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Masterplan 2020 : Medizinstudenten müssen nah an den Patienten und raus aufs Land

Medizinstudenten im praktischen Jahr trainieren unter Anleitung die Erst-Behandlung eines Notfall-Patienten an der Universitätsklinik in Mainz. Bild: Helmut Fricke

Das Medizinstudium wird reformiert: Die Abiturnote soll bei der Vergabe nicht mehr so wichtig sein, der Praxisbezug steigen und eine Landarztquote eingeführt werden. Und es ändert sich noch mehr.

          Bund und Länder haben sich auf einen gemeinsamen Vorschlag zur Reform des Medizinstudiums geeinigt. Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ sieht vor allem eine Stärkung der allgemeinärztlichen Ausbildung vor. Auch soll die Abiturnote künftig eine weniger große Bedeutung bei der Zuweisung der knappen Studienplätze bekommen. Auf die von der Ärzteschaft verlangte Ausweitung der Studienplätze um zehn Prozent oder etwa 1000 Plätze konnten sich die Gesundheits- und Wissenschaftsminister aus Kostengründen nicht einigen. Überdies steht der Plan unter einem einschränkenden „Haushaltvorbehalt“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), sagte, mehr Praxisbezug und eine Stärkung der Allgemeinmedizin seien gerade mit Blick auf die Versorgung im ländlichen Raum von Bedeutung. Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) hob hervor, dass das Studium mehr Praxisbezug bekomme. Lob kam auch aus den Koalitionsfraktionen Union und SPD.

          Allgemeinmedizin wird prüfungsrelevant

          Kern der Reform wird die Stärkung der allgemeinmedizinischen Ausbildung. Hausärzte gelten in der älter werdenden Gesellschaft als unverzichtbar in der Versorgung und Steuerung des Gesundheitswesens. Allerdings wurde darauf bisher in der Ausbildung wenig Wert gelegt, auch sind Fachärzte oft besser angesehen. Das soll sich ändern.

          Allgemeinmedizin wird künftig für die Medizinstudenten prüfungsrelevant. Die praktische Ausbildung am Ende des Studiums, das „Praktische Jahr“, muss zu einem Viertel in einer Kassenarztpraxis absolviert werden. Zuvor sollen Studierende durch Hospitationen in allgemeinmedizinischen Praxen, bevorzugt auf dem Land, Erfahrung in der Hausarzttätigkeit gewinnen. Universitäten müssen mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin einrichten, sieht die Einigung vor.

          Ferner soll es mehr und bessere Informationen über die Arbeit als Arzt auf dem Land geben. Drohende Versorgungslücken in dünnbesiedelten Gebieten sorgen die Politik schon länger. Auch hier geht es in erster Linie um Allgemeinmediziner. Universitäten sollen Lehrkrankenhäuser im „ländlichen Raum“ dauerhaft einbeziehen, damit die Studierenden nicht an Großstädte gebunden werden.

          Zweifel am Sinn der Landarztquote

          Universitäten sollen bis zu zehn Prozent der Studienplätze vorab jenen Bewerbern geben, die zusagen, nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung bis zu zehn Jahre als Landarzt zu praktizieren. Wie ernst den Beteiligten das ist, unterstreicht der Hinweis, dies möge „unverzüglich“ geschehen. Mediziner bezweifeln indes den Sinn der „Landarztquote“. Abiturienten könnten kaum vor Beginn des Studiums solch weitreichende Festlegungen treffen.

          Allgemeinmedizin wird künftig für die Medizinstudenten prüfungsrelevant.

          Die Zulassungskriterien zum Studium werden ebenfalls verändert. Seit Jahren wird darüber gestritten, ob die Abiturnote das richtige Auswahlkriterium für das Medizinstudium ist. Im Masterplan wird zwar auf den Zusammenhang zwischen Abiturnote und Studienerfolg hingewiesen, doch sei dies kein Beleg für die „Eignung und Bereitschaft“ einer späteren Tätigkeit in der Patientenversorgung. Deshalb sollen neben der Abiturnote, deren herausragende Rolle bestehen bleibt, weitere Kriterien von den Universitäten bei der Auswahl berücksichtigt werden. Dazu gehören soziale und kommunikative Fähigkeiten oder Berufserfahrungen.

          Werden Forderung und Verbesserungsvorschläge intensiv besprochen, so bleibt das zwölfseitige Papier karg bei den Vorschläge zur Finanzierung oder dem Ausbau der Studienplätze. „Der Masterplan verzichtet zum gegenwärtigen Zeitpunkt darauf, die Forderung nach einer generellen Erhöhung der Studienplatzkapazität aufzugreifen.“ Auch solle der neue Plan „möglichst mit den gegebenen Mitteln und Ressourcen“ umgesetzt werden.

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