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Veröffentlicht: 06.10.2012, 15:43 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Inflationsangst

Es geht die Sorge um, dass die Politik der EZB zu Inflation führt. Das ist übertrieben.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Einige Politiker und Volkswirte sagen, dass Käufe von Euro-Staatsanleihen durch die EZB einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch Eurobonds gleichkomme. Doch das ist irreführend. Während im zweiten Fall bei einem Zahlungsausfall eines der gemeinsam haftenden Länder die anderen sofort dafür geradestehen müssen, hat die EZB Möglichkeiten, die Konsequenzen eines solchen Ereignisses abzufangen.

Mit der Wiederbelebung des EZB-Programms zum Kauf von Staatsanleihen sind die Befürchtungen gewachsen, dass letztlich der Inflation Tür und Tor geöffnet würden. Dem ist entgegenzuhalten, dass die EZB nur aktiv werden will, wenn sich betroffene Länder einem Anpassungsprogramm unterwerfen. Das Programm soll also keine dauerhafte Finanzierung von Staatsschulden abseits vom Markt sein. Was ist aber, wenn die Anpassung scheitert, der Staat seine Schulden an die EZB nicht zurückzahlen kann und die EZB die gekauften Anleihen teilweise oder ganz abschreiben muss? Fehlt dann dem zum Kauf geschaffenen Geld nicht der Gegenwert und muss die EZB nicht mit Steuergeldern rekapitalisiert werden, um eine Entwertung des Geldes zu vermeiden? Die Antwort darauf ist: im Prinzip schon, aber dies ist aus drei Gründen äußerst unwahrscheinlich.

Die EZB hat einen hohen Kapitalpuffer

Erstens hat die EZB einen sehr ansehnlichen Kapitalpuffer, mit dem Abschreibungen auf Wertpapierbestände abgefangen werden könnten. Zwar weist die EZB selbst gegenwärtig nur einen Bestand an Eigenkapital von 6,3 Milliarden Euro aus, der bis Ende dieses Jahrs auf 10,8 Milliarden erhöht werden soll. Dem hinzuzurechnen sind jedoch die Kapitalbestände der nationalen Zentralbanken, so dass das Eurosystem insgesamt gegenwärtig auf 85,7 Milliarden Euro kommt. Mit 2,8 Prozent der Bilanzsumme scheint aber auch das nur ein recht kleiner Puffer für mögliche Verluste zu sein. Doch hat die EZB zudem sehr ansehnliche Reserven von 410 Milliarden Euro in Form von unrealisierten Gewinnen aus vergangenen Veränderungen der Bewertung von Bilanzposten. Alles in allem beträgt der Puffer für Verluste also rund 500 Milliarden Euro oder 16 Prozent der Bilanzsumme der EZB. Damit wäre die EZB auch für Abschreibungen auf sehr hohe Wertpapierbestände gerüstet, zumal auch bei der Insolvenz eines Landes der Restwert der Anleihen kaum null sein dürfte. Zweitens hat die EZB auch bei Aufzehrung aller Reserven und Totalverlust ihres Eigenkapitals kein Recht auf den Zugriff auf Steuergelder zur Wiederherstellung einer gesunden Bilanz. Nach Artikel 33.2 der Statuten des Eurosystems darf die EZB in diesem Fall nur künftige Profite so lange einbehalten, bis ihr Eigenkapital wieder hergestellt ist.

Die Geldentwertung ist nicht zwingend

Drittens ist auch bei einem Verlust, der das Eigenkapital übersteigt, die Entwertung des Geldes nicht zwingend. Dies liegt daran, dass für die Geldwertstabilität weniger das vorhandene Eigenkapital einer Zentralbank, sondern vielmehr ihr Nettovermögen ausschlaggebend ist. Dazu zählt aber auch der Gegenwartswert aller zukünftigen Gewinne, die aus der Finanzierung verzinslicher Kredite an die Banken mit Ausgabe von unverzinslichem Bargeld und niedrig verzinslichen Reserveeinlagen entstehen. So kommt es, dass eine Reihe von Zentralbanken mit negativem Eigenkapital in der Lage sind, für Preisstabilität zu sorgen. Zum Beispiel operierten die Notenbanken von Chile und der Tschechischen Republik über viele Jahre mit negativem Eigenkapital, ohne dass deshalb die Inflation gestiegen wäre. In beiden Fällen war die finanzielle Unterstützung des heimischen Bankensektors Ursache für den Verlust des Eigenkapitals. Im Falle Tschechiens kamen auch noch Verluste aus Abschreibungen auf Devisenreserven hinzu.

Natürlich darf aus den hier angeführten Gründen kein Freibrief für die unbegrenzte monetäre Finanzierung von Staatsschuld abgeleitet werden. Wird Geld im Übermaß gedruckt, steht am Ende unweigerlich die Geldentwertung. Auch dafür gibt es genügend historische Beispiele, von der deutschen Reichsbank zu Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts bis zur Zentralbank von Zimbabwe zu Anfang dieses Jahrhunderts. Doch ist zur Überwindung der Euro-Krise eine durch die EZB unterstützte Finanzhilfe verglichen mit der Vergemeinschaftung von Staatsschulden allemal das geringere, weil besser beherrschbare Übel.

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