http://www.faz.net/-gqe-743kw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.11.2012, 15:09 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Wettlauf der Währungen

Die Notenbanken der Welt setzen viel aufs Spiel: Ihre Politik bedroht unser Geld.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Vor kurzem besuchte mich ein japanischer Bekannter. Mit sorgenvoller Miene sagte er mir in exzellentem Deutsch und in weiser Voraussicht: „Ich fürchte, dass die neue geldpolitische Lockerung der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve die Bank von Japan zwingen wird, ebenfalls zu lockern.“ Ich stimmte ihm zu und dachte: „Und auch die Europäische Zentralbank, die Bank von England, die chinesische Notenbank, die brasilianische Notenbank und, und, und ...“

Denn wer sich weigert, mitzuziehen, riskiert, dass der ohnehin schwachen Konjunktur seines Landes durch eine Aufwertung der Währung die letzte Kraft genommen wird. Die Spieltheoretiker nennen das Zermürbungskrieg. Wer es schafft, seine Zentralbankgeldmenge durch Zinssenkungen und Ankäufe von Wertpapieren am meisten auszuweiten, hat die schwächste Währung und somit die beste Aussicht auf eine Steigerung der Exporte. Das Problem dabei ist aber, dass ein Zermürbungskrieg Kosten verursacht. Wenn am Ende die Kosten den Ertrag übersteigen, dann haben alle verloren und der Gewinner nur einen wertlosen Pyrrhus-Sieg errungen. Im Zermürbungskrieg der Zentralbanken fallen die Kosten in Form eines Vertrauensschwunds in die Kaufkraft des Geldes an. Der Wettlauf um die Ausweitung der Zentralbankgeldmenge riskiert, dass durch den Verlust an Vertrauen unser gesamtes Geldsystem zerstört wird.

Der Glaube ans Geld gerät ins Wanken

Natürlich beruft sich die Federal Reserve zur Rechtfertigung ihrer Geldpolitik auf den ihr erteilten gesetzlichen Auftrag. Sie soll den Geldwert stabil und die Arbeitslosigkeit niedrig halten. Da sie das Risiko der Inflation noch immer geringer schätzt als das der Deflation, will sie so lange Geld in die Wirtschaft pumpen, bis die Arbeitslosenquote von derzeit rund acht Prozent auf rund sechs Prozent gesunken sein wird. Dabei verschließt sie sich dem Einwand, dass die Arbeitslosigkeit in Amerika überwiegend struktureller Natur ist und daher mit den Mitteln der Geldpolitik nicht bekämpft werden kann. Je länger es dauert, bis die Anpassung der amerikanischen Wirtschaft an eine Welt ohne unbegrenzt fließenden Kredit den Arbeitsmarkt erreicht, desto größer ist die Gefahr, dass die Fed eine übermäßige Ausweitung der Zentralbankgeldmenge weltweit erzwingt.

Unser Geld ist heute weder durch Gold noch durch andere materielle Gegenwerte gedeckt. Es bezieht seinen Wert allein aus dem Glauben, dass wir auch noch morgen und selbst in zehn Jahren mit diesem Geld Güter, Dienstleistungen oder reale Vermögenswerte wie zum Beispiel Land oder Immobilien kaufen können. Von allen politischen Einflüssen unabhängige und gesetzlich auf Geldwertstabilität verpflichtete Zentralbanken sollen unseren Glauben an die Werthaltigkeit des Geldes festigen.

Vor der Entwertung durch verantwortungslose Politiker ist unser Geld heute auch gut geschützt. Gegen eine auf falschen ökonomischen Theorien beruhende Geldpolitik der Zentralbanken gibt es jedoch keinen Schutz. Nun droht eine solche falsche Theorie, die in der Geldpolitik ein Instrument zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sieht, einen weltweiten Wettlauf um die Ausweitung der Zentralbankgeldmenge auszulösen.

Der Währungswettlauf zerstört Vertrauen

Sobald dieser Wettlauf für alle Wirtschaftssubjekte sichtbar geworden ist, werden sie das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Geldes verlieren und versuchen, ihr Geldvermögen in Sachwerte umzutauschen. Zu einem solchen Vertrauensverlust kam es Ende der siebziger Jahre, nachdem viele Zentralbanken den rezessiven Wirkungen der damaligen Ölpreiserhöhungen mit einer expansiven Geldpolitik begegneten. Infolge des Vertrauensverlusts stiegen die Preise für Sachwerte wie Edelmetalle und Immobilien. Nur durch den Sinneswandel der Federal Reserve im Jahr 1979, die durch starke Zinserhöhungen der Ausweitung der Zentralbankgeldmenge Einhalt gebot, konnte das Geldsystem gerettet werden.

Noch sind wir von einer ähnlichen Situation ein gutes Stück entfernt. Die Inflationserwartungen der Volkswirte liegen stabil in der Nähe der Inflationsziele der Zentralbanken. Allerdings hat sich die Bandbreite der Erwartungen erhöht, was auf gestiegene Unsicherheit schließen lässt. Außerdem steigen die Preise für Edelmetalle, Rohstoffe und in einigen Ländern auch die Preise für Immobilien. Wo sind heute die mutigen Zentralbanker, die unser Geldsystem retten? Und kann diese Rettung überhaupt noch gelingen, wenn bis dann Realwirtschaft und Finanzmärkte dem süßen Gift des billigen Geldes verfallen sind?

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anlage-Trends Reiche Familien riskieren mehr

Immobilien und Aktien sind bei reichen Familien gefragt, Infrastruktur bleibt dagegen ein Nischenthema. Wie Millionäre angesichts von Minizinsen jetzt ihr Geld anlegen. Mehr Von Daniel Mohr

21.06.2016, 09:55 Uhr | Finanzen
Kalifornien Heikles Terrain für Donald Trump

Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf stehen am Dienstag Vorwahlen in sechs Bundesstaaten an, darunter Kalifornien. Zwar hat Donald Trump im Ringen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bereits alle anderen Rivalen aus dem Feld geschlagen. Doch der bevölkerungsreichste Bundesstaat dürfte sich für den Immobilien-Milliardär als schwieriges Terrain erweisen. Mehr

04.06.2016, 17:29 Uhr | Politik
Nullzinsen Wohin nur mit meinem Geld?

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik stehen sogar die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen unter Null. Wo steckt man nun sein Geld hinein? Mehr Von Christoph A. Scherbaum

14.06.2016, 12:30 Uhr | Finanzen
Tough Mudder Wettlauf über Stock und Stein

Beim Tough Mudder-Rennen im nordrhein-westfälischen Arnsberg kämpften sich am Wochenende tausende Sportler durch Modder und Matschwasser. Dabei mussten sie auf rund 18 Kilometern mehr als 20 Hindernisse überwinden. Der Parcours in Arnsberg ist laut Veranstaltern die schwierigste Tough-Mudder-Strecke in Europa. Mehr

20.06.2016, 17:19 Uhr | Sport
Deutsche Staatsanleihen Bundesbank wird größter Gläubiger des Bundes

85 Prozent aller Bundesanleihen haben negative Renditen. Trotzdem hat die Finanzagentur keine Probleme, Abnehmer zu finden. Wie kann das sein? Mehr Von Markus Frühauf

15.06.2016, 15:36 Uhr | Finanzen

Ein neuer Deal für die Briten

Von Heike Göbel

Manche sagen, man müsse an den Briten jetzt ein Exempel statuieren, damit andere Länder nicht auch die EU verlassen. Das führt in die Irre. Es liegt im Interesse der EU, den Briten die Tür nicht zuzuschlagen. Mehr 88


Märkte nach dem „Brexit“
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Euro in Dollar --  --
  FTSE 100 --  --
  Pfund in Euro --  --
  Pfund in Dollar --  --
  Gold --  --

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 48

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --