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Mayers Weltwirtschaft Was Deutschland für die übrigen Euro-Staaten tun kann: Wenig exportieren

 ·  Im Euroraum gibt es große Ungleichgewichte. Daran ist nicht Deutschland Schuld. Aber es kann seinen Teil dazu beitragen, sie abzubauen.

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Außerhalb Deutschlands wird gern darauf hingewiesen, dass die Wirtschaftspolitik sowohl in den Defizit- als auch in den Überschussländern des Euroraums für die Anpassung übermäßiger Leistungsbilanzungleichgewichte verantwortlich sei. Das hört sich manchmal so an, also ob Deutschland die größte Schuld an den Ungleichgewichten tragen würde.

Die Idee, dass für den Abbau überhöhter Leistungsbilanzungleichgewichte in einem System fester Wechselkurse auch die Überschussländer verantwortlich sind, ist nicht neu. Schon während der Konferenz von Bretton Woods 1944 plädierte John Maynard Keynes für einen Mechanismus zur symmetrischen Anpassung. Sein Gegenspieler Harry Dexter White, der Vertreter des amerikanischen Finanzministers, konnte dem jedoch nichts abgewinnen. Schließlich hatten die Vereinigten Staaten hohe Leistungsbilanzüberschüsse und wollten sich als stärkste Macht von den geschwächten europäischen Staaten, die mit Leistungsbilanzdefiziten kämpften, nichts vorschreiben lassen.

Deutschland sollte schon mal die Lokomotive für die Weltwirtschaft sein

Natürlich siegte White. Darum stand im Bretton Woods-System der Dollar im Mittelpunkt und es lag an Ländern mit Leistungsbilanzdefiziten, diese durch Wirtschaftspolitik zu korrigieren oder ihre Währung gegenüber dem Dollar abzuwerten.

Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems in den siebziger Jahren änderten sich die Verhältnisse. Nun hatten die Vereinigten Staaten drückende Leistungsbilanzdefizite und wollten, dass die Überschussländer am Abbau der Ungleichgewichte mitarbeiteten. 1978 kam die Bundesregierung unter Helmut Schmidt dem nach und kurbelte die deutsche Nachfrage an. Deutschland sollte Lokomotive für die Weltwirtschaft sein. Das Konjunkturprogramm traf jedoch eine schon an der Grenze der Überhitzung stehende Wirtschaft und trug zusammen mit explodierenden Ölpreisen zu steigender Inflation bei.

Die Ereignisse führten zur Japan-Krise

Im Verlauf der achtziger Jahre übte Amerika erneut Druck auf die Partner mit Leistungsbilanzüberschüssen aus, zur Wiederherstellung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts beizutragen. Im Jahr 1985 verständigte man sich im sogenannten Plaza-Abkommen darauf, dass zu diesem Zweck der Wechselkurs des Dollar gegenüber anderen Währungen zu fallen habe.

Als die Amerikaner jedoch nach einem gescheiterten Stabilisierungsversuch im Jahre 1987, dem „Louvre-Accord“, den Dollar ungebremst weiter fallen ließen, versuchte Japan durch eine extrem lockere Geldpolitik die Aufwertung des Yen abzuschwächen. Diese Politik führte zwar nicht zu höherer Konsumentenpreisinflation, erzeugte jedoch eine gewaltige Blase an den Aktien- und Immobilienmärkten. Vom Platzen dieser Blase im Jahr 1989 hat sich Japan bis heute nicht richtig erholt.

Die Erfahrungen sollten eine Warnung sein

Die Erfahrungen mit fehlgeschlagenen Versuchen eines makroökonomisch gesteuerten Abbaus von Leistungsbilanzüberschüssen sollten eine Warnung sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass sich Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen der Anpassung entziehen können, wenn andere Staaten ihre externen Defizite verringern müssen, weil sie keine ausreichende Möglichkeit zu ihrer Finanzierung besitzen.

Wenn in den Überschussländern wegen einer Verringerung der Nettoexporte die Arbeitslosigkeit nicht steigen soll, müssen Arbeit und Kapital dort verlagert werden: von der Produktion handelbarer Güter wie Autos in die Produktion nicht handelbarer Güter wie heimischer Dienstleistungen. Dadurch sinken die Exporte und es steigen die Binnennachfrage und die Importe.

Löhne müssen ungleicher werden

Spiegelbildlich dazu müssen in den Defizitländern Kapital und Arbeit aus der Produktion nicht handelbarer Güter in die Produktion handelbarer Güter wandern. Damit diese Strukturveränderungen möglich sind, muss in beiden Ländergruppen die Wirtschaft flexibel sein. Vor allem muss eine Spreizung der Löhne und Preise möglich sein, so dass der Strukturwandel ohne dauerhaften Anstieg der Arbeitslosigkeit möglich wird.

Wie Deutschland helfen kann

Deutschland kann also den Anpassungsprozess in den Defizitländern unterstützen, indem es selbst für höhere Mobilität der Arbeitskräfte zwischen den Sektoren und für flexible Löhne sorgt, so dass die in der Exportindustrie abgebauten Arbeitskräfte schnell Beschäftigung im heimischen Sektor finden.

Der Abbau noch bestehender Hemmnisse im europäischen Binnenmarkt würde bisher nicht-handelbare Produkte in handelbare Produkte verwandeln - so könnte das grenzüberschreitende Angebot von Dienstleistungen durch Anerkennung von Berufsabschlüssen verbessert werden. Das würde den Defizitländern neue Exportmöglichkeiten erschließen. Im Gegensatz zur makroökonomischen Steuerung sind wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Erleichterung des Strukturwandels nicht nur nicht schädlich, sondern sogar förderlich.

Der Autor

Thomas Mayer ist Senior Fellow am Center for Financial Studies der Universität Frankfurt und Berater der Deutschen Bank.

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