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Mayers Weltwirtschaft Scheinblüte

 ·  Der Eindruck, das Schlimmste in der Euro-Krise sei vorüber, trügt leider.

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Auf den globalen Finanzmärkten ist der Risikoappetit zurückgekehrt, und unter europäischen Politkern herrscht Zuversicht, dass wir nun das Schlimmste in der Euro-Krise hinter uns haben. Doch ist die Morgenröte trügerisch, denn der Abbau der öffentlichen Schuldenlast in allen Industrieländern sowie die Reform verkrusteter Wirtschaftsstrukturen im Euroland sind entweder noch gar nicht in Gang gekommen oder stecken schon wieder im Gestrüpp einzelwirtschaftlicher Interessen fest.

Lockere Geldpolitik

Die Verbesserungen in der Stimmung rühren überwiegend von den niedrigen Zinsen und der großzügigen Geldemission der Zentralbanken her. Diese versichern zwar, dass sie aus ihrer ungewöhnlich lockeren Geldpolitik ohne Probleme wieder aussteigen können, doch die Erfahrung spricht dagegen.

In der jüngeren Vergangenheit war der Ausstieg aus Niedrigzinsphasen nach Banken- oder Finanzkrisen von erheblichen Turbulenzen auf den Finanzmärkten begleitet. Zu Anfang der neunziger Jahre hielt die amerikanische Fed ihren Leitzins niedrig, um die von der Sparkassenkrise ausgelöste Rezession zu bekämpfen. Der konjunkturelle Einbruch war zwar nicht tief, aber der Aufschwung ließ lange auf sich warten und verlief anfangs recht kraftlos. Solange der Leitzins niedrig blieb, fielen die Renditen auf amerikanische Staatsanleihen.

Im Februar 1994 sah die Fed die Zeit für den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik gekommen und erhöhte den Leitzins, die Fed Funds Rate. Weitere Zinserhöhungen folgten im Verlauf des Jahres. Dies führte zu einem drastischen Einbruch am Markt für Staatsanleihen und ließ die Renditen in die Höhe schießen. Einige Banken drohten in Schieflage zu geraten, und die Wirtschaft lief Gefahr, wieder in die Rezession zu fallen. Dies zwang die Fed zu erneuten Senkungen des Leitzinses ab Mitte 1995. Die zweite geldpolitische Wende gestaltete sich noch dramatischer. Nachdem die Blase für Technologieaktien im Jahr 2000 geplatzt und der gesamte Markt eingebrochen war, fiel die Wirtschaft in die Rezession. Die Fed reagierte darauf mit aggressiven Zinssenkungen und brachte die Fed Funds Rate von 6,5 Prozent Ende 2000 auf 1 Prozent Mitte 2003. Auf diesem Niveau blieb sie ein Jahr lang. Während dieser Phase sanken insbesondere die Kreditzinsen und regten einen starken Anstieg von Immobilienhypotheken an. Die hohe und vielfach spekulative Nachfrage trieb die Immobilienpreise nach oben. Mitte 2004 machte sich die Fed an die Normalisierung der Geldpolitik und hob den Leitzins bis Juli 2006 auf 5,25 Prozent an, wo er bis Juli 2007 blieb. Die Erhöhung des Leitzinses führte zu einer Verteuerung der Immobilienkredite und im Frühjahr 2007 zu einem Einbruch im Sub-Prime-Segment des Immobilienmarkts, der sich zu einer internationalen Finanzkrise ausweitete, die mit der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 ihren bisherigen Höhepunkt hatte.

Angst vor dem Ausstieg

Angesichts der in der Vergangenheit misslungenen Versuche, die Niedrigzinspolitik geräuschlos zu beenden, und der weiterhin hohen privaten und öffentlichen Schulden werden die Zentralbanken den Ausstieg aus der gegenwärtigen Politik auf die lange Bank schieben. Zu groß wird ihnen das Risiko erscheinen, dass ein Verkauf der von ihnen gehaltenen Wertpapiere oder die Anhebung der Leitzinsen das mühsam aufgebaute Kartenhaus auf den Finanzmärkten wieder zum Einsturz bringen könnte.

Jedoch beruht die Stabilität unseres Geldes einzig und allein auf dem Vertrauen darauf, dass wir es heute und in der Zukunft gegen Waren, Dienstleistungen oder reale Vermögenswerte wie Wohnungen oder Land eintauschen können. Wenn sichtbar wird, dass den Zentralbanken aus Sorge um die Schuldner die Hände gefesselt sind, wenn es darum geht, einen aufkommenden Verlust der Kaufkraft des Geldes abzuwehren, dann geht das Vertrauen verloren. Das Publikum wird dann versuchen, dieses vertrauensunwürdige Geld so schnell wie möglich in andere Werte umzutauschen. Aus der Finanzkrise, die durch den Vertrauensverlust in private und öffentliche Schuldner ausgelöst wurde, könnte dann eine Geldkrise werden, in der das Publikum den Zentralbanken sein Vertrauen entzieht. Der Verlust an Vertrauen in unser Wirtschafts- und Finanzsystem wäre damit auf seinem Höhepunkt angekommen.

PS: Dank an F.A.S. Leser Senn, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass rein rechnerisch die Staatsschuldenquote Zyperns mit dem angepeilten Programm zur Bankenrettung auf rund 150 Prozent des BIP und nicht, wie von mir letzten Sonntag irrtümlich angegeben, 190 Prozent steigen wird. Leider ändert das aber nichts an meinem Befund, dass die Schuld nicht tragbar sein wird. Wenn man also nicht die Gläubiger der Banken heranziehen will, dann wird der Steuerzahler einspringen müssen.

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