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Mayers Weltwirtschaft Schwierige Zeiten

Nur wenn alles gutgeht, wird das neue Jahr nicht schlechter als das alte. Die Weltwirtschaft steht vor großen Herausforderungen.

© Thilo Rothacker Vergrößern Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Senior Fellow am Center for Financial Studies der Universität Frankfurt.

Vor einem halben Jahr habe ich diese Kolumne mit einem Bekenntnis eröffnet: Im Zweifel für den Markt als Instanz zur Bewertung wirtschaftlicher Vorhaben und zur Koordination von Entscheidungen. Und im Zweifel für die sogenannte österreichische Schule der Nationalökonomie, die zum besseren Verständnis der Rolle des Marktes in einer freiheitlichen Wirtschaft wesentlich beigetragen hat. Der Beginn des neuen Jahres bietet Anlass zur Bestätigung und Erneuerung. Meine guten Vorsätze für 2013 lauten: für den Zweifel an vermeintlich unumstößlichen Wahrheiten und im Zweifel für den Markt und deshalb für die Österreicher.

Im Zweifel für den Markt

Im vergangenen Jahr habe ich hier viele Fragen der Zeit diskutiert und mich klar positioniert: für stabiles Geld und gegen eine konstruktivistische Geldpolitik (der Kolumnentitel damals lautete: „Play it again, Ben“); für nationale Haftung für die von nationalen Parlamenten angehäufte öffentliche Schuld und gegen die Vergemeinschaftung auf europäischer Ebene („Irrweg Fiskalunion“); für einen stabilen Euro und gegen seine Aufweichung durch reformunwillige Mitgliedsländer („Lateinische Währungsunion“); für Hilfe für die Schwachen und im Markt Gescheiterten, aber gegen eine umfassende staatliche Nivellierung privater Einkommen und Vermögen („Wider den Neid“). Und für volle Haftung der Banken für ihre unternehmerischen Entscheidungen, aber gegen eine nur Scheinsicherheit versprechende staatliche Gängelung („Lasst Bankpleiten zu!“).

Die Kommentare der Leser im vergangenen halben Jahr waren immer erfrischend, bliesen mir die meisten doch den Wind ins Gesicht. Sicher ist: Beifall ist heutzutage mit dem Ruf nach mehr Staat leichter zu erlangen als mit der Forderung nach staatlicher Beschränkung auf das Wesentliche. Aber das hatte ich ja so erwartet, als ich in meiner ersten Kolumne feststellte, dass nicht einmal der Ordoliberalismus, der den Österreichern verwandt ist wie der Hund dem Wolf, heute mehrheitsfähig zu sein scheint. Die Mehrheit in unserem Land mag eben keine Hunde - und Wölfe schon gar nicht. Umso mehr freut es mich, dass es Orte gibt, an denen auch Minderheiten zu Wort kommen können.

Große Herausforderungen für die Weltwirtschaft

An welchen Themen werde ich nun meine guten Vorsätze für das neue Jahr erproben können? Die Herausforderungen sind wahrlich nicht gering. Wird es Amerika gelingen, einen vernünftigen Pfad zur Sanierung der Staatsfinanzen zu finden? Wird die amerikanische Notenbank Federal Reserve zu Maß und Mitte in der Geldpolitik zurückfinden? Kommt es zu beidem nicht, könnte die Weltwirtschaft in die nächste Rezession und unser Geldsystem in eine Krise stürzen.

Werden sich die politischen Verhältnisse im Nahen Osten stabilisieren und der Konflikt zwischen Israel und Iran um das iranische Atomprogramm entschärft? Wenn nicht, dann droht ein neuer Krieg in dieser Region, der nicht nur weiteres Leid für die Menschen dort, sondern auch steigende Ölpreise für uns alle bringen könnte. Wird die neue japanische Regierung wieder verstärkt auf fiskal- und geldpolitische Stimulierung der schwach dahindümpelnden Wirtschaft setzen? Wenn ja, dann könnte eine Überdosis an Doping-Mitteln das Land in eine Finanzkrise schlittern lassen und der Yen auf den internationalen Devisenmärkten abstürzen. Werden die Länder des Euroraums die politische Kraft aufbringen, ihre Wirtschaftsstrukturen flexibler zu gestalten und ihre Staatsfinanzen zu konsolidieren? Wird die wirtschaftliche Entwicklung ihnen dazu überhaupt eine Chance geben? Wenn nicht, dann wird die Europäische Zentralbank noch stärker gefordert werden, den Euro mit den Mitteln der Geldpolitik zu stützen. Damit kann sie zwar den Bestand des Euro garantieren, nicht aber dessen Charakter als stabile Währung erhalten.

Wird die Bundestagswahl im Herbst uns eine Regierung bescheren, die den Einfluss des Staates weiter stärken und den Markt als Regulativ zurückdrängen wird? Wenn ja, dann wird sich Deutschland bald in der Reihe der fußkranken Euroländer wiederfinden. Da in einem solchen Fall die Interessenkonflikte geringer wären, würde dies die Geld- und Fiskalpolitik in Europa zwar erheblich vereinfachen. Aber der Preis dafür wäre ein Verlust von Wohlstand nun auch bei uns.

Angesichts dieser Herausforderungen ist es nicht leicht, optimistisch ins neue Jahr zu blicken. Nur wenn alles gutgeht, dürfte es nicht schlechter werden als das vergangene Jahr. Andererseits werden die zahlreichen Risiken Kräfte zu ihrer Entschärfung mobilisieren. Das macht die Stärke eines dezentralen gegenüber einem zentral organisierten Wirtschaftssystem aus. Solange diese Stärke erhalten bleibt, gibt es keinen Grund, pessimistisch ins neue Jahr zu sehen

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 05.01.2013, 15:13 Uhr

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