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Maut Lkw-Maut gestartet - die Bewährungsprobe steht noch aus

 ·  Nach 16 Monaten Verzögerung ist die Lkw-Maut ohne nennenswerte Probleme gestartet: Der Betrieb rollt, erste Mautpreller wurden erfaßt. Nach dem Fahrverbot an den Feiertagen geht es am Sonntag abend richtig los.

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Die Lkw-Maut auf den deutschen Autobahnen ist nach einer langen Pannenserie mit 16 Monaten Verspätung, aber vorerst ohne weitere Probleme gestartet. Das satellitengestützte Maut-System ging mit Beginn des neuen Jahres in Betrieb.

Nach den zahlreichen Hindernissen in der Entwicklungsphase gab es am ersten Tag keinerlei Schwierigkeiten, teilten Bundesverkehrsministerium und Betreiberkonsortium Toll Collect übereinstimmend mit. Allerdings waren wegen des Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen nur wenige Lastwagen unterwegs. Die erste Bewährungsprobe kommt in der Nacht zum Montag.

Erste Maut-Preller gestellt

Auf den deutschen Autobahnen ist nun für alle Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als zwölf Tonnen das Gratis-Zeitalter zu Ende. Pro Kilometer werden durchschnittlich 12,4 Cent fällig - für die rund 800 Kilometer zwischen Hamburg und München bedeutet dies beispielsweise knapp 100 Euro. Die Kontrolle erfolgt über 300 Brücken mit Infrarot- Sensoren sowie über mobile Kontroll-Teams.

Nach Angaben des Ministeriums wurden in den ersten Stunden bereits mehr als 200 Mautsünder erfaßt, die in der Regel nun 75 Euro Bußgeld bezahlen müssen. Der erste Mautpreller wurde bereits um 00.08 Uhr registriert. Insgesamt habe man am ersten Tag etwas mehr als eine Million Euro durch die Maut eingenommen.

Am Sonntag abend geht es wirklich los

Das Ministerium und Toll Collect zeigten sich zufrieden mit dem Auftakt. „Der Start ist gelungen“, sagte Toll-Collect-Sprecher Harald Lindlar. Allerdings hatte kurz zuvor nochmals eine Panne für Aufregung gesorgt: Wegen eines technischen Fehlers konnten am Freitag mehrere Stunden lang keine Strecken übers Internet gebucht werden. Das Problem wurde aber noch rechtzeitig behoben.

Der erste Belastungstest steht am Sonntag abend um 22.00 Uhr an, wenn das Fahrverbot aufgehoben wird. Vor allem an den Grenzen zu Frankreich, Polen und Österreich werden lange Staus befürchtet. Bislang ist nur eine Minderheit der ausländischen Lastwagen, die in Deutschland unterwegs sind, mit automatischen Erfassungsgeräten ausgestattet. Alle anderen Lkw müssen übers Internet oder an einem der bundesweit 3.700 Kassenautomaten eingebucht werden.

Ziel bei den On-Board-Units verfehlt

Um ein Chaos zu verhindern, hat Toll Collect mehr als 5.000 zusätzliche Helfer eingestellt. Auch Polizei und Bundesgrenzschutz sind im Sondereinsatz. Insgesamt wurden nach Angaben des Betreiberkonsortiums bislang rund 315.000 so genannte On-Board Units (OBUs) eingebaut. Ursprüngliches Ziel war, mit mindestens 500.000 OBUs starten zu können.

Die Bundesregierung erhofft sich durch die Straßennutzungsgebühr im ersten Jahr Einnahmen von rund drei Milliarden Euro. Das Verkehrsministerium sprach vom „weltweit modernsten und innovativsten Mautsystem“. Allerdings war der Einführung eine Reihe von Pannen vorausgegangen, die den Start um mehr als ein Jahr verzögerte. Der Bund verlangt vom Konsortium um Daimler-Chrysler und Telekom deshalb mehr als 4,5 Milliarden Euro Strafe und Schadenersatz. Entscheiden soll ein Schiedsgericht.

Wegen der schwierigen Vorgeschichte ist zunächst nur eine einfache Version des Systems in Betrieb. Die zweite Stufe soll Anfang 2006 folgen. Bei einem erfolgreichen Start in Deutschland wollen Daimler-Chrysler und Telekom das weltweit einmalige System ins Ausland verkaufen. Interesse gibt es beispielsweise aus Großbritannien, Tschechien und den Niederlanden. Der neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, bezeichnete das System bereits als „neuen Exportschlager“.

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