten die Gläubiger Forderungen in Höhe von 9,3 Milliarden Euro an. Bisher wurden Forderungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro offiziell anerkannt. Der Löwenanteil in Höhe von knapp 7,4 Milliarden Euro wurde vorläufig bestritten. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Forderungen noch geprüft werden müssen oder Gegenstand von Vergleichsverhandlungen sind. Den Großteil der angemeldeten Forderungen machen Schadensersatzansprüche (knapp 5 Milliarden Euro) aus.
Bauer: Ein traditionsreiches Familienunternehmen
Die Hamburger Bauer Verlagsgruppe blickt als Familienunternehmen auf eine 127 Jahren alte Geschichte zurück. Was mit dem Druck von kunstvollen Visitenkarten 1875 begann, ist heute ein Medienkonzern mit rund 1,7 Milliarden Euro Umsatz. Verleger Heinz Bauer führt sein Unternehmen in vierter Generation und wird in der „Forbes“-Milliardärsliste mit einem Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar (2,72 Mrd Euro) geführt. Der Hamburger Verlag publiziert mehr als 100 Zeitschriften, davon rund ein Drittel im Inland. Mit einem sicheren Gespür für ein Millionenpublikum baute der Verleger das Unternehmen aus.
Titel wie „Bravo“, „TV Movie“, „Neue Post“ oder „Geldidee“ bringen der Gruppe allein in Deutschland eine Auflage von rund 20 Millionen Exemplaren. Der Marktführer bei TV-Programmzeitschriften und Jugendmagazinen sowie „unterhaltenden Frauenzeitschriften“ - bekannt auch als „Regenbogenpresse“ - ist im regionalen Zeitungsmarkt mit der „Magdeburger Volksstimme“ vertreten. Zudem ist Bauer an dem TV-Sender RTL II, dem Hörfunksender Radio Hamburg und der TV- Produktionsgesellschaft MME beteiligt, die „Bravo TV“ produziert.