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Stadtleben der Zukunft : Schwebende Kapseln, selbstfahrende Autos und gute Luft

  • -Aktualisiert am

So sieht Bilderkennungssoftware ein Auto – eine Google-Animation. Bild: Foto Google/Bearbeitung F.A.Z.

Wie soll das städtische Leben der Zukunft aussehen? Dieser Frage widmen sich Technologie-Unternehmen, Start-ups und die Autoindustrie – jeder auf seine Weise. Und manchmal prallen die Vorstellungen ganz schön aufeinander.

          Ja, wäre die S-Bahn schon ein schwebendes Band über den Dächern der Stadt, ohne Drängeleien, Verspätungen und mit reichlich Platz für alle. Oder, besser: Gäbe es schon autonom fahrende Kapseln, wie Perlen eines Armbandes hintereinander gereiht, in denen man in tiefer Stille und gänzlich geruchlos ans Ziel gelangt. Auf solche Ideen kommen IAA-Besucher, die in diesen Tagen festgeklemmt zwischen Anzügen und klebrigen Glasscheiben Richtung Messe rollen. Vorausgesetzt, sie hatten das Glück, am Frankfurter Hauptbahnhof in die S-Bahn zu gelangen,  wo Aufpasser neuerdings Nachzüglern Türen versperren, um für mehr Pünktlichkeit zu sorgen. Die Gegenwart des öffentlichen Nahverkehrs in Großstädten hat etwas Deprimierendes.

          Das ist natürlich eine egozentrische Einschätzung. Auf der me Convention, die nach der S-Bahnfahrt viel Optimismus verströmt, beschäftigt man sich viel umfänglicher mit der Frage: Wie wollen wir in Zukunft in Städten leben? Nachhaltiger, sauberer, attraktiver und fairer, sagen die Vordenker der urbanen Mobilität, und Mercedes räumt ihnen auf der IAA viel Zeit zum Ideenaustausch ein.

          Das geht natürlich nicht alles auf einmal. Aber einige Städte haben sich das Thema der städtischen Mobilität zur Zukunftsaufgabe gemacht. Tel Aviv zum Beispiel, wie Lea Ashuach vom Zentrum für Wirtschafts- und Sozialforschung berichtet. Dort helfen Mobilitäts-Apps wie Waze, mit deren Hilfe sich Fahrer in der Umgebung vernetzen und Verkehrsinformationen teilen, und Moovit, die Bahn- und Busfahrpläne mit aktuellen Daten ergänzt, schon jetzt dabei, gegen die Staus und Ströme der Großstadt anzugehen. Und das in Tel Aviv gegründete Startup Gett vermittelt Taxidienste.

          Das Handy weiß, wo ein Parkplatz frei ist

          Angst vor der Digitalisierung des Daseins hat dabei keiner. Im Gegenteil: Startups aus aller Welt haben sich das Thema Mobilität vorgenommen und wollen das Leben in Städten so angenehm wie möglich machen. Da gibt es natürlich all jene Unternehmen, die sich Komfort und Sicherheit im Auto widmen, denn dass die Menschen ihren ganz persönlichen Fahrraum irgendwann endgültig gegen ein visionäres öffentliches Verkehrssystem eintauschen, scheint unvorstellbar. Apps, die feststellen, wenn ein Unfall passiert ist, sich merken, wo ein Auto geparkt wurde und erkennen, was eine blinkende Warnleuchte bedeutet. Predict.io heißt eine Startup, das Handydaten sammelt, um Autofahrern freie Parkplätze anzuzeigen. Und für Unternehmen Daten über das Nutzerverhalten ihrer Kunden.

          Das türkische Start-up-Unternehmen Boni widmet sich denjenigen, die in der Gegenwart noch viel zu wenige Möglichkeiten der Teilhabe haben: Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen sollen mithilfe einer Applikation mehr am städtischen Leben teilnehmen können – durch Radio- und Navigationssignale, Datenbanken zur Infrastruktur und eine Sprachführung, die sich im Auto und an öffentlichen Orten einsetzen lässt. Breeze heißt eine Hamburger Plattform zur automatischen Auswertung von Umweltdaten, die mit verschiedenen Sensoren Daten über die Luftqualität in städtischen Räumen liefert und Handlungsempfehlungen gibt, wie sie sich verbessern lässt. Alles gute Ideen. Aber: „Die Zukunft der Automobilindustrie liegt in den Daten und der Technologie“, sagt einer der Gründer, die ihre Ideen auf der me Convention vorstellen, auch wenn das so mancher Autofahrer und Smartphone-Nutzer ungern hört.

          Und dann ist da das weite Feld des autonomen Fahrens. Das klappt schon ganz gut, wenn Autos auf geraden Straßen entlang rollen. Aber in Städten, in denen jeden Tag Hunderttausende komplexe Interaktionen, unüberlegte Fahrmanöver und gedankenlose Schritte passieren?  Danny Shapiro von der Entwicklungsplattform für selbstfahrende Autos Nvidia sagt: „Wir wollen den Menschen im Auto ersetzen. Und zwar den besten.“ Um auch die Körpersprache eines Fußgängers verstehen zu können, braucht auch ein autonomes Auto sehr, sehr viele Daten. Sarah Marie Thomtom arbeitet als Ingenieurswissenschaftlerin an der Universität Stanford daran, Fahrzeuge auf die typisch menschliche Abwägung zwischen Sicherheit, Legalität und Mobilität einzustimmen, und beschäftigt sich mit Fragen, die weit über technische Machbarkeit hinaus gehen. Muss ein selbstständig fahrendes Auto eine vorgegebene Geschwindigkeit in einer Notfallsituation exakt einhalten, wenn es die wenigsten Menschen tun? Was passiert, wenn nur die Überquerung einer durchgezogenen Linie das Verlassen einer Parklücke ermöglicht? Und: Wo muss in Sachen Sicherheit die Priorität liegen: Beim Autofahrer oder bei den Menschen, denen er auf der Straße begegnet?

          Wie soll das städtische Leben der Zukunft aussehen? Die Frage beantwortet die Automobilindustrie auf ihre Weise. Aber der Ideenhorizont ist weiter geworden.

          Quelle: FAZ.NET

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