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Veröffentlicht: 13.11.2012, 15:38 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Zerschlagt die Banken nicht!

Es gibt keine Belege dafür, dass Spekulationsgeschäfte riskanter sind als normale Kreditgeschäfte. Investmentbanken und Geschäftsbanken muss man deshalb nicht trennen

von Thomas Mayer
© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.


    Der finnische Notenbankgouverneur Erkki Liikanen und seine Kollegen haben interessante Denkanstöße zur Neugestaltung des Bankensektors in Europa gegeben. Aus einer treffsicheren Analyse der während der Finanzkrise aufgedeckten Probleme leiten sie folgerichtig eine Reihe von Empfehlungen ab, die darauf hinauslaufen, die finanzielle Widerstandsfähigkeit und Haftung der Banken für unternehmerische Entscheidungen zu stärken. Seltsam quer zur Logik der vorgebrachten Argumente liegt allerdings die Forderung, das Handelsgeschäft der Banken in eine rechtlich abgetrennte und mit höherem Eigenkapital ausgestattete Einheit auszulagern.

    Im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat sich die Bilanzsumme der Banken in der Europäischen Union beinahe verdoppelt. Besonders stark war die Ausweitung in Ländern wie Irland, Spanien, Dänemark und Frankreich, eher unterdurchschnittlich war der Anstieg in Deutschland. Immer mehr verließen sich die Banken auf andere Finanzierungsquellen als Kundeneinlagen und Eigenkapital, immer deutlicher überstiegen sonstige Forderungen die klassischen Kredite. Insgesamt wurden die Banken größer, komplizierter und riskanter.

Die Banken wurden immer größer, das rächte sich    

Nach den Ausfällen im Subprime-Segment des amerikanischen Immobilienmarkts begannen sich übermäßige Komplexität und hohe Verschuldung der Banken zu rächen. Interessanterweise kommt der Liikanen-Bericht zu dem Schluss, dass kein spezielles Geschäftsmodell in der Krise besonders gut oder schlecht abgeschnitten hat. Ob Universalbank, Investmentbank, Spartenbank oder öffentliche Bank, überall kam es zu teilweise schwerwiegenden Problemen. In sechs Fallstudien zeichnet der Bericht die Schwierigkeiten nach.

Von Verlusten im Handelsgeschäft und Ausfällen im Investitionsportfolio betroffen waren die britische Universalbank Royal Bank of Scotland (RBS), die ebenfalls britische Spartenbank Northern Rock, die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers und einige öffentliche deutsche Landesbanken. Aufgrund von aggressiver Expansion und Einstieg in fremde Geschäftsfelder in Schwierigkeiten kamen RBS, Lehman und wieder deutsche Landesbanken. Einer kurzfristigen Finanzierung langfristiger Forderungen fielen Northern Rock und die deutsche Spartenbank Hypo Real Estate mit ihrer irischen Tochter Depfa zum Opfer. An leichtsinniger Kreditvergabe scheiterten RBS, Northern Rock und viele spanische Sparkassen. Und schließlich litten alle Banken an einer viel zu geringen Ausstattung mit Eigenkapital.

    Zur Vermeidung ähnlicher Probleme in der Zukunft befürworten Liikanen und seine Kollegen höhere Eigenkapitalquoten mit einem Deckel für die Verschuldungsquote, eine Liquiditätsquote, Bankanleihen, die im Fall einer existenzbedrohenden Schieflage in Eigenkapital umgewandelt werden, makroprudentielle Überwachung insbesondere von Hypothekenkrediten und einen rechtlichen Rahmen für die Umstrukturierung und Auflösung von Banken. Um die Auflösung im Notfall möglich zu machen, sollen die Banken ein „Testament“ schreiben.

    Nur wenn dies wegen einer zu komplexen Struktur nicht gelingt, so die Meinung einiger Mitglieder der Gruppe, soll das Handelsgeschäft in eine separate Gesellschaft der Bank ausgelagert werden. Die Mehrheit der Mitglieder hält dem jedoch entgegen, dass zur Vermeidung einer Finanzierung von Handelsgeschäften mit günstigen Kundeneinlagen Handelsgeschäfte in jedem Fall ausgelagert werden sollen, sobald sie einen gewissen Prozentsatz der Bilanzsumme ausmachen.

Die Bankenlandschaft in Europa könnte sich verändern

    Dass jedoch Handelsgeschäfte grundsätzlich riskanter sind als Kreditgeschäfte oder dass ein Verbot der Finanzierung dieser Geschäfte mit Einlagen deren Umfang begrenzen würde, ist nicht belegt. Insofern scheint eine generelle anstatt der von der Vollziehbarkeit des Testaments abhängig gemachte Auslagerung eher ein Tribut an den Zeitgeist als ein Gebot der Logik zu sein.

    Werden die Empfehlungen umgesetzt, dann wird sich die Bankenlandschaft in Europa verändern. Die Institute werden kleiner und ihre Geschäftsfelder vermutlich begrenzter sein, da Handelsgeschäfte zu Schattenbanken oder ins Ausland abwandern könnten. Ein höherer Bedarf an Eigenkapital und höhere Kosten für Fremdkapital werden Kredite verteuern, nicht immer zur Freude der sogenannten Realwirtschaft. Die Entlohnung der Beschäftigten wird bescheidener, die Kontrolle der Risiken schärfer und die Haftung aller Beteiligten höher sein. Andererseits könnte sich die Verwirklichung der Bankenunion positiv auf grenzüberschreitende Beziehungen zwischen Banken und Kunden auswirken. Höhere geographische Diversifizierung der Geschäfte und eine weiterhin diversifizierte Eigentümerstruktur können helfen, Monokulturen zu vermeiden und systemische Risiken zu verringern.

  

Quelle: F.A.S.

 

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