Home
http://www.faz.net/-hi8-72d9c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Mayers Weltwirtschaft Finanzkrise privat

Unser Kolumnist spürt die Folgen der niedrigen Zinsen am eigenen Leib. Er fühlt sich durch den Staat enteignet.

© Thilo Rothacker Vergrößern Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Senior Fellow am Center for Financial Studies der Universität Frankfurt.

Bei Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze werde ich das haben, was die Ingenieure unseres Sozialstaats eine „gebrochene Erwerbsbiographie“ nennen: sechzehn Jahre Arbeit im Ausland, ein paar Jahre freiberufliche Tätigkeit und wahrscheinlich gerade einmal 17 Jahre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Inland. Da ist es nur recht und billig, dass ich von der gesetzlichen Rentenversicherung nicht viel erwarten kann.

Wahrscheinlich komme ich auf einen bescheidenen Betrag hart an der Grenze zur Altersarmut. Zumindest ist dies das Resultat, das die Renten-Rechner im Internet für mich ausweisen. Alles kein Problem, so dachte ich lange, denn ich habe ja privat vorgesorgt. Doch so langsam steigt in mir der Verdacht auf, dass meine Altersersparnisse im finanziellen und politischen Treibsand der Finanzkrise versinken könnten.

Hier ist das Problem: Ich gehe mal davon aus, dass ich nach Erreichen des 65. Lebensjahrs noch 20 Jahre leben werde. Da ich diese Zeit so angenehm wie möglich gestalten will, veranschlage ich als Zusatzrente aus meinen Ersparnissen 2500 Euro pro Monat vor Steuern. Wenn ich die Inflation außen vor lasse und einen bescheidenen Zins von zwei Prozent im Jahr annehme, dann brauche ich ein Startkapital von rund 500000 Euro, um über die Runden zu kommen. Der Betrag ist geringer als die Summe meiner Ausgaben, weil ja die nach jedem Jahr noch übrige Ersparnis Zinsen abwirft.

Enteignung in drei Akten

Leider greift nun aber die Politik im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise nach meinen Altersersparnissen. Die Teilenteignung meiner privaten Pensionskasse findet in drei Akten statt. Im ersten Akt, den wir gerade erleben, wird der Zins auf null gesetzt. Dadurch wird die monatliche Pension, die ich mit dem Startkapital von 500000 Euro finanzieren kann, im Durchschnitt der nächsten 20 Jahre um ein Sechstel auf rund 2100 Euro gedrückt.

Das ist aber leider noch nicht alles. Im zweiten Akt der Teilenteignung, der wohl in nicht allzu ferner Zukunft beginnt, wird die Kaufkraft meiner privaten Altersvorsorge zusätzlich durch die Inflation aufgefressen. Kommt es während meines Ruhestands zu einer durchschnittlichen Inflation von drei Prozent, während der Zins durch Geldpolitik und staatliche Regulierung bei null festgezurrt ist, so bleibt mir in meinem 84. Lebensjahr eine Kaufkraft von nur noch etwas über 1100 Euro im Monat. Gegenüber meinen anfänglichen Erwartungen von 2500 Euro ist das ein Verlust von rund 54 Prozent.

Nun könnte ich ja versuchen, die durch Nullzinspolitik und Inflation auftretenden Verluste durch das Ansparen eines größeren Startkapitals auszugleichen. Damit ich trotz Nullzins meine angepeilte monatlich Zusatzrente von 2500 Euro halten kann, müsste ich meine Ersparnis für das Alter um ein Fünftel auf 600000 Euro erhöhen. Will ich zudem auch noch den inflationsbedingten Verlust wettmachen, dann muss ich mein Startkapital sogar um mehr als 60 Prozent auf etwas über 800000 Euro steigern. Nullzins und Inflation verlangen mir also eine zusätzliche Ersparnis von 300000 Euro ab.

Nehmen wir mal an, ich würde das irgendwie hinkriegen: Vielleicht indem ich mich vom F.A.S.-Kolumnisten zum erfolgreichen Talkshowmaster wandeln könnte. Aber trotzdem würde mir schnell der dritte Akt der Teilenteignung drohen. Ich müsste nur noch das Häuschen meiner Tante erben, und schon wäre ich als Reicher auf dem Radarschirm der vielen „Umfairteiler“ und müsste mich auf Vermögensteuer, Vermögensabgabe und Zwangsanleihe gefasst machen, die wieder einen Teil meiner Altersvorsorge auffressen.

Beamte haben es besser

Inzwischen sehe ich ein, dass ich meine Karriere zumindest im Hinblick auf die Altersversorgung falsch geplant habe. Wäre ich Berufspolitiker geworden und hätte mindestens 27 Jahre im Bundestag verbracht, so könnte ich mit einer Monatsrente von 4836 Euro rechnen. Wenn ich nun annehme, dass der Bundestag seinen Pensionären einen Inflationsausgleich gewährt, so wäre bei Nullzins und drei Prozent Jahresinflation zur Finanzierung einer solchen Pension ein Startkapital von mehr als 1,5 Millionen Euro nötig. Dann wäre ich eineinhalbfacher Millionär - und doch nicht reich im Sinne der „Umfairteiler“.

Ich hätte einen ganz unbeschwerten Lebensabend, ohne mir dauernd Sorgen machen zu müssen, dass mir meine Ersparnisse fürs Alter verlorengehen. Man könnte in Abwandlung der jahrhundertealten Habsburgischen Erfolgsformel formulieren: „Mögen sich auch Andere abrackern, Du, glücklicher Staatsdiener, kannst unbesorgt bleiben?“

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Überflüssig oder nützlich? Ökonom Rogoff will Bargeld abschaffen

Bargeld? Das braucht doch kein Mensch! Das meint zumindest der amerikanische Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff. Zentralbanken könnten leichter negative Zinsen durchsetzen, Steuerflüchtige und andere Kriminelle hätten es schwerer. Mehr Von Philip Plickert

19.11.2014, 15:34 Uhr | Finanzen
Angst vor Strafzins Lohnt sich die Flucht ins Festgeld?

Sparer haben Angst vor Strafzinsen auf das Tagesgeld. Sind Festgeldkonten eine gute Idee, um ihre Ersparnisse zu schützen? Ja - aber auch sie haben ihre Haken. Mehr Von Anne-Christin Sievers

20.11.2014, 17:33 Uhr | Finanzen
Die Zukunft der Rente Die Altersvorsorge hält nicht, was sie verspricht

Wie kann man die Renten künftiger Generationen sichern und Anreize für betriebliche und private Vorsorge schaffen? Darüber diskutierten in Berlin zwei Finanzdienstleister, ein Verbraucherschützer und eine Bundestagsabgeordnete. Mehr Von Philipp Krohn, Berlin

26.11.2014, 21:06 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.08.2012, 15:28 Uhr

Reservierte Plätze

Von Heike Göbel

Wer glaubt, dass Deutschland durch die Frauenquote moderner wird, glaubt vermutlich auch daran, dass der Storch die Kinder bringt. Fakt ist: Hier wird gegen die Prinzipien einer Marktwirtschaft verstoßen. Mehr 93 213


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo Gemeinden die meisten Steuern einnehmen

Die Städte und Gemeinden in Ostdeutschland haben zwar weniger Schulden als die im Westen, doch ihre Steuerkraft ist noch immer deutlich niedriger. Unsere Grafik zeigt, wo Kommunen viele Steuern einnehmen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden