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Veröffentlicht: 31.03.2013, 21:05 Uhr

Mayers Weltwirtschaft Brauchen Banken den Staat?

Griechenland reißt seine Banken in den Abgrund. Irland und Spanien gerieten wegen ihrer Banken an den Rand der Insolvenz. Die Eurokrise zeigt: Staaten und Banken bringen einander immer wieder in Schwierigkeiten. Das könnte nur ein neues Geldsystem ändern.

von Thomas Mayer
© Schmitt, Felix Die Skyline von Frankfurt

In der Eurokrise hat sich die enge Verbindung von Staaten und Banken als ein besonderes Problem erwiesen. In Irland und Spanien brachte die Schieflage von Banken den Staat an den Rand der Insolvenz. Ein überschuldeter Staat riss in Griechenland die Banken in den Abgrund und stellt in Italien und Portugal eine schwere Belastung für sie da. Nach Äußerungen des holländischen Finanzministers und Chefs der Eurogruppe Dijsselbloem soll nun die Umstrukturierung der Banken im kleinen Zypern als Modell für die Behebung von zukünftigen Bankenkrisen dienen und den Weg zu einer Trennung von Banken und Staaten in einer europäischen Bankenunion weisen.

Doch taugt das kleine Zypern kaum als Blaupause für die Behebung von Bankenkrisen in der Europäischen Währungsunion (EWU). Trotz gegenteiliger Behauptungen der EZB gingen von einer Umstrukturierung oder gar Abwicklung der zyprischen Banken keine systemischen Risiken aus. Wirklich systemisch wichtige Banken lassen sich nicht so leicht vom Staat trennen, wie es das zyprische Beispiel suggeriert. Deshalb wird die Bankenunion auch kaum zur gewollten Trennung von Banken und Staat führen. In dieser Union wird die Verbindung von Banken und Staat nur von der nationalen auf die europäische Ebene gehoben.

Banken sind in unserem System immer einem Krisen-Risiko ausgesetzt

Der Grund dafür ist, dass in unserem Bankensystem mit teilweiser Reservehaltung und Forderungen der Banken an den Staat, die das Eigenkapital der Banken übersteigen, diese prinzipiell immer dem Risiko von Liquiditätskrisen und staatlichen Schuldenkrisen ausgesetzt sind. Sind diese Banken eng miteinander verbunden, stellen sie unweigerlich ein Risiko für das gesamte Bankensystem dar. Ein solches System braucht zum Risikomanagement eine staatliche Zentralbank, die im Notfall im Auftrag des Staates großen Banken und ihm selbst als Kreditgeber der letzten Instanz gesetzliche Zahlungsmittel zur Begleichung von Schulden verschaffen kann.

Für eben diesen Zweck wurden staatliche Zentralbanken ins Leben gerufen. Die Entstehung der schwedischen Reichsbank, der ältesten staatlichen Zentralbank der Welt, ist dafür das beste Beispiel. Im Jahr 1656 verlieh der schwedische König dem Geschäftsmann Johan Palmstruch und seinen Partnern ein königliches Patent, das sie berechtigte, die erste Bank Schwedens zu gründen. Die Bank lieh sich dreihunderttausend Speciedaler, eine in dieser Zeit gebräuchliche norwegische Silbermünze, gegen ungemünztes Edelmetall, Waren, Grundbesitz und andere Wertgegenstände als Sicherheit. Mit diesem Kapital gewährte sie dem König und anderen Kredit.

20360986 © Thilo Rothacker Vergrößern Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Für den König hatte sich damit eine ergiebige Kreditquelle aufgetan, brauchte er sich nun doch selbst nicht mehr um Darlehen bei privaten Geldverleihern zu bemühen. Im Gegenzug dafür hatten sich Palmstruch und seine Partner mit dem königlichen Patent eine wahre Geldruckmaschine geschaffen. Denn die Bank nahm Kupfermünzen als Einlagen an und gab Einlagezertifikate in Form von Papiernoten aus, die zuvor nur in China als Geld benutzt worden waren.

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