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Veröffentlicht: 23.02.2013, 16:52 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Die Zähmung der Banken

Der Staat will die Banken schärfer kontrollieren. Das ist ein Fehler. Er sollte sich besser um einen geeigneten Ordnungsrahmen für die Institute bemühen.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Frei nach Churchill könnte man sagen: „Die Marktwirtschaft ist die schlechteste Wirtschaftsordnung, außer allen anderen.“ Trotz all ihrer Unzulänglichkeiten ist bisher noch keine andere Wirtschaftsordnung gefunden worden, die mehr Wohlstand für alle geschaffen hätte. Die Marktwirtschaft stirbt jedoch, wenn Strukturen entstehen, die ein Scheitern im Wettbewerb, dem Motor der Marktwirtschaft, unmöglich machen. Leider ist dies im Finanzsektor geschehen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Staat die Banken nun an die kurze Leine nimmt. Doch wird durch die staatliche Gängelung die Leistungsfähigkeit des Finanzsektors leiden. Besser als allumfassende staatliche Regulierung wäre die Stärkung des Wettbewerbs.

Bankgeschäfte und Alchemie

Das Bankgeschäft ist mit einer Prise Alchemie gewürzt. Wie der Magier das Kaninchen aus dem Hut, zaubern Banken Geld herbei, indem sie Kredite vergeben und diese gleichzeitig den Kreditnehmern als Einlagen gutschreiben. Dabei verlassen sie sich darauf, dass immer nur ein kleiner Teil der Kunden das selbst produzierte Bankengeld in das von den Zentralbanken als gesetzliches Zahlungsmittel herausgegebene Notengeld tauschen wollen. Die Banken haben also ein Risiko auf der Aktivseite ihrer Bilanz, nämlich dass die vergebenen Kredite nicht zurückgezahlt werden, und auf der Passivseite, dass zu viele Kunden ihre Bankeinlagen in Notengeld tauschen wollen. Leider sind sie mit diesen Risiken zu leichtfertig umgegangen, auch deshalb, weil sie sich darauf verlassen haben, dass die Zentralbanken und Staaten im Notfall Hilfe leisten werden.

In der Expansionsphase des Kreditzyklus von Mitte der neunziger Jahre bis Mitte des letzten Jahrzehnts haben die Banken nicht nur immer mehr und riskantere Kredite vergeben, sondern sie haben sich auch die Arbeit der Kreditvergabe und die Verwaltung der Einlagen geteilt. Manche Institute haben sich auf Ausleihungen konzentriert, andere auf die Verwaltung der Einlagen. Dadurch stieg der Grad der Vernetzung der Banken untereinander und folglich die Gefahr der Übertragung von Problemen. Als die Kreditblase im Frühjahr 2007 platzte, kamen die Aktiv- und die Passivseite der Bankbilanzen unter Druck. Kredite mussten abgeschrieben werden, was am Eigenkapital zehrte, und die Verwalter der Einlagen verweigerten die Finanzierung der auf Kreditvergabe spezialisierten Institute. Staaten und Zentralbanken mussten durch Steuergelder und Zentralbankgeld die Solvenz und Liquidität des Finanzsektors sichern.

Aus dieser Erfahrung zieht die Politik den Schluss, den Finanzsektor von nun an straffer zu führen. Wer die Kosten seiner Misserfolge auf die Gemeinschaft überwälzt, muss damit rechnen, dass ihm diese nun vorschreibt, wie viel Eigenkapital er vorzuhalten und in welcher Höhe und Form er seine Angestellten zu bezahlen hat. Vom Standpunkt des entrüsteten Steuerzahlers aus gesehen hat es der Finanzsektor verdient, nun wie ein ungezogener Hund an der Leine geführt zu werden.

Doch ein auf diese Weise staatlich gezähmter Finanzsektor wird seine Funktion der Kreditgewährung und Geldverwaltung eher mit der Schwerfälligkeit einer Behörde als mit der Dynamik eines privaten Unternehmens ausüben. Anstatt mit mehr staatlicher Gängelung auf die Fehler der Vergangenheit zu reagieren wäre es für die Versorgung der Wirtschaft mit Finanzdienstleistungen besser, einen Ordnungsrahmen zu schaffen, in dem ein Scheitern von Finanzinstituten im Wettbewerb möglich und daher die Rettung durch Staat und Zentralbank unnötig ist.

Die Banker sollen haften

Dazu wäre es nötig, nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Gläubiger und leitenden Mitarbeiter für die Kosten des Scheiterns aufkommen zu lassen, wobei Einleger in begrenztem Umfang von einer privat finanzierten Versicherung entschädigt werden könnten. Nicht versicherte Forderungen der Gläubiger müssten in Eigenkapital umgewandelt werden, während die leitenden Mitarbeiter mit ihrem Privatvermögen zu haften hätten.

Letzteres wäre möglich, wenn Finanzinstitute, wie jetzt schon bei manchen Privatbanken üblich, als Kommanditgesellschaften auf Aktien organisiert würden. Dort sind die leitenden Mitarbeiter als Komplementäre am Gewinn beteiligt, haften aber auch persönlich für Verluste. Im Gegensatz zur Vergütung über Boni, die wegen der Begrenzung des Verlusts auf die Bonussumme die Risikoneigung des Empfängers fördert, gibt eine Beteiligung an Gewinn und Verlust Anreize zu einem ausgewogenen Appetit auf Risiko. Wenn Führungspersonal und Risikomanager im Finanzsektor unternehmerisches Risiko tragen und Gläubiger mit haften würden, würde nicht nur das Vertrauen der Aktionäre gestärkt - sondern auch die Qualität der Finanzdienstleistungen erhöht.

Quelle: F.A.S.

 

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