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Medien AOL Time Warner erleidet Rekordverlust

30.01.2003 ·  AOL Time Warner hat 2002 fast 100 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Zugleich geht das Aufräumen in der Führungsspitze weiter - Ted Turner kündigte seinen Rücktritt an.

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Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner hat im Jahr 2002 nach hohen Firmenwertabschreibungen für die angeschlagene Online-Tochter America Online mit fast 100 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der Unternehmens-Geschichte der Vereinigten Staaten ausgewiesen. Die Summe entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Portugal oder Irland.

Nach Firmenwert-Abschreibungen von 45,5 Milliarden Dollar im Schlussquartal 2002 bezifferte der Konzern am Mittwochabend in New York für das Gesamtjahr den Nettoverlust mit 98,7 Milliarden Dollar. Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt bei 2,8 Milliarden Dollar.

Ted Turner geht

Zugleich kündigte der 64-jährige Medienmogul Ted Turner an, dass er den Posten des Vice-Chairman niederlegen werde. Turner besitzt 3,4 Prozent der Aktien des Medienkonzerns. Turner war seit 2001 einer der schärfsten Kritiker der Übernahme von Time Warner durch AOL. Sein Aktienpaket ist inzwischen nur noch 1,85 Milliarden Dollar wert - vor dem Zusammenschluss von AOL und Time Warner waren es noch 7,2 Milliarden Dollar.

Schwäche im Online-Geschäft

Allein im vierten Quartal sei vor allem wegen der Abschreibungen auf den Firmenwert von America Online ein Nettoverlust von 44,9 Milliarden Dollar oder 10,04 Dollar je Aktie entstanden, teilte das Unternehmen mit. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte AOL Time Warner einen Nettoverlust von 1,8 Milliarden Dollar oder 41 Cent je Anteilschein ausgewiesen.

Der Onlinedienst America Online leidet unter sinkenden Werbeeinnahmen. Zudem sei die Abonnentenzahl 2002 zum ersten Mal rückläufig gewesen, teilte AOL Time Warner mit. AOL hat weltweit 35,2 Millionen Kunden, davon 26,5 Millionen in den USA.

Zufrieden mit dem vierten Quartal

Der Umsatz habe im vierten Quartal hingegen um acht Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar zugenommen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) sei um 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar gewachsen. Analysten hatten das Ebitda im Durchschnitt mit 2,6 Milliarden Dollar vorausgesagt.

Firmenchef Richard Parsons sagte wörtlich: „Ich bin sehr zufrieden mit unserem beeindruckenden Ergebnis im vierten Quartal.“

Der Konzern versicherte, dass die Liquidität oder Kreditverpflichtungen durch die hohen Abschreibungen nicht gefährdet seien. Die Kreditlinien seien neu verhandelt worden. Analyst Hat Vogel von Vogel Capital Management sah allerdings durch die immensen Verluste die Kreditwürdigkeit des Unternehmens betroffen.

Filmproduktionen laufen gut

Das durch Produktionen wie „Herr der Ringe“ gestärkte Film- und Unterhaltungsgeschäft habe die Schwäche bei der Online-Sparte ausgleichen können, erklärte das Unternehmen.

Das Quartal schließt ein turbulentes Jahr ab. Rund zwei Jahre nachdem AOL den Medien- und Filmkonzern Time Warner für 106,2 Milliarden Dollar übernommen hatte, haben die Medien-Veteranen von Time Warner das Ruder des Konzerns übernommen. Dagegen wurden die Schlüsselfiguren der Übernahme auf Druck der Investoren, die die Fusion als Fehler kritisierten, aus dem Unternehmen herausgedrängt.

Der Chairman des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner, Steve Case, hatte angekündigt, im Mai auf der Hauptversammlung des Medien- und Onlinekonzerns als Verwaltungsratschef zurücktreten.

Neuer starker Mann ist der renommierte Medienmanager Parsons, der in Personalunion Konzernchef und Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. Er will den Medienriesen mit einem strengen Sparkurs sanieren.

Gemäßigtes Jahr 2003 erwartet

Für das Jahr 2003 erwartet AOL Time Warner ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Dagegen dürfte das Ebitda im wesentlichen unverändert bleiben oder um niedrige einstellige Raten niedriger ausfallen, hieß es.

Schon vor der Vorstellung des Quartalsberichts hatte AOL Time Warner mitgeteilt, den Anteil von 8,4 Prozent am Satellitenbetreiber Hughes Electronics im Rahmen der Entschuldungsbemühungen des Konzerns verkauft zu haben. Der Erlös wurde mit rund 800 Millionen Dollar beziffert. Finanzielle Einzelheiten dazu wurden nicht genannt.

AOL Time Warner kündigte dabei an, bis Ende 2004 seine Gesamtverschuldung auf rund 20 Milliarden Dollar von derzeit 25,8 Milliarden Dollar zurückzufahren.

AOL-Aktien fielen im nachbörslichen Instinet-Handel auf 12,58 von 13,96 Dollar bei Handelsschluss der Wall Street. An den europäischen Börsen wurden sie am Donnerstag gleichfalls schwächer gehandelt.

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