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Mayers Weltwirtschaft Finanzkrise privat

Unser Kolumnist spürt die Folgen der niedrigen Zinsen am eigenen Leib. Er fühlt sich durch den Staat enteignet.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes.

Bei Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze werde ich das haben, was die Ingenieure unseres Sozialstaats eine „gebrochene Erwerbsbiographie“ nennen: sechzehn Jahre Arbeit im Ausland, ein paar Jahre freiberufliche Tätigkeit und wahrscheinlich gerade einmal 17 Jahre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Inland. Da ist es nur recht und billig, dass ich von der gesetzlichen Rentenversicherung nicht viel erwarten kann.

Wahrscheinlich komme ich auf einen bescheidenen Betrag hart an der Grenze zur Altersarmut. Zumindest ist dies das Resultat, das die Renten-Rechner im Internet für mich ausweisen. Alles kein Problem, so dachte ich lange, denn ich habe ja privat vorgesorgt. Doch so langsam steigt in mir der Verdacht auf, dass meine Altersersparnisse im finanziellen und politischen Treibsand der Finanzkrise versinken könnten.

Hier ist das Problem: Ich gehe mal davon aus, dass ich nach Erreichen des 65. Lebensjahrs noch 20 Jahre leben werde. Da ich diese Zeit so angenehm wie möglich gestalten will, veranschlage ich als Zusatzrente aus meinen Ersparnissen 2500 Euro pro Monat vor Steuern. Wenn ich die Inflation außen vor lasse und einen bescheidenen Zins von zwei Prozent im Jahr annehme, dann brauche ich ein Startkapital von rund 500000 Euro, um über die Runden zu kommen. Der Betrag ist geringer als die Summe meiner Ausgaben, weil ja die nach jedem Jahr noch übrige Ersparnis Zinsen abwirft.

Enteignung in drei Akten

Leider greift nun aber die Politik im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise nach meinen Altersersparnissen. Die Teilenteignung meiner privaten Pensionskasse findet in drei Akten statt. Im ersten Akt, den wir gerade erleben, wird der Zins auf null gesetzt. Dadurch wird die monatliche Pension, die ich mit dem Startkapital von 500000 Euro finanzieren kann, im Durchschnitt der nächsten 20 Jahre um ein Sechstel auf rund 2100 Euro gedrückt.

Das ist aber leider noch nicht alles. Im zweiten Akt der Teilenteignung, der wohl in nicht allzu ferner Zukunft beginnt, wird die Kaufkraft meiner privaten Altersvorsorge zusätzlich durch die Inflation aufgefressen. Kommt es während meines Ruhestands zu einer durchschnittlichen Inflation von drei Prozent, während der Zins durch Geldpolitik und staatliche Regulierung bei null festgezurrt ist, so bleibt mir in meinem 84. Lebensjahr eine Kaufkraft von nur noch etwas über 1100 Euro im Monat. Gegenüber meinen anfänglichen Erwartungen von 2500 Euro ist das ein Verlust von rund 54 Prozent.

Nun könnte ich ja versuchen, die durch Nullzinspolitik und Inflation auftretenden Verluste durch das Ansparen eines größeren Startkapitals auszugleichen. Damit ich trotz Nullzins meine angepeilte monatlich Zusatzrente von 2500 Euro halten kann, müsste ich meine Ersparnis für das Alter um ein Fünftel auf 600000 Euro erhöhen. Will ich zudem auch noch den inflationsbedingten Verlust wettmachen, dann muss ich mein Startkapital sogar um mehr als 60 Prozent auf etwas über 800000 Euro steigern. Nullzins und Inflation verlangen mir also eine zusätzliche Ersparnis von 300000 Euro ab.

Nehmen wir mal an, ich würde das irgendwie hinkriegen: Vielleicht indem ich mich vom F.A.S.-Kolumnisten zum erfolgreichen Talkshowmaster wandeln könnte. Aber trotzdem würde mir schnell der dritte Akt der Teilenteignung drohen. Ich müsste nur noch das Häuschen meiner Tante erben, und schon wäre ich als Reicher auf dem Radarschirm der vielen „Umfairteiler“ und müsste mich auf Vermögensteuer, Vermögensabgabe und Zwangsanleihe gefasst machen, die wieder einen Teil meiner Altersvorsorge auffressen.

Beamte haben es besser

Inzwischen sehe ich ein, dass ich meine Karriere zumindest im Hinblick auf die Altersversorgung falsch geplant habe. Wäre ich Berufspolitiker geworden und hätte mindestens 27 Jahre im Bundestag verbracht, so könnte ich mit einer Monatsrente von 4836 Euro rechnen. Wenn ich nun annehme, dass der Bundestag seinen Pensionären einen Inflationsausgleich gewährt, so wäre bei Nullzins und drei Prozent Jahresinflation zur Finanzierung einer solchen Pension ein Startkapital von mehr als 1,5 Millionen Euro nötig. Dann wäre ich eineinhalbfacher Millionär - und doch nicht reich im Sinne der „Umfairteiler“.

Ich hätte einen ganz unbeschwerten Lebensabend, ohne mir dauernd Sorgen machen zu müssen, dass mir meine Ersparnisse fürs Alter verlorengehen. Man könnte in Abwandlung der jahrhundertealten Habsburgischen Erfolgsformel formulieren: „Mögen sich auch Andere abrackern, Du, glücklicher Staatsdiener, kannst unbesorgt bleiben?“

Quelle: F.A.S.

 
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