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Veröffentlicht: 18.11.2012, 08:51 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Rettet die Bundesschätzchen!

Statt die Bundesschatzbriefe abzuschaffen, sollte der Staat sie lieber erneuern. Und so ein Instrument für eine bessere Altersvorsorge schaffen.

von Thomas Mayer
© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Mein erstes Wertpapier war ein Bundesschatzbrief. Mein Vater hatte mir die Anleihe empfohlen, weil sie mehr Zinsen abwarf als ein Sparbuch, man aber dennoch vor Ablauf ohne Kursrisiko einen bestimmten Betrag (zur Zeit fünftausend Euro pro Jahr) abheben konnte, wenn man Geld brauchte. Nun wird die Ausgabe von Bundesschatzbriefen zum Jahresende eingestellt. Es heißt, die Kosten für die Verwaltung seien zu hoch und es gebe keinen Bedarf mehr. Dabei hätte ich mir gerade jetzt eine verbesserte Neuauflage gewünscht.

Blanchard: Deutsche müssen mit höherer Inflation rechnen

Vor kurzem hat der Chefvolkswirt des IWF, Olivier Blanchard, uns Deutschen erklärt, dass wir in jedem Fall mit höherer Inflation zu rechnen hätten, auch wenn die EZB weiterhin für Preisstabilität im Euroraum sorgen würde. Seine Begründung war wie folgt: Um die in den letzten zehn Jahren zwischen den Euroländern aufgelaufenen Kosten- und Preisniveauunterschiede abzubauen, muss der nördliche Teil des Euroraums in Zukunft höhere Inflationsraten haben als der Süden. Nach der Höhe der Inflation in Deutschland gefragt, nannte Blanchard 4 Prozent und begründete dies so: Nehmen wir mal an, der Süden mache die Hälfte des Euroraums aus und würde es schaffen, sein Preisniveau stabil zu halten. Dann könnten im Norden die Preise um 4 Prozent steigen, ohne dass die EZB ihr Inflationsziel von 2 Prozent verfehlen würde. Die Leistungsbilanzungleichgewichte zwischen den Euroländern würden verschwinden, die Preisstabilität im Euroraum würde gewahrt, alles paletti - oder?

Was Blanchard nicht sagte, war, dass 4 Prozent Inflation im Norden die Kaufkraft nominaler Ersparnisse gehörig verringern würden, insbesondere wenn wegen der Wachstumsschwäche im Süden die Zinsen bei null bleiben. Nehmen wir an, ich hätte zur Aufstockung meiner Rente 100000 Euro gespart. Bei Nullzins und 4 Prozent Inflation hätten diese in zehn Jahren nur noch die Kaufkraft von rund siebenundsechzigtausend Euro. Ich würde also beinahe ein Drittel meiner Ersparnisse verlieren. Natürlich könnte ich versuchen, meine Ersparnisse in Sachwerte, Immobilien oder Aktien, zu investieren. Aber im Immobilienmarkt laufen mir heute schon die Preise davon, und bei Aktien weiß ich nicht, ob der Markt gerade günstig steht, wenn ich mein Geld brauche. Nichts ist also paletti.

Die Bundesregierung könnte Abhilfe schaffen

Dabei könnte mir die Bundesregierung aus der Patsche helfen, wenn sie die Bundesschätzchen verbessern statt abschaffen würde. Sie könnte mir Schätzchen mit zehnjähriger und längerer Laufzeit zu einem realen Zins (nach Inflation in Deutschland) von, sagen wir, einem Prozent anbieten. Von meinem sechzigsten Geburtstag an hätte ich gerne die Möglichkeit, bei Bedarf bis zu 20000 Euro pro Jahr abzuheben. Dann, aber erst dann, wäre ich auch gern bereit, die Steuern auf die Zinsen zu zahlen. Mit solchen Schätzchen unterm Kopfkissen könnte ich bis zum Beginn meines Ruhestands ruhig schlafen, wüsste ich doch, dass meine Ersparnisse jedes Jahr vor Steuern mit der Inflation plus einem Prozent wachsen würden. Wenn das Alterssparen mit Schätzchen in die staatliche Förderung einbezogen würde, gäbe es auch Konkurrenz zu Riester- und Rürup-Produkten, denen oft hohe Kosten und mangelnde Transparenz vorgeworfen werden.

Vielleicht kommt Ihnen hier der Verdacht, ich wolle mein Schäflein auf Kosten der Steuerzahler ins Trockene bringen. Seien Sie versichert, dem ist nicht so. Laut IWF beträgt das langfristige reale (Potential-)Wachstum der deutschen Wirtschaft 1,25 Prozent. Bei gleichbleibender Steuerquote wachsen also auch die Steuereinnahmen des Staates nach Inflation mit dieser Rate. Der Staat kann mir also problemlos einen realen Zins auf meine Ersparnisse bis zu dieser Höhe zahlen, ohne dass der Anteil der gesamten Zinszahlungen am Steueraufkommen oder im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt steigt. Hinzu kommt, dass der Staat an der Inflation verdient, da unsere Steuersätze leider nicht an inflationsbedingte Erhöhungen des zu versteuernden Einkommens gekoppelt sind. Er kann mir also auch einen Teil seines Inflationsgewinns in Form zurückgeben.

Machen Sie sich Sorgen um Ihre Altersversorgung? Wäre es Ihnen lieber, wenn die Bundesschätzchen zu einem Instrument zur Altersvorsorge ausgebaut statt abgeschafft würden? Bald ist Bundestagswahl. Sprechen Sie doch einmal mit Ihrem Abgeordneten darüber.

Quelle: F.A.S.

 

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