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Zukunft der Mode : Ist Nachhaltigkeit nur ein Schlagwort?

  • -Aktualisiert am

Ameber Valletta spricht über die Lehren, die sie aus ihrer Modelkarriere gezogen hat. Bild: Philip Gerhardt

Es hat seinen Grund, dass auf der Me Convention auch Modeindustrie und Ernährungsbranche im Fokus stehen. Aus ihren Innovationen kann die Autobranche lernen.

          Man stelle sich vor, es gäbe eine Marke, die ihren Kunden vor dem Kauf ihrer Produkte rät, erst einmal darüber nachzudenken, ob die neue Anschaffung wirklich sein muss. Oder ein Unternehmen, das die schlimmsten Folgen des Klimawandels auf seine Shirts druckt. Oder ein Start-up, das Millionenstädte auf vertikalen Pflanzenboxen ernähren will. Unvorstellbar? Gibt es alles schon. Die Automobilindustrie hat nichts damit zu tun. Aber es hat seinen Grund, dass auf der von Mercedes gesponsorten me Convention zwei Branchen im Fokus stehen, die sich mit ihr messen können. Und dass sie, deren Umweltstandards aktuell weit weniger im Fokus stehen, auf ihre Enkeltauglichkeit geprüft werden.

          An den Umweltbelastungen auf der ganzen Welt hat nämlich auch die Modeindustrie ihren Anteil und kämpft deshalb um ein besseres Image. Die so genannte „Fast Fashion“ gilt inzwischen als böse. Immer schneller wird immer billigere Ware in die Läden gebracht. Währeddessen beginnen die Käufer, sich dafür zu interessieren, wie es um Arbeitsbedingungen und Umweltstandards bei ihren Lieblingsmarken steht. Eine Gegenbewegung will die Industrie erneuern – mit besseren Materialien, Herstellungsstandards und Arbeitsbedingungen. Unter den internationalen Modeexperten, die auf der me Convention über das Thema sprechen, ist auch die Modeikone Amber Valletta. Sie sagt: „Wir müssen bei der Kleidung einen Kreis schließen.“

          Wie nah ist die Branche wirklich dem Wandel? Und was können Konsumenten durch ihr Kaufverhalten beitragen? Liz Bacelar, die am Schnittpunkt zwischen Mode und Technologie arbeitet und Gründerin der globalen Veranstaltungsserie „Decoded Fashion“ ist, sagt: „Das Wort Nachhaltigkeit ist Mist, ein bloßes Schlagwort, das vereinnahmt wird. So viele Firmen benutzen es, aber wenn man genauer hinschaut, stecken nur kleine, ängstliche Schritte dahinter.“ Wenn es Unternehmen vor allem darum gehe, in Lichtgeschwindigkeit Produkte auszuliefern, verspreche das Thema Nachhaltigkeit nämlich gar nicht genug Profit. Aber Bacelar stellt klar, dass Wachstum auch mit mehr Umweltbewusstsein möglich ist. Sie stellt Provenance vor, eine Plattform, auf der Unternehmen mehr Transparenz schaffen können, indem sie Herkunft und Herstellungsstandards ihrer Produkte detailliert darstellen und durch Zertifikate belegen.

          „Kauft diese Jacke nicht“

          Auch Ryan Gellert, der Geschäftsführer des mit seinem Umweltengagement werbenden Herstellers Patagonia, ist auf die me Convention gekommen. Seit einigen Jahren fordert Patagonia zum Nachdenken über Konsum auf und setzt sich dafür ein, dass abgenutzte Kleidungsstücke recycelt, repariert oder weitergegeben werden. „Kauft diese Jacke nicht“, stand auf einem der Werbeplakate – ein kluger Werbeslogan, zu dessen Veranschaulichung auf die gute Umweltbilanz von Patagonia  verwiesen wird, aber auch darauf, dass die neue Jacke vielleicht gar nicht unbedingt nötig ist. „Wir müssen den Kunden Möglichkeiten aufzeigen, ihre Kleidung länger zu benutzen“, sagt Ryan Gellert.

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