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Wie geht es der Weltwirtschaft, Herr Mayer? : Wacklige Banken

  • Aktualisiert am

Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke. Bild: Thilo Rothacker

Banken sind zu einer Gefahr für die Realwirtschaft geworden. Es ist Zeit für eine grundlegende Reform des Geldsystems.

          Wenn die Wirtschaft hustet, dann haben die Banken eine Lungenentzündung. Das war die Botschaft der Märkte in den vergangenen Wochen, als Rezessionsängste zum Einbruch der Bankaktien führten. Die Botschaft sollte ein Weckruf dafür sein, unser Bankensystem zu ändern, bevor es von der nächsten Rezession zerlegt wird.

          Die Politik wollte die Banken gleichzeitig durch höhere Eigenkapitalausstattung sicherer machen, den Steuerzahler aus der Haftung für Bankpleiten entlassen und zur Stützung der Konjunktur die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Leider hat sie diese Ziele verfehlt. Zwar haben die Banken ihre Eigenkapitalquoten erhöht, doch dies hat ihnen nicht mehr Vertrauen eingebracht. Die neuen Regeln zur Abwicklung von Banken haben Aktionäre und Gläubiger veranlasst, ihre Engagements bei Banken als wesentlich riskanter einzuschätzen. Nun haben es die Banken schwer, neues Eigenkapital am Markt aufzunehmen. Um ihre Eigenkapitalquoten zu erhöhen, müssen sie ihre Bilanzen kürzen. Außerdem neigen Anleger dazu, aus riskanten Bankanlagen zu fliehen, sobald eine Wolke am Konjunkturhimmel auftaucht. Eine teure und instabile Eigenkapitalausstattung und die Notwendigkeit, die Bilanz zu verkürzen, sind die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine höhere Kreditvergabe.

          Negativzinsen auf Einlagen von Zentralbankgeld und massive Käufe von Anleihen durch die Zentralbank verschärfen das Problem, weil sie die Kreditzinsen nach unten drücken. In der Folge kommen die Gewinne der Banken unter Druck, so dass eine Kapitalerhöhung aus eigener Kraft durch Einbehaltung von Gewinnen ebenfalls unmöglich wird. Statt die Banken auf eine solide Grundlage zu stellen, haben die massiven Eingriffe der Politik die Institute zu einer Gefahrenquelle für die Realwirtschaft gemacht. Auch kleinere Konjunkturdellen können sich zur Krise auswachsen: Die Flucht aus Bankaktien führt zur Flucht aus Einlagen, die zur systemischen Bankenkrise und letztlich zur Geldkrise führt. Denn wenn die Banken fallieren, stirbt mit ihnen das von ihnen über Kreditvergabe geschaffene Giralgeld. Man kann es nicht oft genug sagen: Unser Geld besteht weitgehend aus von den Banken ausgestellten Schuldverschreibungen, die nichts mehr wert sind, wenn die Banken kollabieren.

          Nach dem abermaligen Schwächeanfall der Banken werden Rufe zur grundlegenden Reform immer lauter. Neel Kashkari, früher Banker bei Goldman Sachs und heute Präsident der Minneapolis Federal Reserve, fordert die Zerschlagung der Banken. Sind sie danach immer noch zu groß, will er sie verstaatlichen. Kleineren Banken will er „so viel Eigenkapital aufzwingen, dass sie nicht bankrottgehen können“. Bis Ende dieses Jahres will er einen detaillierten Plan vorlegen. Die Debatte erinnert an den Kampf um die Kernenergie. Nach jedem Reaktorunfall wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, bis man begriff, dass es bei dieser Technik keinen verlässlichen Schutz vor katastrophalen Unfällen gab – und sich von ihr verabschiedete. In ähnlicher Weise kann es keine Sicherheit vor systemischen Finanzkrisen geben, solange Geld über die Vergabe von Krediten als Schuldverschreibung der Banken hergestellt wird. Da helfen die Zerschlagung von Banken und höhere Eigenkapitalausstattung ebenso wenig wie Tsunami-Mauern und mehrfache Sicherheitsvorkehrungen für Kernkraftwerke. Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden. Wie bei der Energieversorgung aus der Kernkraft müssen wir bei der Geldversorgung aus dem Kreditgeldsystem aussteigen.

          Gegenwärtig bereitet die Vollgeld-Initiative in der Schweiz eine Volksabstimmung zur Abschaffung des Kreditgelds vor. Giralgeld soll wie Bargeld allein von der Schweizer Nationalbank bereitgestellt werden. Dadurch wird die Rolle der Banken auf die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, das Einsammeln von Geldersparnissen und deren Verleihung an Kreditnehmer reduziert. Da die Geldschaffung unabhängig von der Kreditvergabe der Banken erfolgt, können diese weitgehend sich selbst überlassen werden, wie dies für andere Unternehmen in einer wettbewerblichen Marktordnung der Fall ist. Die Steuerung der Zinsen durch die Zentralbank entfällt, die Zinsen werden auf dem Kreditmarkt bestimmt. Die Gleichstellung des Giralgelds mit Bargeld hätte im Euroraum den besonderen Vorteil, dass die heiß umstrittene Sicherung von Bankeinlagen entfiele. Denn Giralgeld wäre wie Bargeld eine Verpflichtung der Europäischen Zentralbank und damit auch bei einer Bankenkrise sicher.

          Wie immer die Schweizer Abstimmung ausgehen wird, im Euroraum wird man eine Geldreform kaum freiwillig ins Auge fassen. Aber man könnte dazu gezwungen werden, wenn in der nächsten Rezession die Banken reihenweise kollabieren. Wacklig sind sie schon heute.

           

          Quelle: F.A.S.

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