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Mayers Weltwirtschaft Die ehrbare Bank

Banken wollen jetzt „nachhaltig“ sein. Präziser wäre: Sie wollen „langfristig gierig“ sein.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes.

Nach den Verfehlungen bemühen sich die Banken, Vertrauen wiederzugewinnen, indem sie sich ethische Normen geben. Das ist das eine. Das andere ist es, diese Normen institutionell zu verankern. Als ich Anfang der neunziger Jahre für Goldman Sachs arbeitete, wurden wir auf Geschäftsprinzipien verpflichtet, die dem heutigen Wertekanon ähnlich waren. Gleichzeitig strengten sich die Partner an, diese Prinzipien vorzuleben. Nicht immer klappte dies, aber ich erinnere mich, dass sie auch mal auf ein lukratives Geschäft verzichteten, wenn sie damit ein Reputationsrisiko verbunden sahen. Denn die Partner hafteten bis zum letzten Hemd.

Damals scherzten wir in der Sprache der Zeit, die Partner seien „long-term greedy“, langfristig gierig - im Gegensatz zu Michael Douglas, der damals im Kino den gierigen Wall Street Banker spielte. Noch heute gefällt mir „long-term greedy“ besser als das blutleere Adjektiv „nachhaltig“, weil damit ein ehrliches Bekenntnis zum Profit verbunden ist, ohne den ein privates Unternehmen keine Daseinsberechtigung hat. Die überschaubaren Wall-Street-Partnerschaften sind inzwischen in wesentlich größeren, fremdfinanzierten Universalbanken aufgegangen, in denen die Geschäftsprinzipien nicht nur vom Management gepredigt, sondern auch institutionell verankert werden müssen. Eine Bank, die „long-term greed“ institutionell verankern will, müsste meines Erachtens die folgenden Punkte beachten.

Die Bank sollte eine wirklich sichere Einlage bieten

Erstens sollte die Bank ihren Kunden eine wirklich sichere Einlage bieten. Dies ist dann der Fall, wenn die Einlage zu jeder Zeit und unter allen Umständen zum Nennwert in gesetzliche Zahlungsmittel getauscht werden kann. Da nur die Zentralbank gesetzliche Zahlungsmittel ausgeben darf, muss eine solche Bankeinlage zu hundert Prozent durch bei der Zentralbank gehaltene Reserven gedeckt sein. Natürlich kann der Bankkunde auf diese Einlage nur den Zins erwarten, den die Zentralbank auf Reserven zahlt, abzüglich der Kosten für die Kontoführung.

Zweitens sollte die Bank ihren Kunden verzinsliche Anlagen bieten, die in einer klar festgelegten Rangordnung zur Verlustdeckung im Falle einer Bankpleite herangezogen werden. Die Reihenfolge der Haftung beginnt mit dem Eigenkapital der Bank und endet mit verzinslichen Einlagen, für die nicht in vollem Umfang Reserven bei der Zentralbank gehalten werden.

Drittens sollte die Bank höchstmögliche Transparenz für ihr Kreditportfolio schaffen, das mit den verzinslichen Anlagen finanziert wird. Nach Risiko gewichtete oder ungewichtete Anteile des Eigenkapitals an der Bilanzsumme schaffen nicht die erforderliche Transparenz, wenn entweder das Risikomodell der Bank oder die Riskantheit des Kreditportfolios für die Anleger nicht nachzuvollziehen sind.

Die Bank sollte allen Anlegern, von den Aktionären bis zu den Haltern von Bankeinlagen, eine Einschätzung ihres Verlustrisikos ermöglichen. Regulierungsbehörden oder Ratingagenturen können den Anlegern eine solche Einschätzung nicht abnehmen und sollten dies ehrlicherweise auch zugeben, statt mit Vorschriften für Eigenkapital und zweifelhaften Bewertungen Scheinsicherheit zu erzeugen.

Viertens sollte die Bank ihr Kapitalmarktgeschäft als ehrlicher Makler zwischen Schuldnern und Gläubigern betreiben. Das kann sie nur, wenn sie auch hier Transparenz schafft und die Charakteristika aller Kapitalmarktprodukte offenlegt. Sollte sie Zweifel haben, dass ein Geschäftspartner das Produkt versteht, müsste sie ihre Maklerdienste verweigern.

Die Manager sollten bereit sein, Risiko zu tragen

Fünftens sollten die Manager der Bank bereit sein, unternehmerisches Risiko zu tragen. Eine symmetrische Beteiligung an Gewinn und Verlust könnte in der Organisationsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis erreicht werden. Durch eine Beteiligung des Managements an Verlusten können Abweichungen von den Interessen der Anleger (das Principal-Agent-Problem) minimiert werden.

Die Eigenkapitalrendite dieser „ehrbaren Bank“ hängt von der Riskantheit ihres Kreditportfolios, ihrem Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme und der Mischung zwischen Kredit- und Kapitalmarktgeschäft ab. Eine Erhöhung der Rendite im Kreditgeschäft kann nur durch höheres Risiko aufgrund eines riskanteren Kreditportfolios oder geringeren Eigenkapitalanteils erzielt werden. Da sich die Fremdkapitalgeber jedoch ein höheres Verlustrisiko durch höhere Zinsen bezahlen lassen, sind dem klare Grenzen gesetzt. Andererseits kann die gesamte Eigenkapitalrendite erhöht werden, wenn die Gewinne aus dem weniger eigenkapitalintensiven Kapitalmarktgeschäft gesteigert werden. Aber auch da gibt es Grenzen, die durch den Wettbewerb verschiedener Institute bestimmt werden. Um also im Markt um Eigenkapital mit anderen Industrieunternehmen bestehen zu können, muss die „ehrbare Bank“ wie diese auf Kosteneffizienz achten.

Quelle: F.A.S.

 
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