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unter bankern : Deep Purple

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Finanzjournalisten haben im Grunde keinen so üblen Job. Gut, sie müssen jederzeit und überall den aktuellen Stand des Dax aus dem Kopf ...

          Finanzjournalisten haben im Grunde keinen so üblen Job. Gut, sie müssen jederzeit und überall den aktuellen Stand des Dax aus dem Kopf heraus aufsagen können und sich mit so lästigen Dingen wie der Euro-Krise, dem Schuldenstand Spaniens und zyprischen Anleihekursen beschäftigen. Und zugegeben: Stürzen an einem Freitagnachmittag kurz vor Redaktionsschluss mal wieder die Börsenkurse ab, sorgt das auch nicht immer für Hochstimmung, wenn man seine ganze Story neu schreiben muss. Aber wie gesagt: Abgesehen davon, ist es wirklich kein übler Job.

          Wenn nur eines nicht wäre: Einen nicht geringen Teil ihrer Arbeitszeit können sich Finanzjournalisten gar nicht mit Finanzthemen befassen. Woran das liegt? An den Pressestellen von Banken und Fondsgesellschaften. Sollten die nicht eigentlich dabei helfen, dass Finanzjournalisten und Finanzthemen zusammenkommen, werden Sie sich jetzt fragen. Weit gefehlt. Zumindest in den Sommermonaten scheinen die PR-Leute der Geldhäuser dieses elementare Anliegen ihres Berufsstandes nicht so wirklich im Blick zu haben.

          Da ist zum Beispiel eine große deutsche Fondsgesellschaft, der Name tut hier nichts zur Sache. Immer wieder rufen sie an: Ob man denn die Einladung nicht bekommen habe? Eine Fahrradtour vom Hofgut Guntershausen bei Stockstadt am Rhein durch das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue bis nach Mainz. Mit auf Tour, so preisen die Anrufer, gehe der gesamte Vorstand der Gesellschaft. Nichts gegen Naturschutzgebiete, aber: Sich schwitzend durch Kühkopf-Knoblochsaue kämpfen und nebenbei noch einen kleinen, lockeren Plausch mit den Vorständen über die Konstruktion des ESM oder der EFSF führen? Liebe Leute, wie stellt Ihr Euch das vor? Nicht mal die Region bietet sich bei dem Namen als Gesprächsthema an. Eher fällt man doch vom Rad, als dass man einmal unfallfrei den Namen „Kühkopf-Knoblochsaue“ ausspricht.

          Genauso irritierend ist auch die Einladung, die eine Privatbank unlängst verschickt hat. „Presse-Workshop“ nennen sie das Ganze, und tatsächlich hört sich auch alles danach an: „Strategische Asset Allokation“ ist das Programm in typischem Finanzdeutsch überschrieben. Dann aber nimmt der Einladungstext eine unerwartete Wendung: „Am Abend wird uns die Gruppe Deep Purple den berühmtesten Akkord der Rock-Geschichte ins Gedächtnis rufen: Smoke on the Water .“ Ob man schon für das Konzert zusagen könne? Die Führungsriege des Hauses werde auch anwesend sein. Bei lauten Gitarrenklängen über Geldanlage diskutieren? Bitte schön. Vielleicht kann man dann auch irgendwann das Gespräch auf Kühkopf-Knoblochsaue lenken. Dort soll es tolle Fahrradwege geben.

          Quelle: F.A.S.

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