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Mayers Weltwirtschaft : Von wegen sichere Geldanlage

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Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke. Bild: Thilo Rothacker

Die EU schlägt eine Gemeinschaftsanleihe aller Euro-Staaten vor und verspricht eine hohe Sicherheit. Doch das ist trügerisch.

          Der Traum eines jeden Investors ist eine verzinsliche Anlage ohne Risiko. Da auf diesem Traum ein großer Teil der modernen Finanztheorie gründet, suchen Ökonomen in Wissenschaft und Politik nach der „sicheren Anlage“ wie die Ritter des heiligen Grals nach der goldenen Schale. Nun hat die Europäische Kommission eine solche Anlage konzipiert, die deutsche Staatsanleihen aus dieser Rolle verdrängen soll. Zur Versöhnung verspricht sie, dass damit keine Vergemeinschaftung der Schulden der Euroländer einhergehen wird.

          Als sicher kann eine Anlage bezeichnet werden, die unter allen Umständen zu ihrem Nennwert zurückgezahlt wird, hoch liquide ist und deren Nennwert nicht schwankt. Wirklich sicher in diesem Sinn ist eigentlich nur Zentralbankgeld, das immer zum Nennwert getauscht werden kann, auch wenn Preissteigerungen seine Kaufkraft schwächen. Banken können Zentralbankgeld als Buchgeld von der Zentralbank erwerben oder sich von ihr leihen, der Bürger kann Zentralbankgeld jedoch nur als Banknoten erwerben.

          So gut wie sicher sind allerdings auch die Anleihen eines Staats, der Herr einer Zentralbank ist, die ihm seine Anleihen abkaufen würde, wenn er dafür keine anderen Käufer mehr finden würde. Ist dieser Staat darüber hinaus mit einer gesunden Wirtschaft gesegnet und sind seine Finanzverhältnisse stabil, dann bieten seine Schuldtitel Anlegern einen sicheren Hafen, wenn die Finanzmärkte von Stürmen zerzaust werden. In der Großen Finanzkrise von 2008 und 2009 und der Eurokrise von 2010 bis 2012 flohen viele Bürger im Euroraum ins Bargeld und Großanleger in deutsche Staatsanleihen, weil sie die Finanzkraft und Wirtschaft Deutschlands als relativ robust einschätzten. Außerdem gingen sie davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) immer hinter Deutschland stehen würde, weil es ohne Deutschland den Euro und damit die EZB nicht mehr geben würde.

          Die Idee der EU

          Die Europäische Kommission will nun die deutschen Staatsanleihen als sichere Anlagen ablösen, indem sie eine aus nationalen Anleihen bestehende Gemeinschaftsanleihe aller Eurostaaten vorschlägt. Der Clou dabei ist, dass die Sicherheit nicht durch die Vergemeinschaftung der Haftung, sondern durch die Tranchierung der Anleihe hergestellt werden soll. Wie bei den berüchtigten Collateralized Debt Obligations, die zur Finanzkrise beitrugen, soll eine Juniortranche als erste Auffanglinie für Zahlungsausfälle nationaler Anleihen dienen.

          Ist das Kapital dort verbraucht, soll eine Zwischentranche weitere Zahlungsausfälle absorbieren. Dadurch soll die Seniortranche geschützt werden. Simulationsrechnungen, die sich auf vergangene Erfahrungen stützen, sollen zeigen, dass eine Aufteilung der Gemeinschaftsanleihe auf 70 Prozent für die Seniortranche, 20 Prozent für die Zwischentranche und 10 Prozent für die Juniortranche die Seniortranche so sicher wie Bundesanleihen machen würden. Wenn nun vor allem Banken die Seniortranche hielten, dann wären sie nicht länger abhängig von der Bonität ihres Staates, dessen Anleihen sie ansonsten bevorzugt halten.

          Auch wenn die Idee auf den ersten Blick recht pfiffig wirkt, so birgt sie doch erhebliche Risiken. Die durchgeführten Simulationsrechnungen geben nur eine theoretische Bestätigung dafür, dass die aus Junior- und Zwischentranche gebildete Brandmauer die Seniortranche schützen kann. Es ist völlig offen, ob nicht die gesamte Konstruktion von einem Vertrauensverlust betroffen wäre, wenn ein großes Land seine Zahlungen einstellen würde. Entsprechend des Kapitalanteils an der EZB sollen Anleihen Italiens 18 Prozent an der Gemeinschaftsanleihe ausmachen. Theoretisch würde eine Brandschutzmauer von 30 Prozent ausreichen, einen Zahlungsausfall Italiens aufzufangen.

          Was aber, wenn spanische Anleihen von dem Vertrauensverlust in italienische Anleihen angesteckt würden? Dann betrüge der Maximalverlust schon 31 Prozent. Und wenn andere Länder dazu kämen? Und wenn gar einige krisengeschüttelte Länder aus dem Euro austreten würden? Ob die Anleger in der Seniortranche dann noch darauf vertrauen würden, dass der Schuldenschnitt schon nicht so schlimm ausfallen würde, dass ihre Anlage nicht davon betroffen wäre? Die Erfahrung in der Finanzkrise hat gezeigt, dass Panik alle kühlen Überlegungen übertrumpfen kann. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die Anleger auch aus der Seniortranche fliehen würden und dann das gesamte Konstrukt zusammenbrechen würde.

          Vergangene Woche habe ich auf das exorbitante Privileg des deutschen Staates hingewiesen, Reserveanlagen zu sehr günstigen Konditionen emittieren zu können. Sollte dies zugunsten einer wackligen Konstruktion aufgegeben werden, die in der nächsten Krise kippen könnte?

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