http://www.faz.net/-gqe-8us8q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 11.02.2017, 17:03 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Die Welt im Währungskrieg

Die Europäische Zentralbank formt den Kontinent nach ihrem Gutdünken. Bald werden wir die Rechnung dafür bezahlen.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Während Donald Trump China der Manipulation seines Wechselkurses bezichtigt, nimmt Peter Navarro, sein Chefberater in Handelsfragen, Deutschland aufs Korn. Wir nutzten den für uns viel zu schwachen Euro, um die Vereinigten Staaten und unsere Handelspartner in Europa auszubeuten, sagte Navarro der Financial Times. Bundeskanzlerin Merkel verteidigte sich damit, dass Deutschland für die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht verantwortlich sei. Und Finanzminister Schäuble bekannte in einem Interview, dass er kein glühender Fan der Geldpolitik der EZB sei. Als EZB-Chef Mario Draghi mit seiner expansiven Geldpolitik anfing, habe er ihm gesagt, dass er damit den deutschen Exportüberschuss nach oben treibe. Er habe Draghi versprochen, ihn nicht offen zu kritisieren und wolle nun für diese Politik ebenfalls nicht kritisiert werden. Doch wird das wohl ein frommer Wunsch bleiben, da Navarros Mäkeleien nur der Aufschlag zu ernsteren Auseinandersetzungen sein dürften. Besser wäre gewesen, Schäuble hätte Draghi in aller Öffentlichkeit erklärt, warum er seine Politik für gefährlich hält.

Nach Schätzungen der OECD dürfte der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands letztes Jahr rund 320 Milliarden Dollar betragen haben. Für die Eurozone insgesamt kommt die OECD auf die gigantische Summe von beinahe 500 Milliarden Dollar, mehr als das auf 463 Milliarden geschätzte Leistungsbilanzdefizit Amerikas. Dagegen sind China und Japan mit 265 sowie 180 Milliarden Dollar Überschuss Waisenknaben. Oft wird behauptet, dass der Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone durch die von Deutschland erzwungene „Austeritätspolitik“ entstanden sei. Schaut man aber auf die Entwicklung des Einlagesatzes der EZB und den handelsgewichteten Wechselkurs des Euro, dann fällt auf, dass der Wechselkurs mit dem Anschwellen der Eurokrise ab 2010 und der damit einhergehenden lockeren Geldpolitik der EZB nachgab. Mit einer Zeitverzögerung von rund eineinhalb Jahren begann der Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone dann ab Mitte 2011 zu steigen.

Von 1999 bis Mitte 2011 betrug der durchschnittliche jährliche Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone gerade mal 29 Milliarden Dollar. Dahinter verbargen sich ein Leistungsbilanzüberschuss von Deutschland und den Niederlanden von zusammen 148 Milliarden Dollar und ein Defizit im Rest der Eurozone von 119Milliarden. Von Mitte 2011 bis Ende 2016 stieg der durchschnittliche jährliche Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone auf satte 373 Milliarden Dollar. Dabei entfielen 352 Milliarden Dollar auf Deutschland und die Niederlande sowie 21 Milliarden Dollar auf den Rest der Eurozone.

Diese Zahlen zeigen, dass der hohe deutsche Überschuss nicht auf die Politik in Deutschland, sondern im Wesentlichen auf die Geldpolitik der EZB zurückzuführen ist. Der EZB kam ein schwacher Euro gelegen, um die Krisenstaaten innerhalb der Währungsunion zu stabilisieren. Sie konnten nun dank des schwächeren Euros mehr exportieren. Der Kollateralschaden dieser Politik war aber der Aufbau eines gigantischen Leistungsbilanzüberschusses des Eurogebiets, mit Deutschland und den Niederlanden als Spitzenreitern.

Nun hat vor allem Deutschland den politischen Schaden. Einerseits drohen amerikanische Merkantilisten wie Navarro deutschen Exporteuren mit Strafzöllen. Andererseits drängen konstruktivistische Volkswirte die Bundesregierung zu Maßnahmen, mit denen das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht durch die Schaffung heimischer Ungleichgewichte bekämpft werden soll. So plädieren namhafte Ökonomen für schuldenfinanzierte Staatsausgaben, um durch eine Erhöhung der heimischen Nachfrage den Außenhandelsüberschuss zurückzudrängen. Andere wollen, dass die Löhne stärker steigen, so dass deutsche Exporte teurer werden. Wieder andere wollen den privaten Konsum stärken, indem die Mehrwertsteuer gesenkt und zur Finanzierung die Einkommensteuer für Reiche heraufgesetzt werden soll.

Alle diese Rezepte laufen darauf hinaus, die deutsche Wirtschaft und die Staatsfinanzen so zu formen, dass sie in das von der EZB geschneiderte Zins- und Wechselkurskorsett passen. Weil schwächere Länder der Währungsunion daran gescheitert sind, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und ihre Staatsfinanzen zu sanieren, sollen sich die stärkeren an die für die schwachen lebensnotwendigen Verhältnisse anpassen. Auf diese Weise wäre eine Rettung des Euro zwar möglich, aber kaum wünschenswert. Immerhin könnte der Druck Donald Trumps dafür sorgen, dass die Fehler der Eurorettungspolitik nicht länger unter den Tisch gekehrt werden können.

Das Opel-Wunder

Von Carsten Knop

General Motors-Konzern will Opel nicht mehr haben, umgekehrt dürfte es ähnlich sein. Eine wirklich gute Zukunft für die Rüsselsheimer ist damit nicht gesichert. Mehr 7 14

Zur Homepage