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Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke. Bild: Thilo Rothacker

Mayers Weltwirtschaft : Die Masche des IWF

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Der Internationale Währungsfonds will arme Länder vor einer Klimakatastrophe retten. Dafür bezahlen sollen die Industriestaaten.

          Seit Jahrtausenden fasziniert die Vorstellung des Weltuntergangs die Menschheit. Früher wurde die Apokalypse religiös begründet. Heute bemüht man dafür die Naturwissenschaften: Die Erderwärmung soll uns den Garaus machen. Doch wer die Apokalypse wissenschaftlich begründen will, muss sich auch wissenschaftlich fundierter Kritik stellen.

          In ihrem World Economic Outlook 2017 nehmen sich die Wirtschaftsforscher des Internationalen Währungsfonds in einer umfangreichen Studie der Frage nach den ökonomischen Konsequenzen der Erderwärmung an. Die Studie beginnt mit der Darstellung der Entwicklung der mittleren Welttemperatur über die vergangenen 22.000 Jahre. Danach steigt die Temperatur von 15 Grad Celsius in der Zeit von 20.000 vor Christus auf knapp 19 Grad 8000 vor Christus, fällt auf rund 18 Grad bis zum Beginn der industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts und steigt von da an wieder auf knapp 19 Grad heute. Der IWF weist darauf hin, dass der jüngste Anstieg in wesentlich kürzerer Zeit erfolgt ist als der Anstieg davor. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts sei der Temperaturanstieg im Wesentlichen auf menschliche Aktivitäten, vor allem die Emission von Treibhausgasen, zurückzuführen. Würde die Emission so weitergehen wie bisher, dann würde die durchschnittliche Welttemperatur bis zum Jahr 2100 um weitere 3,5 Grad auf einen Wert von 4,5 Grad über dem Durchschnitt von 1880 bis 1910 ansteigen. Der IWF warnt, dass damit eine höhere Frequenz an Hitzewellen und tropischen Stürmen sowie eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums einhergingen.

          Verlust könnte leicht wettgemacht werden

          Allerdings kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Folgen der Erderwärmung sehr unterschiedlich verteilt sein würden. Auf der Grundlage von ökonometrischen Analysen findet die Studie, dass die Wirtschaftsleistung in den Industrieländern im Mittel für jedes Grad Temperaturanstieg mit einer Zeitverzögerung von sieben Jahren um rund 0,5 Prozent steigen würde. Dagegen würde sie in den Schwellenländern um rund ein Prozent und in den Ländern mit niedrigem Einkommen um rund 1,5 Prozent gedrückt. Anhand von Simulationsrechnungen wird ermittelt, dass das Bruttoinlandsprodukt in einem typischen Entwicklungsland mit niedrigem Einkommen im Jahr 2100 um rund 9 Prozent unter dem Niveau liegen würde, das ohne Temperaturanstieg zu erwarten gewesen wäre. Dies würde einem Gegenwartswert von 100 Prozent des heutigen Bruttoinlandsprodukts entsprechen.

          Das hört sich dramatisch an. Doch ist zu berücksichtigen, dass dieser Verlust in 83 Jahren anfallen würde. Bis dahin würde das Wachstum dieses hypothetischen armen Landes um 0,1 Prozent pro Jahr verringert. Das ist von Jahr zu Jahr betrachtet so gering, dass es in den üblichen Unschärfebereich von Prognosen fiele. Der Verlust könnte durch positive Entwicklungen in dem betreffenden Land leicht wettgemacht werden. Zudem weist der IWF darauf hin, dass die von der Erderwärmung betroffenen Länder die Auswirkungen durch Politikmaßnahmen verringern könnten.

          Jährliche Kompensation von 0,1 Prozent des BIP dieser Länder

          Für die Weltwirtschaft insgesamt sind die Auswirkungen der Erderwärmung minimal, da den überschaubaren Verlusten der Entwicklungsländer kleine Gewinne der Industrieländer gegenüberstehen. Die Temperaturprognosen des Weltklimarats sind umstritten und die Modellsimulationen des IWF sehr unsicher, wie dieser selbst einräumt. Aber selbst wenn man diese Schätzungen und Projektionen für bare Münze nimmt, kommt man auf kaum wahrnehmbare Auswirkungen der Erderwärmung auf die globale wirtschaftliche Entwicklung.

          Folglich sehen die IWF-Ökonomen die Erderwärmung weniger als Bedrohung für das Wachstum der Weltwirtschaft denn als Mechanismus zur Umverteilung des Wachstums. Die industrielle Produktion sei mit negativen externen Effekten verbunden, die vor allem die in der heißen Klimazone gelegenen ärmeren Länder beeinträchtigen. Die Ökonomie kennt die Lösung von Problemen dieser Art: die Internalisierung der externen Effekte durch die Definition von Eigentumsrechten. Wenn das Recht der ärmeren Länder darin besteht, von den durch die Produktion in den Industrieländern erzeugten negativen klimatischen Wirkungen verschont zu bleiben, dann hätten sie einen Anspruch auf entsprechende Kompensation. Aus der IWF-Studie ergibt sich eine jährliche Kompensation von 0,1 Prozent des BIP dieser Länder oder 3,3 Milliarden Dollar. Würde man allen Entwicklungsländern Kompensation zugestehen, käme man auf rund 46 Milliarden Dollar im Jahr. Auch das wäre noch ein kleiner Teil der Mittel, die gegenwärtig zur Verhinderung der Erderwärmung ausgegeben werden. Wie Michael Endes Scheinriese schrumpft die Klima-Apokalypse, je näher man sie betrachtet.

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