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Mayers Weltwirtschaft : Öko-Diktat für Sparer

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Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke. Bild: Thilo Rothacker

Die EU will Anleger verpflichten, ihr Geld ethisch und ökologisch korrekt zu investieren. Mit Marktwirtschaft hat das nichts mehr zu tun.

          Das Debakel des „real existierenden Sozialismus“ hat gezeigt, dass staatliche Investitionslenkung individuellen Investitionsentscheidungen immer unterlegen ist. Der Grund dafür ist, dass staatliche Planer niemals das in den Köpfen vieler Individuen steckende Wissen haben können. Durch den Austausch im Markt wird dieses Wissen zum Vorteil Aller koordiniert. Folglich hat es sich bewährt, dass sich der Staat darauf beschränkt, den rechtlichen Rahmen zu setzen, innerhalb dessen der einzelne Marktteilnehmer frei entscheiden kann.

          Der wichtigste Teil dieses Rahmens ist die Definition von Eigentumsrechten und ihre Überwachung durch unabhängige Gerichte. Diese Rechte können für die Beziehungen zwischen Menschen innerhalb einer Generation, aber auch für die Beziehung von lebenden zu künftigen Generationen definiert werden. Dazu gehört auch, dass die lebende Generation das Recht künftiger Generationen auf menschengerechte Lebensumstände durchsetzt. Zu diesem Zweck kann der Staat als Anwalt künftiger Generationen Standards für die Umweltbedingungen setzen und darauf achten, dass diese durch die wirtschaftlichen Handlungen Einzelner nicht verletzt werden.

          In Wirklichkeit leitet heute der Staat aber aus der Notwendigkeit, günstige Lebensbedingungen für künftige Generationen zu erhalten, die Berechtigung zur staatlichen Lenkung einzelwirtschaftlicher Entscheidungen ab. Dabei ignoriert er nicht nur die Erfahrungen mit staatlicher Lenkung aus der Vergangenheit, sondern verschwendet auch sehenden Auges ungeheure Ressourcen in der Gegenwart. Nach Berechnungen des Düsseldorfer DICE-Instituts hat die „Energiewende“ die Deutschen im Zeitraum von 2010 bis 2015 schon 150 Milliarden Euro gekostet, ohne dass das angestrebte Ziel der Verringerung von Treibhausgasen erreicht wurde. Und eine Studie der Boston Consulting Group und Prognos zeigt, dass es uns bis 2050 weitere 500 bis 1000 Milliarden Euro Kosten wird, um unseren Kohlendioxydausstoß bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Dabei werden die Wirkungen auf den globalen Ausstoß von Treibhausgasen mehr als bescheiden sein.

          Die Anmaßung der EU

          Das alles hält die Politik aber nicht davon ab, staatliche Lenkung zum Schutz der Umwelt auch auf den Finanzsektor auszudehnen. Im März dieses Jahres stellte die EU-Kommission einen Aktionsplan für ein „nachhaltiges Finanzwesen“ vor. Vizepräsident Vladis Dombrowski sagte dazu: „Die heute präsentierten Vorschläge zeugen von der Entschlossenheit der EU, unsere Investitionen in die richtige Richtung zu lenken. Sie stellen darauf ab, die gewaltige Kraft der Kapitalmärkte für den Kampf gegen den Klimawandel und die Förderung von Nachhaltigkeit zu mobilisieren.“ Was aber ist „Nachhaltigkeit“? Das will die Kommission bestimmen und institutionelle Anleger verpflichten, nachzuweisen, inwieweit sie ihre Investitionen an den Nachhaltigkeitszielen orientieren. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass bald Lobbyisten und Politiker sich bei der Bestimmung der Nachhaltigkeitsziele rangeln werden, um Kapitalströme auf ihre Mühlen zu lenken.

          Der Wunsch, nach ethischen Gesichtspunkten zu investieren, hat eine lange Tradition. Schon in der Bibel und im Koran finden sich dazu Anleitungen. Später hat man darunter verstanden, bestimmte Industrien, wie die Rüstungs- und Tabakindustrie, oder Staaten, wie Südafrika unter der Apartheit, zu meiden. Heute bietet die Finanzindustrie nach ökologischen, sozialen und Managementkriterien gestaltete Anlagekonzepte an, für die das Akronym „ESG“ (Environmental, Social, Governance) steht. Seit 2010 hat sich in Deutschland das Anlagevolumen in diesem Bereich verdreifacht, beträgt allerdings immer noch nur rund drei Prozent des deutschen Fondsmarktes. Wie mein Kollege Kai Lehmann in einer jüngst veröffentlichten Studie gezeigt hat, sind die Vorstellungen über nachhaltiges Anlegen sehr unterschiedlich. Am populärsten sind Anbieter, die sich auf gemeinsam von der Finanzindustrie und den Vereinten Nationen entwickelte ESG-Kriterien (UNPRI) verpflichtet haben. Da diese recht allgemein formuliert sind, erlauben sie den Anbietern hohe Flexibilität – und den Kunden ein gutes Gewissen ohne allzu große Renditeeinbuße.

          Der EU-Kommission ist das alles viel zu lasch. Die Definition von ESG soll präzisiert und vereinheitlich und der Anleger in die richtigen Produkte gedrängt werden. Die Vorstellungen des Einzelnen werden denen des zentralen Planungsbüros angepasst. Sollte sich die Kommission mit ihren Vorstellungen durchsetzen, kommen wir der zentralen Planwirtschaft auch bei der Geldanlage einen großen Schritt näher.

          Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

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