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Mayers Weltwirtschaft Weiter wachsen!

Die Vorstellung vom natürlichen Ende des Wachstums führt in die Irre.

Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt haben sich konservative und links-grüne Intellektuelle unter dem Sittengemälde einer stagnierenden Wirtschaft vereinigt. Meinhard Miegel, Vorstand der eher konservativ orientierten Stiftung Denkwerk Zukunft, verweist dazu gerne auf ein Schaubild, das die abnehmenden Wachstumsraten der Länder der Europäischen Union seit den sechziger Jahren zeigt. Hintergrund ist die Überzeugung, dass die Endlichkeit natürlicher Ressourcen ein Ende des Wachstums entweder aus menschlicher Einsicht oder roher Naturgewalt erzwingen wird.

Dabei gehen die Schwarzmaler allerdings davon aus, dass sich Wirtschaft von der Warte des im Lehnstuhl sitzenden Intellektuellen objektiv durch ein Modell erklären lässt, in dem wirtschaftliche Aktivität mechanisch mit dem Verbrauch natürlicher Ressourcen verbunden ist. Dem haben jedoch die führenden Ökonomen der österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschaften, Ludwig von Mises und Friedrich von Hayek, schon im frühen zwanzigsten Jahrhundert widersprochen. Ihrer Ansicht nach erwerben die Wirtschaftssubjekte praktisches wirtschaftliches Wissen, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Im Austausch am Markt wird dieses Wissen erweitert, und es werden die Ziele angepasst oder verändert. Der Zuwachs an Wissen, das durch unternehmerische Aktivität am Markt entsteht, und nicht der Verbrauch natürlicher Ressourcen, ist die Ursache von Wachstum. Unternehmerisch tätig wird dabei nicht nur der Unternehmer, auch der abhängig Beschäftigte, wenn er etwa eine Beschäftigung findet, die ihm mehr Befriedigung oder einen höheren Lohn verschafft.

Die Welt wird weiter wachsen

Da die Erweiterung des praktischen Wissens in den Köpfen entsteht, kann der Wissenschaftler den Prozess nur qualitativ beschreiben, aber nicht quantitativ messen und vorhersagen. Die Aussage, dass sich das Wachstum aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen zwangsläufig verlangsamen muss, setzt also ein objektives Wissen über die weitere Entwicklung des praktischen Wissens durch die Wirtschaftssubjekte voraus, das der Prognostiker unmöglich haben kann.

Praktisches Wissen wird durch Austausch am Markt vermehrt. Nehmen wir an, Person A möchte Ziel A erreichen, aber die ihr zur Verfügung stehenden Mittel sind dazu nicht geeignet. Person B möchte Ziel B erreichen, hat aber das gleiche Problem. Person C kann nun das Wissen beider erweitern und die Erreichung der Ziele möglich machen, wenn sie herausfindet, dass beide ihre Ziele dadurch erreichen, dass A und B ihre Mittel tauschen. Indem C die Vorteile des Tausches erkennt und möglich macht, handelt sie unternehmerisch. Je mehr Personen ihr praktisches Wissen am Markt austauschen, um ihre Ziele zu verfolgen und mit dem erweiterten Wissen weiterzuentwickeln, desto mehr nimmt die Wirtschaftsaktivität zu. Daraus folgt, dass Wachstum durch die Zahl der am Markt tätigen Menschen, nicht durch die Natur, begrenzt ist. In seinem Buch „Sozialismus, Wirtschaftsrechnung und unternehmerische Funktion“ hat dies Jesus Huerta de Soto folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Das Haupthindernis für den Fortschritt ist eine stagnierende Bevölkerung, da sie den Prozess blockiert, bei dem das für die ökonomische Entwicklung notwendige praktische Wissen tiefer und spezialisierter wird.“

Nur der Staat bedroht das Wachstum

Huerta de Sotos Aussage gilt allerdings nur, wenn der Austausch praktischen Wissens in der stagnierenden Bevölkerung schon vollständig ist. Weiteres Wachstum ist möglich, wenn der Austausch intensiviert werden kann oder wenn in einem Land mit stagnierender Bevölkerung der Austausch mit Ländern mit wachsender Bevölkerung aufgenommen wird. Wachstum ist also möglich, solange die Vernetzung der Wirtschaftssubjekte auf dem globalen Markt – modisch könnte man sagen „interconnectedness“ – weitergeht und die Weltbevölkerung wächst. Da ein Ende des globalen Bevölkerungswachstums in ferner Zukunft liegt und die Vernetzung nicht abgeschlossen ist, drohen Gefahren für das Wachstum nur von einer Seite: der Beeinträchtigung des Austausches von praktischem Wissen am Markt durch den Staat oder mächtige Interessengruppen. Tatsächlich spielen in der Wirtschaftsgeschichte die Möglichkeit zur besseren Vernetzung und die Beeinträchtigung dieser Möglichkeiten eine entscheidende Rolle für den Aufstieg und Fall von Gesellschaften. Erinnert sei hier nur an den Abstieg Chinas, der mit der von der Mingh-Dynastie eingeleiteten Abschottung im vierzehnten Jahrhundert begann, und mit der von Deng Xiaoping eingeleiteten Öffnung Anfang der achtziger Jahre endete.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 14.09.2013, 15:04 Uhr

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