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Kolumne: Mayers Weltwirtschaft Geuro und Deuro

Die Griechen und Deutschen könnten Parallelwährungen zum Euro einführen.

© Thilo Rothacker Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes.

Wohl selten ist eine ökonomische Binsenweisheit so oft wiederholt und so nachhaltig missachtet worden wie die, dass eine gemeinsame Währung souveräner Staaten nur dann langfristig stabil sein kann, wenn die beteiligten Volkswirtschaften die nötige Flexibilität und die Staaten die notwendige fiskalpolitische Disziplin aufbringen. Ist dies nicht der Fall, wird die Zentralbank zur monetären Finanzierung von fiskalischen und realwirtschaftlichen Ungleichgewichten gezwungen. Dies führt langfristig zu Währungsschwäche und Inflation.

Nach mehr als zehn Jahren Euro und beinahe drei Jahren Euro-Krise ist immer noch nicht klar, ob alle Teilnehmer an der EWU den Grad an fiskalischer Disziplin und wirtschaftlicher Flexibilität erreichen können, der für Preisstabilität und eine harte Währung Voraussetzung ist. Aus der Gesamtheit der Teilnehmer sind die Umrisse dreier Ländergruppen zu erkennen, die eine ähnliche Einstellung verbindet: die nördlichen Länder um Deutschland, die lateinischen Länder um Frankreich und die südlichen Länder um Griechenland. Die Gruppe um Deutschland will eine Stabilitätsunion mit einer harten Währung, die in der Tradition der D-Mark steht. Die Gruppe um Griechenland neigt dazu, die Währungsunion als Schnellzug zum Wohlstand zu sehen und verlässt sich auf die Großzügigkeit ihrer Partner. Unklar ist noch, wo die Gruppe um Frankreich hinwill. Versucht sie, zur deutschen Gruppe aufzuschließen, oder will sie einen eigenen, lateinischen Stabilitätsstandard durchsetzen?

Regionale Parallelwährungen zum Euro

Nehmen wir einmal an, ein „lateinischer Standard“ würde bestimmend für die EWU, dann könnte sich ergeben, dass sich darin weder die deutsche noch die griechische Gruppe wiederfindet. Sollte man die Abweichler dann in die Zwangsjacke stecken oder ihnen einen Weg bahnen, der ihren eigenen Wertvorstellungen und ihrer Leistungsfähigkeit besser entspricht? Hat man überhaupt eine Wahl? Ich glaube schon. Eine mögliche Lösung wären regionale Parallelwährungen zum Euro.

Für Griechenland habe ich schon vor ein paar Monaten eine Parallelwährung als Ausweg aus den Problemen zur Sprache gebracht und diese „Geuro“ genannt. Wenn weitere Hilfszahlungen durch IWF und EFSF eingestellt werden, könnte Griechenland zur Deckung eines primären Staatsdefizits Schuldscheine ausgeben, die sich als Parallelwährung etablieren könnten. Damit könnte die griechische Regierung unabhängig vom Euroraum die Inflationsrate und Währungsabwertung herbeiführen, die sie für wirtschaftlich notwendig und sozialverträglich hält. Wie aber könnte Deutschland als zu weich empfundenen „lateinischen“ Standards entkommen?

Umstellung in drei Schritten

Ich könnte mir dazu drei Schritte vorstellen: Erstens werden länger laufende, inländische nominale Verträge, einschließlich der Löhne, an den deutschen Konsumentenpreisindex gekoppelt. Der Staat und der Finanzsektor bieten inflationsindexierte Schuldtitel und Bankeinlagen an, die durch mit der Inflation steigende Steuereinnahmen und indexierte Kreditverträge abgesichert sind. Zweitens wird vereinbart, dass die indexierten Verträge, Schulden und Anlagen auf eine neue Hartwährung, nennen wir sie Deuro, umgestellt werden, wenn die Inflation einen bestimmten Schwellenwert überschritten hat.

Drittens können nach einem politischen Beschluss alle noch von Inländern in Euro gehaltenen Forderungen und Verbindlichkeiten in Deuro umgestellt werden, um Abwertungsverluste von in Euro denominierten Anlagen zu vermeiden. Dabei müssten über Steuern und Gutschriften inländische Gewinner, die nach Umstellung mehr Deuro-Anlagen als Verbindlichkeiten haben, die Verlierer, die mehr Deuro-Verpflichtungen als Anlagen haben, kompensieren.

Für Deutschland insgesamt würde dabei kein Verlust gegenüber dem Ausland entstehen, da in Euro denominierte Auslandsforderungen etwa den Verpflichtungen entsprechen. Dies mag angesichts hoher Bestände an Staatsanleihen der Euroländer bei deutschen Banken und Versicherungen und der Target-Forderungen der Bundesbank auf den ersten Blick erstaunlich erscheinen. Doch stehen den Forderungen hohe Bestände an deutschen Staatsanleihen in Händen ausländischer Investoren gegenüber. Ausländer haben deutsche Anleihen in der Annahme gekauft, eine Option auf die Umstellung in eine neue Währung zu erwerben. Wenn der Euro aber weiter bestünde, wäre diese Option gegenstandslos. Wenn der für die Währungsumstellung notwendige Lastenausgleich zwischen Inländern über das Steuersystem stattfände, könnten ausländische Investoren keine Diskriminierung geltend machen. Kein Wunder also, dass ausländische Investoren irritiert reagieren, wenn man die Möglichkeit anspricht, dass ihre deutschen Staatsanleihen nicht in eine neue deutsche Währung überführt werden könnten.

Quelle: F.A.S.

 
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