19.07.2005 · Ein korrupter Vorstand, und keiner merkt es? In der Korruptionsaffäre von Infineon rückt auch Aufsichtsratschef Kley in den Blickpunkt.
Von Joachim HerrEin korrupter Vorstand, und keiner merkt es? Aufsichtsräte, besonders der Vorsitzende, machen in Skandalen keine glückliche Figur. Noch gilt für Andreas von Zitzewitz, den am Wochenende nach einer Großrazzia zurückgetretenen Vorstand von Infineon, bis zu einer möglichen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Doch auch Max Dietrich Kley, seit drei Jahren Aufsichtsratschef des Münchner Halbleiterherstellers, rückt in der Affäre um Untreue und Bestechlichkeit in den Blickpunkt. Schon im März 2004 soll ihn Ulrich Schumacher kurz vor dessen Rauswurf als Vorstandsvorsitzender davor gewarnt haben, daß Zitzewitz von der Schweizer Sponsoringagentur BF Consulting unrechtmäßig Geld gefordert und erhalten hat. Angeblich gibt es sogar eine eidesstattliche Versicherung des Geschäftsführers der Agentur.
Kley hat darauf wohl auch reagiert, wie er im November mitteilen ließ, als Gerüchte über Schmiergeldzahlungen an Zitzewitz bekannt wurden. Beweise habe der Präsidialausschuß des Aufsichtsrats in einer gründlichen Prüfung des Vorwurfs der Untreue aber nicht gefunden oder vorgelegt bekommen. Für Kley stand fest: Die Behauptungen sind eine bösartige Verleumdung.
Selbstsicher oder arrogant?
Doch die Staatsanwaltschaft München sieht den Verdacht unrechtmäßiger Zahlungen an Zitzewitz und an Harald Eggers, den früheren Leiter der Speicherchipsparte, inzwischen bestätigt. Kley, der selbstsicher auftritt, was ihm manche sogar als Arroganz auslegen, dürfte dies nicht kaltlassen. Immerhin prüft auch der Konzern, ob ihm im Zusammenhang mit dem Sportsponsoring ein Schaden entstanden ist.
Die Stellungnahme des 65 Jahre alten Aufsichtsratsvorsitzenden blieb am Tag nach dem turbulenten Wochenende für Infineon knapp: "Wir werden uns zu einem schwebenden Verfahren nicht äußern. Im Interesse des Unternehmens war eine schnelle Entscheidung notwendig." Der zweite Satz deutet darauf hin, daß Kley und wohl auch Vorstandschef Wolfgang Ziebart Zitzewitz keine andere Wahl als den raschen Rücktritt ließen.
Schon manche schwierige Phase
Kley, bis vor zwei Jahren Finanzvorstand der BASF, hat beim größten europäischen Halbleiterkonzern schon manche schwierige Phase erlebt. Da war im März 2004 der überraschende Abgang Schumachers nach einer Revolte der anderen Vorstände, darunter Zitzewitz. Manche Beobachter sahen dahinter eine Intrige der früheren Muttergesellschaft Siemens sowie der IG Metall und Kley in der Rolle des Erfüllungsgehilfen. Nachdem die Entscheidung gegen den egozentrischen Vorstandschef gefallen war, stellte sich Kley selbst für fünf Monate - und für eine Vergütung von einer halben Million Euro - an die Spitze von Infineon, bis Ziebart als Nachfolger von Continental zu dem Münchner Konzern wechseln konnte. Die lange Aufgabenliste, die Ziebart abarbeiten muß, deutet darauf hin, daß in Kleys Interimsphase das Unternehmen kaum vorangekommen ist. Ein Fachmann für die Halbleiterindustrie ist der Finanzexperte nun einmal nicht.
Den Unmut von Aktionärsschützern zog Infineon Ende 2004 mit der Idee auf sich, Aktionäre zum Schadensersatz zu verpflichten, wenn sie ihre Treuepflicht gegenüber dem Unternehmen verletzen sollten. Angeblich war es eine Überlegung Kleys, der Mitglied der Cromme-Kommission und Präsident des Deutschen Aktieninstituts ist. Nach heftigen Protesten der Schutzgruppen der Kleinaktionäre schwächte Infineon den Plan ab. Die Hauptversammlung im Januar verlief dennoch turbulent. Kley mußte sich den Vorwurf anhören, den Filz der Deutschland AG mit der Zusammensetzung des Aufsichtsrats zu fördern. "Ich will hier kein Kley-Küchenkabinett", schimpfte ein erboster Aktionär. Berechtigt war die Kritik an der Präsenz mancher Aufsichtsratsmitglieder. So mußte Kley im vergangenen Geschäftsjahr in vier von sieben Sitzungen auf Audi-Chef Martin Winterkorn verzichten. Auch das wirft angesichts der Beschuldigungen gegen Zitzewitz und Eggers ein schlechtes Licht auf die Kontrolleure des Halbleiterkonzerns.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.738,47 | +0,68% |
| FAZ-INDEX | 1.504,02 | +0,59% |
| TecDAX | 775,33 | +0,71% |
| MDAX | 10.290,00 | +0,40% |
| SDAX | 5.011,74 | +0,53% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.491,54 | +0,43% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,48 | +0,59% |
| Dow Jones | 12.874,00 | +0,57% |
| Nasdaq 100 | 2.569,49 | +0,87% |
| S&P500 | 1.351,77 | +0,68% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3170 | −0,52% |
| Rohöl Brent Crude | 117,64 $ | −0,22% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,32 € | −0,22% |