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Mayers Weltwirtschaft Bloß nicht China!

Anleger sollten lieber deutsche oder amerikanische Aktien kaufen.

© Thilo Rothacker Vergrößern Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Senior Fellow am Center for Financial Studies der Universität Frankfurt.

Man sollte meinen, für den chinesischen Aktienmarkt seien nun goldene Zeiten angebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt ist in den vergangenen beiden Jahren im Schnitt um 8,5 Prozent gewachsen, und die Prognostiker sagen für dieses Jahr mehr als 9 Prozent voraus. Auch wurde der Führungswechsel, der voriges Jahr für Nervosität bei den Anlegern sorgte, in der vergangenen Woche reibungslos abgeschlossen. Dennoch ist der Shanghai-Composite-Aktienindex nach einem Anstieg im Januar seit dem ersten Februar um beinahe sechs Prozent gefallen. Grund dafür ist die Sorge, dass die übermäßige Ausweitung von kreditfinanzierten Investitionen eine Blase darstellen könnte.

Die Investitionsquote ist gestiegen 

Seit den neunziger Jahren ist das im internationalen Vergleich schon anfangs sehr hohe Verhältnis von Investitionen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) kräftig gestiegen. Da der Staat die Investitionen auch in Phasen einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung hoch hält oder steigert, springt die Investitionsquote besonders in Schwächephasen der Wirtschaft nach oben, so geschehen 2000 bis 2004, als die Quote von 35 auf 43 Prozent sprang, und von 2007 bis 2011, als sie von 42 auf 48 Prozent anstieg. Im Vergleich dazu nimmt sich die deutsche Investitionsquote mit rund 17 Prozent sehr bescheiden aus. Nun ist eine hohe Investitionsquote in einer sich entwickelnden Wirtschaft an sich nichts Schlechtes, zeugt sie doch vom Aufbau des Kapitalstocks. Doch kann man an der Produktivität der Investitionen - und damit an der Rentabilität des Kapitals - zweifeln, wenn die Quote über lange Zeit hoch bleibt oder sogar mit der Zeit ansteigt. Dann liegt die Vermutung nahe, dass Kapital verschwendet wird.

Erweisen sich Investitionsvorhaben als unprofitabel und müssen abgeschrieben werden, so ist das immer schmerzlich, stellt aber nur selten ein gesamtwirtschaftliches Risiko dar, wenn die Investitionen mit Eigenkapital finanziert wurden. Der Kapitalgeber muss Verluste verkraften, aber der Rest der Wirtschaft wird dadurch nicht direkt berührt. Anders sieht es aus, wenn die Vorhaben zu einem großen Teil fremdfinanziert wurden. Wenn Banken Kredit abschreiben müssen, können sie in Schieflage geraten. Sie sind dann kaum mehr fähig, weitere Kredite zu vergeben, und müssen im schlimmsten Fall vom Staat gerettet werden. Wie die Finanzkrise gezeigt hat, kann dies erhebliche gesamtwirtschaftliche Auswirkungen haben. In den letzten Jahren ist in China nun die Finanzierung der Investitionen mit Krediten stark gewachsen. So stieg das Verhältnis der gesamten Bankforderungen an Inländer zum BIP von 185 Prozent im dritten Quartal 2008, vor der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, auf 248 Prozent im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Die auf Immobilien gewährten ausstehenden Hypothekendarlehen stiegen während dieses Zeitraums von 10 Prozent auf 15 Prozent des BIP. Dementsprechend stieg das mit der Kreditvergabe kreierte Geldvolumen in der Abgrenzung von M2 von 142 Prozent des BIP auf 180 Prozent. Insgesamt weisen diese Indikatoren auf die Gefahr einer kreditfinanzierten Investitionsblase hin, die, wie die Beispiele Amerika und Europa zeigen, früher oder später platzen könnte.

Die Staatsfinanzen sind solide

Als die dortigen Banken nach dem Platzen der Kreditblase in Schieflage gerieten, musste der Staat einspringen. Überall stieg die Staatsschuld sprunghaft an, und einige Staaten in Europa gerieten an den Rand der Insolvenz. Glücklicherweise sind die chinesischen Staatsfinanzen gegenwärtig sehr solide, und damit ist die Fähigkeit des Staats, den Finanzsektor zu stabilisieren, ohne sich selbst zu überschulden, groß. Laut IWF betrug das Staatsdefizit im letzten Jahr 1,3 Prozent des BIP und die Staatsschuldenquote 22 Prozent. Da die chinesische Zentralbank für den Staat Devisenreserven in Höhe von 175 Prozent des BIP hält, besitzt der Staat ein Nettofinanzvermögen von über 150 Prozent des BIP, auf das er zurückgreifen kann, wenn er den Finanzsektor stabilisieren muss.

Aber auch wenn der chinesische Staat finanziell viel besser dasteht als die Staaten in Amerika und Europa vor dem Ausbruch der Finanzkrise, heißt dies nicht unbedingt, dass die Aktionäre hoch verschuldeter chinesischer Unternehmen und Banken ungerupft davonkommen werden, falls die Rettung durch den Staat notwendig werden sollte. Gerechterweise müssten die Aktionäre wohl selbst zuerst für Fehlinvestitionen einstehen, bevor der Staat zu Hilfe kommt. Um politische Unruhe zu vermeiden, dürfte der Staat aber andererseits alles daran setzen, dass seine Bürger von den wirtschaftlichen Auswirkungen einer Finanzkrise verschont bleiben. Für deutsche Anleger heißt dies, lieber Aktien deutscher oder amerikanischer Unternehmen, die nach China liefern, als Aktien chinesischer Unternehmen zu kaufen.

Quelle: F.A.S.

 
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