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Mayers Weltwirtschaft Das Ende des Papiergeldes

Unserem Geldsystem droht der Kollaps. Daran können auch strengere Regeln für Banken nichts ändern.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes.

Es ist populär, die Schuld an der Finanzkrise den Bankern in die Schuhe zu schieben. Nun müssen diese Leute bestraft und der Finanzsektor vom Staat an die Kette gelegt werden. Wenn wir den Banken vorschreiben, wie viel Eigenkapital und Liquidität sie zu halten und wie sie ihre Angestellten zu bezahlen haben, dann wird alles wieder gut.

In dem gerade erschienenen Buch „Das Ende des Scheins: Warum auch unser Papiergeldsystem zusammenbricht“ entlarvt Detlev Schlichter diese Sicht auf die Finanzkrise als Unsinn. Auf der Basis einer stringenten Analyse stellt er die These auf, dass der Grund für die Finanzkrise im Geldsystem liegt. Da wir dies nicht verstehen (wollen), wird die Finanzkrise in eine Krise unseres Geldsystems münden.

Die großen Mythen

Schlichter zerstört eine Reihe von Mythen, die der konventionellen Ökonomie und Politik die Sicht verstellen. Erster Mythos: In einer modernen Volkswirtschaft muss das Geldangebot elastisch auf die Geldnachfrage reagieren, um gesamtwirtschaftliche Störungen durch Geldknappheit zu vermeiden. Falsch, sagt Schlichter. Weil Geld keinen Gebrauchs-, sondern einen Tauschwert hat, kann jede Veränderung der Geldnachfrage durch eine Veränderung der Kaufkraft des Geldes befriedigt werden. Wir brauchen kein elastisches, sondern unelastisches Geld.

Zweiter Mythos: Deflation ist gefährlich und muss unter allen Umständen vermieden werden. Im Gegenteil, sagt Schlichter. Wenn das Geldangebot konstant ist, die Geldnachfrage aber in einer wachsenden Volkswirtschaft steigt, dann steigt die Kaufkraft des Geldes, und die Preise für Güter und Dienstleistungen fallen im Trend. Die Wirtschaftssubjekte können sich auf einen fallenden Trend der Preise ebenso einstellen wie auf einen steigenden. Tatsächlich ist ein fallender Trend der Preise sogar von Vorteil, denn so wird es möglich, auf die einfachste Form des Sparens, die Haltung von Geld, einen positiven Zins zu erzielen.

Dritter Mythos: Geld liegt wie ein Schleier über der Wirtschaft, so dass Veränderungen des Geldangebots nur nominale, aber keine realen Wirkungen haben. Unsinn, sagt Schlichter. Wenn dies so wäre, dann müssten alle Wirtschaftssubjekte über eine Änderung des Geldangebots gleichzeitig informiert und davon betroffen sein. Tatsächlich wird Geld über Kredite geschaffen und in den Wirtschaftskreislauf eingespeist, so dass die Einkommensverteilung und Preisverhältnisse verändert werden. Je näher man an der Geldschöpfung sitzt, desto mehr profitiert man davon. Statt wie ein Schleier vor dem Gesicht wirkt eine Veränderung des Geldangebots wie ein Faustschlag ins Gesicht der Wirtschaft.

Vierter Mythos: Die Geldpolitik muss (in Zusammenarbeit mit der Fiskalpolitik) die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stabilisieren und damit die Preisstabilität sichern. Trugschluss, sagt Schlichter. Eine Veränderung des Preisniveaus geht immer mit einer Änderung der Preisrelationen einher. Wenn sich die Geldpolitik gegen eine Korrektur verzerrter Preisrelationen stemmt, die durch mehr Kredit verursacht wurden, verzögert sie nur die Anpassung und erhöht damit den Anpassungsbedarf.

Rückkehr zum Goldsystem?

Die Geschichte zeigt, dass alle in der Vergangenheit geschaffenen Papiergeldsysteme gescheitert sind. Schlichter erwartet das gleiche für unser heutiges System, weil die Profiteure dieses Systems - Staat, Banken und die das System rechtfertigenden Volkswirte - kein Interesse an einer Veränderung haben. Er erwartet danach die Rückkehr zum Warengeld in Form von Gold. Das würde aber die Bereitschaft zur Abkehr von der staatlich geplanten Geldwirtschaft und die Rückkehr zu der mit Warengeld konsistenten Wirtschaftsordnung der Marktwirtschaft voraussetzen.

Es wäre wünschenswert, wenn Schlichter Recht hätte. Aber der gleiche Grund, den Schlichter gegen die freiwillige Aufgabe des Papiergeldsystems zu Gunsten eines Warengeldsystems ins Feld führt, dürfte auch die Rückkehr zum Warengeld nach dem Papiergeldkollaps verhindern: Die Interessen der Profiteure am Papiergeldsystem stehen dem entgegen. Wahrscheinlicher ist da, dass der Staat die Geldschöpfung durch die Ausgabe von staatlichem Schuldgeld ganz übernimmt. Dies war die Idee des in den 30er Jahren entstandenen Chicago-Plans: Die Zentralbank soll Geld durch Kredit an den Staat schöpfen. Die privaten Banken sollen von der Geldschöpfung ausgeschlossen werden, indem sie zur vollständigen Deckung der Sichteinlagen mit Reservegeld verpflichtet werden. Damit kämen wir aber nur vom Regen in die Traufe.

Quelle: F.A.S.

 
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