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Veröffentlicht: 21.01.2017, 16:05 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Ein Macher im Weißen Haus

Donald Trump sagt den alten Eliten den Kampf an. Europas Bürokraten müssen sich warm anziehen.

von Thomas Mayer
© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Kürzlich stellte der Hedgefonds-Mogul Ray Dalio eine Analyse des Führungsteams von Donald Trump ins Netz („Reflections on the Trump Presidency, One Month after the Election“). Darin fasste er die Erfahrung zusammen, die die Spitzenleute der Regierungen seit Kennedy in leitenden Positionen in den Bereichen Regierung und Militär sowie Wirtschaft bei Amtsantritt mitgebracht hatten. Mit kumulierten 138 Jahren hat Trumps Spitzenteam nicht nur mehr Erfahrung als das Obamas, das es auf 122 Jahre brachte, sondern es kommt auch auf den historisch höchsten Erfahrungswert. Weit brisanter als die gesamte Erfahrung ist der Vergleich der Spitzenteams im Bereich Wirtschaft: Obama 5Jahre, Trump 83 Jahre. Seit Kennedy hatte Obamas Team die geringste wirtschaftliche Erfahrung, Trumps Team bringt es auf die größte. Auf politischem Gebiet liegt Trumps Team zwischen denen Reagans und Carters. Dalio schließt daraus, dass der Wechsel von der vergangenen zur gegenwärtigen Präsidentschaft wohl gravierendere Konsequenzen haben wird als der Wechsel Anfang der 80er Jahre von Carter zu Reagan. Von welcher Art könnten diese Konsequenzen sein?

Der Sozialphilosoph Friedrich von Hayek unterschied zwei Idealtypen der gesellschaftlichen Organisation: die organisierte Gesellschaft, in der die Mitglieder, üblicherweise unter Anleitung eines starken Anführers, einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Und die liberale Gesellschaft, in der allgemeine und abstrakte Regeln, die selbst auf keinen Zweck ausgerichtet sind, es erlauben, dass die Gesellschaftsmitglieder ihre eigenen Zwecke verfolgen können, ohne andere über Gebühr zu beeinträchtigen. Tatsächlich existierende Gesellschaften sind Mischformen dieser Idealtypen, die in die eine oder andere Richtung neigen: die Türkei, Russland und China zum Beispiel stark zur organisierten Gesellschaft, die westlichen Industrieländer dagegen größtenteils eher zur liberalen Gesellschaft.

Die Herrschaft der Bürokratie

Jedoch ist seit der Finanzkrise der Konstruktivismus auch in den westlichen Ländern stark auf dem Vormarsch, so dass sich der Grad der Organisierung der Gesellschaften erhöht hat und die liberale Ordnung ausgehöhlt wurde. Die Speerspitze des Konstruktivismus sind die Regierungen, die im Namen der sozialen Gerechtigkeit, des Umweltschutzes, der Maximierung der Zufriedenheit – aber auch des Wirtschaftswachstums – die Gesellschaft optimieren wollen. Auch die Regierung Obama hat den Konstruktivismus vorangetrieben, indem sie die Wirtschaft mit makroökonomischer Feinsteuerung und detaillierten Regulierungen gestalten wollte. Nach allem, was bisher zu erkennen ist, hält die Regierung Trump am konstruktivistischen Optimierungsprinzip fest. Sie geht nur anders vor.

Unter Obama herrschte die Bürokratie. Entsprechend der Lebenserfahrung des Spitzenteams setzte man darauf, dass die Wirtschaftsplaner in der Zentralbank für Vollbeschäftigung und Preisstabilität sorgen und die Bürokraten in den Regulierungsbehörden den Finanzsektor und andere unbotmäßige Bereiche der Wirtschaft mit Vorschriften zähmen sollten. Das Trump-Team hat für Wirtschaftsplaner und Bürokraten nur Verachtung übrig. Es versammelt „Macher“ aus der Wirtschaft, die auf lukrative Geschäftsabschlüsse aus sind. Auf die Regierungspolitik übertragen heißt dies, dass man Opportunitäten nutzt statt bürokratische Vorschriften anzuwenden, auch wenn daraus selten in sich konsistente Handlungsmuster entstehen. Im Gegenteil: Konsistenz zeichnet den Bürokraten aus, während Inkonsistenz dem Macher neue Opportunitäten eröffnet.

Bürokraten sind wie Mikadospieler

Die Vorgehensweise der Bürokraten ähnelt derjenigen der Mikado-Spieler. Der Haufen der Stäbchen soll sich um Gottes Willen nicht bewegen, wenn ein Stäbchen weggenommen wird. Mit dieser Vorgehensweise schuf das Obama-Team ein Gefühl der Lähmung in der Wirtschafts- und Außenpolitik. Die amerikanische Notenbank traute sich nicht, die Zinsen anzuheben, und der Präsident scheute davor zurück, seine in Syrien gezogenen roten Linien durchzusetzen. Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe nennt die Angst der Mikado-Spieler vor Bewegung die „Status-quo-Panik der Eliten“. Die Vorgehensweise der Macher ähnelt dagegen mehr dem Jahrmarktspiel „Hau den Lukas“. Ist der Kopf mal im Visier, haut man mit aller Kraft drauf, um den Gewinn einzuheimsen.

Den Mikado-Spielern in den europäischen Regierungskanzleien sind die Hau-den-Lukas-Spieler der Trump-Regierung ein Greuel. Sie fürchten das Schlimmste. Doch ist es ihnen mit ihrer bürokratischen Methode bisher nicht gelungen, den gordischen Knoten aus Finanz- und Euro-Krise zu durchschlagen. Ein bisschen schöpferische Zerstörung wäre angesagt. Das Trump-Team dürfte zumindest für Zerstörung gut sein.

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