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„Masterplan“ mit Hilfe deutscher Wissenschaftler : Nordkorea bereitet baldige Öffnung der Wirtschaft vor

Arbeitskraft billig, Technologie veraltet: Arbeiterinnen in einer nordkoreanischen Seidenspinnerei Bild: REUTERS

Das kommunistische nordkoreanische Regime hat offenbar schon konkrete Pläne für eine wirtschaftliche Öffnung des Landes für ausländische Investoren. Nach Informationen der F.A.Z. wird Pjöngjang dabei von deutschen Ökonomen und Juristen beraten.

          Nordkorea plant eine wirtschaftliche Öffnung des Landes für ausländische Investoren. Nach Informationen der F.A.Z. wird das kommunistische Land dabei diskret von deutschen Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen beraten. „Es gibt einen Masterplan“, sagte einer an den Beratungen beteiligten Wissenschaftler dieser Zeitung. „Die wollen die Öffnung noch in diesem Jahr.“

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Interesse zeigt das verarmte und abgeschottete Land vor allem an einer modernen Investitionsgesetzgebung. Für die Öffnung wird aber offenbar nicht primär das chinesische Modell mit Sonderwirtschaftszonen für ausländische Investoren kopiert. „Vielmehr sind sie an der vietnamesische Blaupause interessiert, wo gezielt Unternehmen für Investitionen ausgewählt werden“, sagte der Wissenschaftler, der an einer renommierten deutschen Universität lehrt.

          Bild: F.A.Z.

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hatte zu Neujahr eine „radikale Wende“ der Politik seines Landes angekündigt und dabei von einer möglichen Wiedervereinigung mit dem Süden gesprochen. Der junge Diktator, der nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-il Ende 2011 die Macht übernommen hat, kündigte ebenfalls an, dass 2013 ein „radikales Umsteuern“ in der Wirtschaftspolitik bringen werde, um das Land zu einem „wirtschaftlichen Riesen“ zu machen. Die Landwirtschaft und Leichtindustrie stünden dabei im Zentrum. Sollten sich die Reformer durchsetzen, könnten aber auch ausländische, nicht-chinesische Investoren einen Zugang bekommen. Bislang gibt es die Wirtschaftssonderzone Rason an der nordöstlichen Grenze zu China. Der Onkel des Diktators, Jang Song-taek, den Beobachter wie die Tante als „Graue Eminenzen“ sehen, hat mit den Chinesen im Herbst über die Einrichtung zweier weiterer Sonderzonen auf Inseln im Westen des Landes verhandelt, wo aber bislang noch wenig geschehen ist.

          Streit um Reise des Google-Verwaltungsratschefs

          Unterdessen hat das amerikanische Außenministerium eine geplante Reise des Google-Verwaltungsratschefs Eric Schmidt und des früheren Gouverneurs Bill Richardson nach Nordkorea kritisiert. Der gewählte Zeitpunkt sei nicht „besonders hilfreich“. Schmidt und Richardson wüssten, dass die Regierung ihre Pläne ablehne. Nach Angaben des Senders CNN wollten die beiden zu einer „privaten humanitären Mission“ aufbrechen. Hauptziel sei es, die Freilassung eines Amerikaners zu erreichen.

          Nordkorea ist international isoliert. Von einem „wirtschaftlichen Riesen“ ist das Land weit entfernt, vielmehr ist es völlig verarmt. Wiederholt gab es Hungersnöte, die Stromversorgung fällt häufig aus. Das Land sei technologisch auf dem Stand vor etwa fünfzig Jahren stehengeblieben und habe eine „völlig verrottete produzierende Wirtschaft“, sagte ein deutscher Ökonom, der das Land mehrfach besucht hat. Fachleute schätzen das nordkoreanische Produktivitätsniveau auf nur etwa 5Prozent des südkoreanischen Niveaus. In der Industrie und der Landwirtschaft werden völlig veraltete Techniken angewandt, zudem gibt es Hunderttausende von Zwangsarbeitern in Umerziehungslagern, die etwa Straßen bauen oder Felder bestellen.

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          Einzig der Militärsektor ist vergleichsweise modern und wird durch enorme Investitionen unterstützt. „Militär zuerst“ lautet die politische Devise. „Das Militär kontrolliert die Wirtschaft, und es bereichert sich dabei“, sagt ein Beobachter. Im militärischen Bezirk im Zentrum Pjöngjangs, der für die normale Bevölkerung nicht so einfach zugänglich ist, gibt es bessere Wohnungen, Militärangehörige fahren japanische oder westliche Autos, etwa von Mercedes, und können in speziellen Läden westliche Importwaren kaufen. In einem speziellen chinesisch-koreanischen Kaufhaus werden etwa Flachbildfernsehschirme angeboten.

          Seit einiger Zeit gibt es zaghafte Ansätze für wirtschaftliche Reformen, in begrenzten Bereichen wird kleine unternehmerische Initiative geduldet. Während der Hungersnöte der neunziger haben sich einfache Märkte gebildet, auf denen die Bevölkerung Obst und Gemüse handelte, inzwischen gibt es dort ein breiteres Angebot auch von günstiger Kleidung und Elektronikwaren. Größere Unternehmen dürfen aber immer noch nicht in privater Initiative geführt sein.

          Bislang wirbt Nordkorea vor allem um chinesische Investoren. Diese sind besonders an den riesigen Rohstoffvorkommen des Landes interessiert. Nicht nur gibt es Edelmetalle, sondern auch Seltene Erden in Nordkorea. Zum Teil werden die Rohstoffe schon ausgebeutet und nach China exportiert, doch vermuten Fachleute noch ein gewaltiges unerschlossenes Potential. Auch in der Produktion gäbe es angesichts der massenhaft verfügbaren billigen Arbeitskräfte Möglichkeiten, wenn sich ausländische Investoren fänden.

          Es gibt in Pjöngjang politische Kräfte, die das Land auch für japanische, südkoreanische und westliche Unternehmen öffnen wollen. Der Leiter der nordkoreanischen Joint Venture und Investment Commission ist bemüht, Know how zu gewinnen und hat dafür auch in Deutschland Kontakte geknüpft. „Das Militär in Nordkorea wird aber die Kontrolle nicht abgeben wollen“ sagte der deutsche Wirtschaftswissenschaftler, „daher ist überhaupt nicht ausgemacht, dass die Reformansätze durchkommen.“

          Quelle: F.A.Z.

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