24.12.2003 · Die Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 hat mit der Verpflichtung des Comedy-Stars Anke Engelke an der Börse keine Punkte sammeln können.
Die Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 hat mit der Verpflichtung des Comedy-Stars Anke Engelke an der Börse keine Punkte sammeln können. Die im M-Dax geführte Aktie des Unternehmens notierte am Dienstag im Handelsverlauf in einem stabilen Gesamtmarkt nach anfänglichen Verlusten kaum verändert bei 13 Euro.
Der Sender Sat.1 hatte am Morgen mitgeteilt, Engelke werde beim Sender Sat.1 ab dem Frühjahr eine Nachfolgesendung für die zum Jahresende eingestellte populäre "Harald Schmidt Show" moderieren. Damit besetzt Sat.1 einen seiner wichtigsten Programmplätze neu. Wie wertvoll der Entertainer für die ganze Sendergruppe war, zeigte Anfang Dezember die Reaktion der Börse auf Schmidts überraschenden Abgang. Damals verlor die Aktie von Pro Sieben Sat.1 binnen weniger Tage fast 10 Prozent ihres Werts. Das in der Vergangenheit hochdefizitäre Sat.1 ist mit einem Anteil von rund 40 Prozent der wichtigste Umsatzträger des Münchner Fernsehkonzerns.
Erste wichtige Programmentscheidung Schawinskis
Die Verpflichtung von Engelke als Schmidt-Nachfolgerin ist die erste wichtige Programm-Entscheidung des neuen des neuen Sat.1-Geschäftsführers Roger Schawinski. Dabei kommt es für Sat.1 freilich weniger auf die insgesamt eher unbedeutenden Werbeeinnahmen im direkten Umfeld der Sendung an. Ökonomisch wichtiger ist, daß es Schawinski gelingt, Engelke zu einem neuen Aushängeschild für Sat.1 zu machen. "Sat.1 hat kurzfristig das Problem, daß es mit Schmidt einen Imageträger verloren hat", sagt Klaus Peter Schulz, Geschäftsführer der Düsseldorfer Mediaagentur OMD, die als Großeinkäufer von Werbezeiten agiert. Einen adäquaten Ersatz für der Erfolgsmoderator zu finden, ist für Sat.1 auch deshalb essentiell, weil dessen Abgang bereits der zweite schwere Schlag für das Sat.1-Programm seit dem Sommer ist, als der Sender die Übertragung der Fußball-Bundesligaspiele an die ARD verlor.
Werbekunden von Pro Sieben Sat.1 reagierten am Dienstag positiv auf die Ankündigung der Engelke-Show. "Wenn Sat.1 weiter auf das Konzept der Late-Night-Show setzen will, dann ist Engelke eine überzeugende Lösung", sagte David Linn, Einkaufsgeschäftsführer der Mediaagentur HMS Carat in Wiesbaden. "Sat.1 hat eine gute Wahl getroffen", sagte auch OMD-Chef Schulz.
Vertrag über drei Jahre
Sat.1 hat mit dem zum Musiksender Viva gehörenden Kölner Fernsehproduzenten Brainpool für die Engelke-Show einen Vertrag über drei Jahre abgeschlossen. "Er kann von beiden Seiten vorzeitig gekündigt werden, wenn bestimmte Zuschauerzahlen nicht erreicht werden", erläuterte Viva-Finanzvorstand Christian Gisy. Nach Informationen aus Branchenkreisen soll Engelke mit ihrer neuen Show vertraglich eine Anlaufzeit von einem knappen halben Jahr eingeräumt werden. Erst dann greift die Mindestquoten-Klausel. Sat.1 bezahlt Brainpool für die Engelke-Show, die viermal in der Woche ausgestrahlt werden soll, jährlich rund 14,4 Millionen Euro. Die ebenfalls von Brainpool für Sat.1 produzierte wöchentliche Comedysendung "Ladykracher" mit Engelke soll aus Kapazitätsgründen wegen der neuen Show eingestellt werden.
Sat.1-Chef Schawinski ist erst kurz vor Schmidts Abgang von Urs Rohner, dem Vorstandschef von Pro Sieben Sat.1, als Nachfolger für den entlassenen Sat.1-Chef Martin Hoffmann berufen worden. Der Rausschmiß Hoffmanns und der Verlust von Schmidt haben bei Werbekunden und Aktionären Zweifel an der wirtschaftlichen Zukunft der ohnehin mit Problemen kämpfenden Sendergruppe geschürt. Hoffmann, der offenbar vor allem wegen persönlicher Differenzen mit Rohner abgelöst wurde, ist es dieses Jahr gelungen, das bislang notorisch defizitäre Sat.1 durch Kostensenkungen und erfolgreiche neue Programme wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Für 2003 erwartet der Sender ein deutlich positives Ergebnis, während 2002 noch ein Vorsteuerverlust von 98 Millionen Euro anfiel. Der Konzern insgesamt rechnet für 2003 mit einem positiven operativen Ergebnis. 2002 war der Jahresüberschuß bei niedrigeren Umsätzen um 78 Prozent auf 15 Millionen Euro eingebrochen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,94 | −0,95% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2460 | −0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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