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Mayers Weltwirtschaft Kauft Aktien!

 ·  Anleger fürchten sich zu Unrecht vor den Wertpapieren. Sie schützen besser vor der Inflation als Immobilien.

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Nach dem Vortrag, in dem ich langfristig niedrige nominale Zinsen bei ansteigender Inflation vorausgesagt hatte, sprach mich eine Dame an. Wie sie denn nun in diesem Umfeld ihr Geld anlegen solle? „In ein globales Aktienportfolio“, sagte ich. Sie schaute mich entsetzt an. „Aktien? Nie wieder! 2001 habe ich meine Aktien mit zwanzig Prozent Verlust gerade noch rechtzeitig verkauft - sonst wäre alles weg gewesen.“

Wenn sie damals nicht verkauft hätte, wagte ich einzuwenden, hätte sie heute auf ein globales Aktienportfolio einen Gewinn von knapp vier Prozent gegenüber dem Hochstand von März 2000 erzielt - und das sogar ohne Dividenden. Aber damit kam ich nicht mehr durch. Ein Herr mischte sich ein: „Kaufen Sie Immobilien. Die sind wertbeständig, Sie können sie anfassen, darum herum gehen. Mit Immobilien schlafen Sie gut.“ Das leuchtete der Dame ein, wie so vielen anderen Anlegern heutzutage.

Der Hauskauf ist ein Klumpenrisiko

Aber angesichts des Wohlgefühls, das der Besitz von Immobilien bietet, tritt in den Hintergrund, dass sich viele Anleger mit dem Kauf einer Immobilie ein Klumpenrisiko zulegen, das nicht einmal durch einen höheren Ertrag aufgewogen wird. Nur wenige Anleger können sich eine Mietwohnung oder ein Mietshaus kaufen, ohne dafür einen Großteil ihrer Ersparnisse aufzuwenden. Entscheiden sie sich für eine Anlage in Immobilien bleibt daher die Diversifizierung des Portfolios meist auf der Strecke. Sie setzen nun alles - oder zumindest das Meiste - auf eine Karte. Was das bedeutet, weiß, wer Mitte der neunziger Jahre steuerbegünstigte Mietwohnungen in den neuen Bundesländern gekauft hat, oder wer sich schon einmal mit einem zahlungsunfähigen oder -unwilligen Mieter herumschlagen musste, der sich mit allen Mitteln gegen eine Räumung der Wohnung wehrt. Das mag ja so sein, könnte man einwenden, aber dafür sind Immobilien wertbeständiger und weniger anfällig für Preisschwankungen als Aktien. Leider ist auch dies bei genauer Betrachtung ein Irrtum.

Der amerikanische Immobilienmarkt ist viel größer und liquider als der deutsche. Wenn also ein Immobilienmarkt dem Aktienmarkt Paroli bieten könnte, dann wäre es der amerikanische. Vergleicht man nun den Anstieg der Hauspreise nach dem Index von Robert Shiller mit dem Anstieg des Aktienpreisindex S&P500 seit Mitte der fünfziger Jahre, dann liegen die Aktienpreise mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 8,3 Prozent deutlich vor den Hauspreisen mit 3,9 Prozent. Allerdings schwanken die Aktienpreise tatsächlich mehr als die Hauspreise.

Um beurteilen zu können, welche Vermögensklasse bereinigt um die jährlichen Preisschwankungen den besseren Schutz vor Inflation bietet habe ich von den durchschnittlichen jährlichen Preissteigerungen die durchschnittliche Inflationsrate abgezogen und die Differenz durch die Standardabweichung der Preise, einem Maß für Schwankungen, geteilt. Mit einem Wert von knapp 0,3 ist diese Maßzahl für Aktien beinahe zehnmal besser als die für Immobilien. Das heißt: Bereinigt um Inflation und Preisschwankungen weisen Aktien eindeutig eine bessere Wertentwicklung auf als Immobilien.

Viele Anleger schätzen attraktive und stabile Rückflüsse aus dem eingesetzten Kapital. Ich habe deshalb dieselben Kennzahlen auch für Dividenden und Mieten berechnet. Seit Mitte der fünfziger Jahre sind die Dividenden auf die im S&P500 enthaltenen Aktien im Jahresdurchschnitt um 5,6 Prozent angestiegen, die (im Konsumentenpreisindex enthaltenen) Mieten dagegen nur um 4,3 Prozent. Bereinigt um Inflation und jährliche Schwankungen ergibt sich eine Kennziffer von 0,25 für Dividenden und 0,17 für Mieten. Auch bei den laufenden Einkünften schlagen Aktien also Immobilien.

Der Kauf von Indexfonds kann lohnen

Eine sehr einfache und kostengünstige Art in globale Aktien zu investieren, ist der Kauf von Anteilen eines globalen Indexfonds (ETF). Das Portfolio setzt sich dort aus mit ihrer Marktkapitalisierung gewichteten Aktien zusammen. Allerdings sind Investoren in Indexfonds Trittbrettfahrer anderer Investoren, die nach genauerer Analyse Einzelwerte kaufen und damit die Marktkapitalisierung der Unternehmen bestimmen.

Ohne diese gut informierten Investoren wären die Bewertungen der Aktien unzuverlässig und ein kapitalmarktgewichtetes Portfolio deutlich schlechter als ein von einem guten Manager zusammengestelltes Portfolio. Oder man müsste auf einen globalen Indexfonds warten, in dem alle Aktien gleich gewichtet sind wie im F.A.Z.-Euro-Index. Gegenwärtig sind jedoch von weltweit rund 5,9 Billion Dollar Anlagegeldern, die in Aktienfonds investiert sind, nur 1,1 Billionen Dollar in Indexfonds angelegt. Trittbrettfahren kann also immer noch lohnen.

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12.01.2013, 15:18 Uhr

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