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Mayers Weltwirtschaft Es droht Inflation

Unsere Geldordnung ändert sich grundlegend. Das ist gefährlich.

© Thilo Rothacker Vergrößern Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Senior Fellow am Center for Financial Studies der Universität Frankfurt.

Gegenwärtig erleben wir eine Änderung unserer Geldordnung, die den Charakter des Geldes von seiner bisherigen Nähe zum Warengeldsystem in die Nähe des staatlichen Schuldgeldsystems bringt. Im Warengeldsystem ist Geld eine Ware, zum Beispiel Gold oder Silber, oder an eine solche Ware gekoppeltes Notengeld. Im Schuldgeldsystem ist Geld nicht durch eine Ware, sondern durch direkte oder (über das Bankensystem laufende) indirekte Kredite an den Staat gedeckt. Vor der Finanzkrise gaben staatsferne, auf das Ziel der Preisstabilität verpflichtete Zentralbanken dem Geld den Charakter von Warengeld. Seither sind die Zentralbanken nahe an die Staaten herangerückt und versorgen sie über den Ankauf von Anleihen mit Geld, das nun eher staatlichem Schuldgeld gleicht. Mit dem Charakter des Geldes ändert sich auch seine Wertbeständigkeit, leider nicht zum Besseren.

Die Auswirkungen der Geldordnung auf die Geldwertstabilität kann man am Beispiel Englands gut studieren. Nach der Schwedischen Reichsbank ist die Bank von England die zweitälteste Zentralbank der Welt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1694 hat die „alte Dame in der Threadneedle Street“ zahlreiche Änderungen der Geldordnung erlebt. In ihrem Gründungsjahr bezahlte man mit Silbermünzen. Leider war die Kreditwürdigkeit von Wilhelm dem Dritten von Oranien so schlecht, dass er Schwierigkeiten hatte, sich in der City von London für seinen Krieg gegen Frankreich Geld zu leihen. Er löste dieses Problem dadurch, dass er einer Gruppe von Geschäftsleuten als Gegenleistung für ein Darlehen über 1,2 Millionen Pfund eine Lizenz zur Ausgabe von Banknoten gab und die Konkurrenz durch andere Banken stark beschränkte. So entstand eine Staatsbank, die zur Finanzierung der Staatsschuld und gegen Einlagen von Silber (und später Gold) Banknoten ausgab.

Anbindung des Geldes an Silber oder Gold

Über die Jahrhunderte kam und ging die Anbindung des Geldes an Silber oder Gold. Bis zum Ende des Bretton-Woods-Systems (in dem der Dollar an Gold gebunden und die Wechselkurse anderer Währungen gegenüber dem Dollar fixiert waren) wurde die Deckung durch Edelmetall nur in den großen Kriegen aufgegeben: So geschehen zur Zeit der Napoleonischen Kriege, des Ersten Weltkriegs und des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Ende der Bindung des Dollars an Gold im Jahr 1971 kehrte die Bank von England zu ihrer primären Aufgabe als Staatsbank zurück. Davon rückte sie 1992 wieder etwas ab, als die Regierung der Bank ein Inflationsziel vorgab und sie zur Verfolgung dieses Ziels von Weisungen unabhängig machte.

Die lange und wechselvolle Geschichte der Bank von England erlaubt es, die Auswirkungen der verschiedenen Geldordnungen auf die Kaufkraft des Geldes zu studieren. In den Jahren seit 1694, in denen die Geldordnung stärker durch das Warengeldsystem gekennzeichnet war, betrug die jährliche durchschnittliche Inflationsrate 0,4 Prozent. In der Zeit, in der die Geldordnung näher bei einem staatlichen Schuldgeldsystem lag, betrug diese Rate 4,1 Prozent, also beinahe das Zehnfache der ersten Rate. Natürlich waren in den mehr als drei Jahrhunderten, die wir hier betrachten, auch andere Einflüsse wirksam. Daher lohnt es sich, auf die jüngere Vergangenheit etwas genauer einzugehen.

Nach der Goldbindung verdoppelte sich die Inflation

Während der Zeit des Bretton-Woods-Systems, in der das Gold eine gewisse Bindungskraft für das herausgegebene Geld hatte, betrug die durchschnittliche jährliche Inflationsrate 4,4 Prozent. In dem Zeitraum danach, in den Jahren 1971 bis 1992, als die Goldbindung gelöst und die Bank von England wieder ganz Staatsbank war, sprang die Rate auf durchschnittlich 9,6 Prozent. Ab 1992 war die Bank frei von staatlicher Einflussnahme und verfolgte ein Inflationsziel. Bis zum Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 trug dies dazu bei, dass die durchschnittliche Inflationsrate auf 2,7 Prozent fiel. Seit 2007 ist die Bank wieder näher an den Staat herangerückt. Sie hat mehr als ein Drittel der Staatsanleihen erworben und nimmt ihr Inflationsziel nicht mehr so ernst. Trotz einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts von minus 0,4 Prozent betrug die Inflationsrate im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012 3,3 Prozent.

Seit der Finanzkrise helfen nicht nur die Bank von England, sondern auch die meisten anderen großen Zentralbanken, einschließlich der EZB, ihren Regierungen in der Verfolgung ihrer gesamtwirtschaftlichen Ziele und bei der Finanzierung öffentlicher Defizite. Außer in Großbritannien hat dies noch nicht zu einer erhöhten Inflation beigetragen. Doch zeigt die britische Geschichte, dass der Wechsel der Geldordnung vom Warengeld- zum staatlichen Schuldgeldsystem letztlich die Kaufkraft des Geldes schwächt.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 09.03.2013, 14:41 Uhr

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