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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mayers Weltwirtschaft Im Zweifel für die Österreicher

 ·  Thomas Mayer war Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Jetzt beginnt er eine neue Kolumne - jede Woche in der F.A.S. Er neigt der österreichischen Wirtschaftsdenkweise zu.

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Wie soll der Aufschlag zu einer neuen Kolumne aussehen? Soll man den Leser mit leichter Kost zu gewinnen versuchen, bevor man ihm schwerer Verdauliches zumutet? Oder soll man sperriges Gepäck gleich am Anfang dort abstellen, so dass er weiß, woran er ist? Da es mir schwerfällt, hinterm Berg zu halten, wähle ich den zweiten Weg. Dabei sei dem Leser versichert, dass es an dieser Stelle nicht jede Woche grundsätzlich werden wird.

Auf die Vaterschaft für die Dekade der sogenannten „großen Moderation“, die der Finanzkrise vorausging, gab es viele Ansprüche. Nicht zuletzt die Zentralbanken reklamierten sie für sich mit dem Argument, dass es ihnen mit einer perfektionierten Geldpolitik gelungen sei, die Preisstabilität zu sichern und dem Konjunkturzyklus den Zahn zu ziehen. Die Vaterschaft für die Finanzkrise dagegen streiten alle Verdächtigen vehement ab. Ich mische mich in diesen Streit nicht ein, frage lieber nach der Großvaterschaft, den intellektuellen Beweggründen der Akteure - und stoße auf die ökonomische Theorie. Im Lauf der letzten drei Jahrzehnte entwickelte sich die Fusion des neu-Keynesianischen mit dem neoklassischen Makro-Modell zum Arbeitspferd der Wirtschaftspolitiker. Diese Fusion, nennen wir sie NKF, verband Keynesianische Skepsis gegenüber den Selbstheilungskräften des Marktes mit neoklassischer Liebe zu ökonomischem Gleichgewicht und rationalen Erwartungen der Wirtschaftssubjekte. Gleichzeitig setzte sich in der Finanztheorie und -wirtschaft die moderne Portfoliotheorie (kurz MPT), einschließlich der These von der Effizienz der Finanzmärkte, durch.

Niedrigzinsen regten unproduktive Investitionen im Wohnungsbau an

Der Keynesianische Teil des NKF-Modells bereitete den Weg für eine konstruktivistische Geld- und Wirtschaftspolitik, während der neoklassische Teil dafür sorgte, dass man die Finanzmärkte sich selbst überließ. Diese Inkonsequenz schuf Instabilität, die in der Finanzkrise endete. In einem durch technischen Fortschritt und globale Handelsintegration inhärent deflationären Umfeld führten positive Inflationsziele der Zentralbanken zu Niedrigzinsen, die Preise für Vermögenswerte in die Höhe trieben und unproduktive Investitionen in den Wohnungsbau anregten. Die persönliche Beziehung zwischen Kreditgeber und Schuldner wurde ersetzt durch Finanzprodukte, die nicht nur leistungsfähiger, sondern auch sicherer erschienen als das traditionelle Bankgeschäft. Kreditverbriefungen und -derivate ließen gewaltige Kapitalströme rund um den Globus fließen.

Die diesem System innewohnende Instabilität schaukelte sich auf, indem die Dämpfung kleinerer Finanzkrisen durch eine konstruktivistische Geldpolitik den Boden für größere Krisen bereitete, die eine noch stärkere Medikation notwendig erscheinen ließen. Auch jetzt noch, nach dem Platzen der größten Blase der jüngeren Geschichte, reagieren die Geldpolitiker und Hohepriester der ökonomischen Zunft nach dem gleichen Muster. Doch die Wirksamkeit der gängigen Rezepte wird zunehmend angezweifelt. NKF und MPT kommen in Bedrängnis durch andere, ältere Theorien.

Seit Beginn der Finanzkrise haben postkeynesianische Theorien, darunter insbesondere Hyman Minskys These von der inhärenten Instabilität des Finanzsystems, Konjunktur. Von rationalen Erwartungen und effizienten Märkten hält man dort nichts. Die Wirtschaftssubjekte werden von „animal spirits“ getrieben; wohin man blickt versagen die Märkte. Daher ist es nur konsequent, wenn post-Keynesianer eine allumfassende Kontrolle und Regulierung der Banken fordern.

Die Österreicher: Staat sollte Informationsaustausch nicht behindern

Demgegenüber stehen die Vertreter der österreichischen Schule, die sich auf von Mises’ Theorie des menschlichen Handelns und von Hayeks Analyse des Konjunkturzyklus berufen. Die Österreicher lehnen die objektivistische Sicht der klassischen und Keynesianischen Ökonomie ab und stellen das Subjekt in den Mittelpunkt. Auf dem Markt werden die subjektiv gewonnenen Informationen ausgetauscht und verbessert. Die Vorstellung der Schule der rationalen Erwartungen, dass die Wirtschaftssubjekte das vollständige „Modell“ der Wirtschaft kennen, ist für die Österreicher abwegig. Sie glauben an die „wisdom of crowds“ und lehnen kartesischen Rationalismus strikt ab. Aus österreichischer Sicht sollte die Politik alles unterlassen, was den freien Austausch von Informationen beeinflussen könnte. Der konstruktivistischen Geldpolitik während der „großen Moderation“ wird daher ein wesentlicher Teil der Verantwortung für die Finanzkrise zugemessen

Ich gestehe gerne, dass ich die Analyse der Österreicher teile. Doch widerspricht die sich daraus ergebende Verpflichtung dem Zeitgeist. Nicht einmal der Ordo-Liberalismus, der den Österreichern verwandt ist wie der Hund dem Wolf, scheint mehrheitsfähig. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass sich das regulierungsfreudige post-Keynesianische Dogma durchsetzen wird. Es verspricht stabilere Verhältnisse im Finanzsektor. Der Preis dafür dürfte jedoch ein Nachlassen wirtschaftlicher Dynamik sein, die der Kraft des im freien Markt agierenden Unternehmers bedarf.

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Lieber ehrlich

Von Johannes Pennekamp

Die SPD und noch mehr die Grünen haben höhere Steuern für Top-Verdiener angekündigt - und finden sich dabei besonders ehrlich. Was sie gerne verschweigen: Zu den Top-Verdienern im Land zählen nicht nur Millionäre mit Sportwagen, sondern auch schon leitende Angestellte, Handwerksmeister und Beamte. Mehr 21 27


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