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me Convention 2017 : Maschinen mit Gewissen

Hat dieser kleine Kerl bald ein Gewissen? Bild: dpa

Viel wird erfunden, aber sollte alles davon erlaubt sein? Vor allem geht es um die Frage: Können und dürfen Roboter Entscheidungen fällen?

          Die Menschheit hat ein Problem: Sie fühlt eine Ohnmacht, wenn sich die Welt verändert und sie diese Veränderung nicht mitbestimmen kann. In besonderem Maße betrifft das die Debatte um Algorithmen und ihre Fähigkeit, selbständig zu lernen.

          Die Maschinen werden schlauer, Roboter können eigene Entscheidungen treffen, Autos sollen von allein fahren. Daraus entsteht die Furcht, dass die Macht der Maschinen zu neuen Problemen führen kann. Fast wöchentlich wird von Durchbrüchen in der Künstlichen Intelligenz, in der Robotikforschung oder im maschinellen Lernen berichtet. Juristen klagen, dass viel erfunden und getestet wird, von dem rechtlich noch überhaupt nicht geklärt ist, ob es erlaubt sein sollte. Es geht um die Frage, wie in der technischen Entwicklung Ethik und Moral definiert wird und was von Maschinen verlangt werden kann.

          Algorithmen kennen keine Empathie

          Grundsätzlich besitzen Roboter keinen freien Willen, Algorithmen kennen keine Empathie – und doch programmieren ihre Erschaffer ihnen eine Moralvorstellung ein. Wie verhindert man, dass ein Paketroboter auf seinem Weg zur Türschwelle das Nachbarkind oder den Hund als Hindernis wahrnimmt? Weichen Drohnen Vögeln aus oder folgen sie einer festgelegten Navigation im Luftraum?

          Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob man Maschinen, nur weil sie Fähigkeiten haben die unsere übersteigen, mit zu hohen Erwartungen konfrontiert anstatt ihre Leistung ausgehend vom Status quo zu bewerten. Natürlich bauen auch autonom fahrende Autos Unfälle, doch die meisten Verkehrstote verursachen wir Menschen – und das jeden Tag. Thomas Hofmann ist Professor für Data Analytics im Fachbereich Informatik der ETH Zürich und er sagt: „Wir setzen viel höhere Maßstäbe an Algorithmen, während wir mit den unperfekten Entscheidungen von Menschen leben.“

          Philosophen stellen die wichtigen Fragen

          Auch deshalb arbeiten diejenigen, die sich um Algorithmen und ihre Weiterentwicklung kümmern, eng mit denen zusammen, die existentielle Fragen stellen. Philosophen etwa, oder Anwälte. Design-Entscheidungen in Algorithmen müssten auf ethische Konsequenzen hin überprüft werden, sagt Sarah Thornton. Sie arbeitet am Dynamic Design Lab in Stanford an selbstfahrenden Autos. Die seien besonders schwierig zu programmieren, weil das Umfeld so komplex sei. „Philosophen stellen gute Fragen und entwerfen verrückte Szenarien. Doch am Ende müssen wir als Ingenieure die Probleme eingrenzen und uns fragen, wie wir die Maschinen steuern.“

          Algorithmen für autonomes Fahren zu schreiben, ist kniffliger, als etwa für Thermostate oder manuelle Kontrollsysteme. Eine komfortable Temperatur zu regeln ist kein Hexenwerk. Ja selbst fliegende autonome Systeme sind leichter zu programmieren als Autos – weil dort weniger Hindernisse im Weg sind.

          Menschen indes sind besonders gut darin, Situationen zu generalisieren und mit unvollständigen Informationen umzugehen. Wir ahnen, womit man rechnen muss, wenn ein Lastwagen vor einem fährt. Maschinen können sich nur auf Sensoren verlassen. Dafür sind sie immer konzentriert, nie müde. Unproblematisch wäre es womöglich, würden nur noch Maschinen steuern. Doch das wird wohl nie geschehen. Vermutlich steht uns ein gehöriges Durcheinander bevor, wenn menschliche Fahrer im Straßenverkehr auf Roboterautos ohne Fahrer treffen.

          Quelle: F.A.Z.

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