Home
http://www.faz.net/-hi8-7hi3j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Mayers Weltwirtschaft Weiter wachsen!

Die Vorstellung vom natürlichen Ende des Wachstums führt in die Irre.

Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt haben sich konservative und links-grüne Intellektuelle unter dem Sittengemälde einer stagnierenden Wirtschaft vereinigt. Meinhard Miegel, Vorstand der eher konservativ orientierten Stiftung Denkwerk Zukunft, verweist dazu gerne auf ein Schaubild, das die abnehmenden Wachstumsraten der Länder der Europäischen Union seit den sechziger Jahren zeigt. Hintergrund ist die Überzeugung, dass die Endlichkeit natürlicher Ressourcen ein Ende des Wachstums entweder aus menschlicher Einsicht oder roher Naturgewalt erzwingen wird.

Dabei gehen die Schwarzmaler allerdings davon aus, dass sich Wirtschaft von der Warte des im Lehnstuhl sitzenden Intellektuellen objektiv durch ein Modell erklären lässt, in dem wirtschaftliche Aktivität mechanisch mit dem Verbrauch natürlicher Ressourcen verbunden ist. Dem haben jedoch die führenden Ökonomen der österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschaften, Ludwig von Mises und Friedrich von Hayek, schon im frühen zwanzigsten Jahrhundert widersprochen. Ihrer Ansicht nach erwerben die Wirtschaftssubjekte praktisches wirtschaftliches Wissen, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Im Austausch am Markt wird dieses Wissen erweitert, und es werden die Ziele angepasst oder verändert. Der Zuwachs an Wissen, das durch unternehmerische Aktivität am Markt entsteht, und nicht der Verbrauch natürlicher Ressourcen, ist die Ursache von Wachstum. Unternehmerisch tätig wird dabei nicht nur der Unternehmer, auch der abhängig Beschäftigte, wenn er etwa eine Beschäftigung findet, die ihm mehr Befriedigung oder einen höheren Lohn verschafft.

Die Welt wird weiter wachsen

Da die Erweiterung des praktischen Wissens in den Köpfen entsteht, kann der Wissenschaftler den Prozess nur qualitativ beschreiben, aber nicht quantitativ messen und vorhersagen. Die Aussage, dass sich das Wachstum aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen zwangsläufig verlangsamen muss, setzt also ein objektives Wissen über die weitere Entwicklung des praktischen Wissens durch die Wirtschaftssubjekte voraus, das der Prognostiker unmöglich haben kann.

Praktisches Wissen wird durch Austausch am Markt vermehrt. Nehmen wir an, Person A möchte Ziel A erreichen, aber die ihr zur Verfügung stehenden Mittel sind dazu nicht geeignet. Person B möchte Ziel B erreichen, hat aber das gleiche Problem. Person C kann nun das Wissen beider erweitern und die Erreichung der Ziele möglich machen, wenn sie herausfindet, dass beide ihre Ziele dadurch erreichen, dass A und B ihre Mittel tauschen. Indem C die Vorteile des Tausches erkennt und möglich macht, handelt sie unternehmerisch. Je mehr Personen ihr praktisches Wissen am Markt austauschen, um ihre Ziele zu verfolgen und mit dem erweiterten Wissen weiterzuentwickeln, desto mehr nimmt die Wirtschaftsaktivität zu. Daraus folgt, dass Wachstum durch die Zahl der am Markt tätigen Menschen, nicht durch die Natur, begrenzt ist. In seinem Buch „Sozialismus, Wirtschaftsrechnung und unternehmerische Funktion“ hat dies Jesus Huerta de Soto folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Das Haupthindernis für den Fortschritt ist eine stagnierende Bevölkerung, da sie den Prozess blockiert, bei dem das für die ökonomische Entwicklung notwendige praktische Wissen tiefer und spezialisierter wird.“

Nur der Staat bedroht das Wachstum

Huerta de Sotos Aussage gilt allerdings nur, wenn der Austausch praktischen Wissens in der stagnierenden Bevölkerung schon vollständig ist. Weiteres Wachstum ist möglich, wenn der Austausch intensiviert werden kann oder wenn in einem Land mit stagnierender Bevölkerung der Austausch mit Ländern mit wachsender Bevölkerung aufgenommen wird. Wachstum ist also möglich, solange die Vernetzung der Wirtschaftssubjekte auf dem globalen Markt – modisch könnte man sagen „interconnectedness“ – weitergeht und die Weltbevölkerung wächst. Da ein Ende des globalen Bevölkerungswachstums in ferner Zukunft liegt und die Vernetzung nicht abgeschlossen ist, drohen Gefahren für das Wachstum nur von einer Seite: der Beeinträchtigung des Austausches von praktischem Wissen am Markt durch den Staat oder mächtige Interessengruppen. Tatsächlich spielen in der Wirtschaftsgeschichte die Möglichkeit zur besseren Vernetzung und die Beeinträchtigung dieser Möglichkeiten eine entscheidende Rolle für den Aufstieg und Fall von Gesellschaften. Erinnert sei hier nur an den Abstieg Chinas, der mit der von der Mingh-Dynastie eingeleiteten Abschottung im vierzehnten Jahrhundert begann, und mit der von Deng Xiaoping eingeleiteten Öffnung Anfang der achtziger Jahre endete.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Digitale Agenda Das Netz - Raum der Chancen und der Freiheit

Revolutionäre Innovationen geben erst mit der Zeit zu erkennen, ob neue Gesetze wirklich förderlich sind. Doch die Bedrohungen im Cyber-Raum und die Risiken für jeden Einzelnen sind so groß geworden, dass der Staat eingreifen muss. Die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung und das IT-Sicherheitsgesetz sind ein erster Schritt, der Deutschland zu einem Vorreiter machen soll. Mehr

17.08.2014, 15:58 Uhr | Politik
Rhein-Main-Verkehrsverbund Das Verkehrsnetz stößt an seine Grenzen

RMV-Geschäftsführer André Kavai wirbt für den Bau neuer Schienenstrecken. Denn der öffentliche Nahverkehr bleibt hinter der Bevölkerungsentwicklung zurück. Mehr

15.08.2014, 18:23 Uhr | Rhein-Main
Wirtschaftswachstum Die unerwiderte Liebe der Menschen zum Kapitalismus

Die Menschen lieben die kapitalistische Wirtschaftsordnung. Sie drängen hinein, nicht heraus. Das kommt, weil die Regeln einfach sind und das materielle Ergebnis stimmt. Doch ist es ein Vertrag zu Lasten Dritter. Mehr

17.08.2014, 15:59 Uhr | Feuilleton

Anpfiff zur Werbeschlacht

Von Rüdiger Köhn

Mit dem Start der neuen Bundesliga-Saison hat auch eine Werbeschlacht der drei Sportartikelhersteller Nike, Adidas und Puma begonnen. Höhere Werbebudgets können Managementfehler in den Sportkonzernen jedoch nicht ausmerzen. Mehr 2


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschland, Telekom-Entwicklungsland

Die digitale Agenda ist offenbar wirklich nötig: Die Telekommunikationsbranche trägt hierzulande nur 2,25 Prozent zum BIP bei - weniger als etwa in Spanien, Frankreich oder Italien. Mehr 1