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Veröffentlicht: 25.07.2015, 15:44 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Geldrevolution

Bitcoin heißt das neue Computer-Geld. Es könnte viele Schwierigkeiten unserer alten Geldordnung überwinden. Doch die Banken mögen es nicht

von Thomas Mayer
© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Zu Beginn der Neuzeit kam das Papiergeld von China nach Europa. Dadurch wurde der Zahlungsverkehr bequemer und billiger, ließ sich doch Papiergeld in Tauschgeschäften viel leichter verwenden als schweres Münzgeld. Darüber hinaus eröffnete Papiergeld aber auch die Möglichkeit zur zusätzlichen Geldschöpfung, indem die Banken mehr davon ausgaben als durch die Einlage von Münzgeld gedeckt war. Alle verbleibenden Grenzen der Geldschöpfung wurden aufgehoben, als das Papiergeld von jedweder materiellen Deckung entkoppelt und durch von Banken geschaffenes Buchgeld ergänzt wurde. Der Preis für die Entgrenzung der Geldschöpfung war Inflation und wirtschaftliche Instabilität. Von der breiten Öffentlichkeit wenig bemerkt, hat sich nun eine verschworene Gruppe von Computerspezialisten daran gemacht, das bestehende Geldsystem zu revolutionieren. Papier- und Buchgeld soll durch kryptografisches Computergeld ersetzt werden.

Geld wird zum Mittel für Tausch und Wertaufbewahrung durch das Vertrauen, dass es bei Bedarf in ein gewünschtes Gut getauscht werden kann. Ursprünglich war dieses Vertrauen an Waren wie Gold und Silber gebunden, die sich durch Haltbarkeit, Homogenität und Knappheit auszeichneten. Doch das Vertrauen in die Tauschbarkeit eines Mediums muss nicht notwendigerweise materiell unterlegt sein. Denkbar ist auch ein virtuelles Tauschmittel, das nachweislich in einer Kette von Transaktionen akzeptiert wurde. In Reaktion auf die Finanzkrise wurde im Jahr 2008 ein solches Medium mittels Computerkryptografie geschaffen. Wir kennen es als Bitcoin.

Pizza für Bitcoin

Bitcoin wurde als Geld geboren, als im Jahr 2010 eine Pizza für die elektronische Buchung einer Zahlung vom Konto des Kunden an das des Bäckers geliefert wurde. Diese Transaktion bildete den Anfang einer lückenlosen, verschlüsselten Kette aller Transaktionen, die bisher stattgefunden haben und je stattfinden werden. Die Kette, Blockchain genannt, kann von jedem mit entsprechender Rechnerkapazität ausgestattetem Teilnehmer an dem Geldsystem nachgeprüft werden. Wer sich die Mühe macht, die Transaktionen zu verifizieren, wird mit einem neu geschaffenen Geldbetrag entschädigt. Auf diese Weise wird nicht nur das Vertrauen in die Akzeptanz des Kryptogeldes als Tauschmittel mit jeder Transaktion erneuert, sondern es wird auch die Kryptogeldmenge nach einem festen und nachvollziehbaren Algorithmus ausgeweitet. Kryptogeld ist die Antithese des Papier- und Bankenbuchgelds: Es wird dezentral statt zentral erzeugt, es wird nach einer festen Regel statt nach Belieben geschaffen, und es wird zu Geld durch das Vertrauen der Nutzer statt durch staatliches Gesetz.

Mit der Blockchaintechnologie kann aber nicht nur das staatlich organisierte Papier- und Bankenbuchgeldsystem aus den Angeln gehoben, sondern auch der Zahlungsverkehr und die Geldverwahrung revolutioniert werden. Elektronische Zahlungen werden dort von Computer zu Computer – sprich von Smartphone zu Smartphone – direkt abgewickelt. Geldguthaben werden dezentral elektronisch gespeichert. Banken sind daher weder für den Zahlungsverkehr noch zur Geldverwahrung nötig. Die Kosten für diese Dienstleistungen können weitgehend eingespart werden. Entsprechend können mit der Blockchaintechnologie auch alle anderen Transaktionen, vom Wertpapierhandel bis zu Immobiliengeschäften, erfasst und die damit verbundenen Veränderungen der Eigentumsverhältnisse dokumentiert werden.

Kryptogeld entspricht dem, was ich als Alternative zu unserem staatlich organisierten Papier- und Bankenbuchgeld „Aktivgeld“ genannt habe: ein auf dem Vertrauen der Nutzer fußendes Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung. Mit der Blockchaintechnologie wäre die „Aktivgeldordnung“ zu verwirklichen, von der ich mir eine stabilere Wirtschaft und stabileres Geld verspreche. Für die Zukunft von Kryptogeld spricht die zunehmende Bedeutung des Internethandels und der sozialen Netzwerke. Was hindert eigentlich global agierende Technologiefirmen daran, eine eigene, global gültige Kryptowährung zur besseren Bindung ihrer Kunden an ihre Dienstleistungen und Produkte herauszugeben? Was hält das Publikum von der Nachfrage nach Kryptowährungen ab, wenn durch diese das Vertrauen in die Kaufkraft des Geldes maximiert und die Kosten des Zahlungsverkehrs minimiert werden?

Feindschaft der Banken

Noch stehen das Misstrauen der Politik und die Feindschaft der Banken Kryptogeld im Weg. Für die Politik ist das Papier- und Bankenbuchgeld ein wichtiges Gestaltungsinstrument. Die Zentralbank bestimmt die Geldpolitik, die von den Geschäftsbanken umgesetzt wird. Dafür erhalten diese einen Anteil am Gewinn der Geldschöpfung. Beide, Politik und Banken, würden durch Kryptogeld entmachtet. Wenn es das Publikum denn will.

 

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