http://www.faz.net/-gqe-73raj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 20.10.2012, 20:59 Uhr

Maschinen machen Deutschland krisenfest Die Industrie ist wieder da

Deutschland erlebt eine Reindustrialisierung - und ist damit gut durch die Krise gekommen. Der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung konnte gehalten und zuletzt sogar gesteigert werden, so eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums.

© dapd „Wir haben weiter, wie wir das gut können, Waschmaschinen, Schrauben, Dübel, Maschinen und Autos gebaut - mit großem Erfolg.“

Deutschlands Industrie erlebt ein Comeback. Das geht aus einer Studie für das Bundeswirtschaftsministerium hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wird. Demnach hat Deutschland den Anteil der Industrie an der Wertschöpfung in den vergangenen 15 Jahren gehalten und zuletzt sogar gesteigert. Deutschland erlebt also eine Reindustrialisierung - auf hohem Niveau. Im Jahr 2011 lag der Industrieanteil bei rund 23 Prozent. Andere EU-Staaten hatten weniger: Italien zuletzt 16 Prozent, Spanien 13 Prozent, Frankreich und Großbritannien nur etwa 10 Prozent.

Die starke Industrie hat dazu geführt, dass Deutschland besonders gut durch die Krise gekommen ist. Davon sind die Studienverfasser vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln überzeugt. Getragen worden sei die Erholung besonders vom Export. „Zudem sind die Standortbedingungen für die Industrie hierzulande als gut bis sehr gut zu beurteilen“, sagte Karl Lichtblau vom IW Köln der F.A.S. Unter 45 untersuchten Ländern steht Deutschland auf dem fünften Rang.

Vor diesem Hintergrund plädieren SPD und Gewerkschaften für einen Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik der Europäischen Union. Notwendig sei ein Wachstum, das wieder auf reale Werte statt auf fiktive Finanzvermögen setze, heißt es in einem am Samstag in Berlin vorgestellten Memorandum. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück forderte zudem: „Wir brauchen in der Industriepolitik eine stärkere Koordinierung in Europa.“ Davon hänge der künftige Wohlstand des ganzen Kontinents ab.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte: „Deutschland steht im Augenblick aus mehreren Gründen wie Alice im Wunderland da.“ Einer der Gründe sei, dass die Deutschen einen hohen Anteil von Industrieunternehmen gehalten hätten. Deutschland sei den Ratschlägen, eine Dienstleistungsgesellschaft zu werden, ausdrücklich nicht gefolgt, sagte Steinmeier. „Wir haben weiter, wie wir das gut können, Waschmaschinen, Schrauben, Dübel, Maschinen und Autos gebaut - mit großem Erfolg.“

Gewerkschaften fordern mehr Geld

Für Arbeitgeber wie Gewerkschaften kommt dieses Lob der Industrie zur rechten Zeit. Denn sie fordern Unterstützung vom Staat wegen der schwächelnden Auftragslage in Teilen der Branche. Den Spitzen der Tarifparteien geht es insbesondere darum, die Krisenregelung für Kurzarbeit, eingeführt nach dem Lehman-Kollaps, wiederzubeleben. Rainer Dulger, seit September Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, schlägt eine sofortige Ausweitung des Kurzarbeitergelds auf bis zu zwei Jahre vor. Auf diese Weise könnten Arbeitsplätze gesichert und Deutschland krisenfester gemacht werden, sagte Dulger am Samstag. IG-Metall-Chef Berthold Huber forderte, dass auch Leiharbeiter besser mit Kurzarbeitergeld versorgt werden sollten.

Noch ist die gemeldete Kurzarbeit weit entfernt von den Werten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Erste Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung kommen vor allem aus der Automobilindustrie und ihren Zulieferern.

Eine Abwrackprämie, wie von der Großen Koalition einst beschlossen, steht nicht im Forderungskatalog der Tarifpartner. „Eine erneute Abwrackprämie würde ins Leere laufen“, sagte Gesamtmetall-Präsident Dulger. Außerdem sei fraglich, wie dies finanziert werden sollte. IG-Metall-Chef Huber empfiehlt vielmehr staatliche Programme zur energieeffizienten Sanierung von Häusern und Anreize für den Kauf fortschrittlicher Haushaltsgeräte. Dies liefe in Richtung einer Abwrackprämie für Kühlschränke, wie sie von Vertretern der einschlägigen Industrie in der Finanzkrise ins Spiel gebracht worden war.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.S./lika./mec.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kampf gegen den IS Geberkonferenz sagt Irak mehr als zwei Milliarden Dollar zu

Die Außen- und Verteidigungsminister aus 24 Staaten haben weitere Schritte gegen den Islamischen Staat beschlossen. Eine Offensive im Irak steht offenbar kurz bevor. Mehr

21.07.2016, 03:47 Uhr | Politik
Frankfurter Anthologie Karoline von Günderode: Die eine Klage

Die eine Klage von Karoline von Günderode, gelesen von Thomas Huber. Mehr

22.07.2016, 17:12 Uhr | Feuilleton
Nachfrageprobleme Boeing schreibt Milliarden Dollar ab

Der Jumbo-Jet verkauft sich schlecht. Boeing muss Milliarden abschreiben – auch wegen Problemen mit anderen Flugzeugen. Mehr

22.07.2016, 07:15 Uhr | Wirtschaft
Die Roboter kommen Industrie 4.0 verändert die Arbeitswelt

Die Automatisierung hält weiterhin Einzug in die Industrie. So kommen auch immer mehr Roboter zum Einsatz, die Produktionsabläufe optimieren und gleichzeitig die Arbeitswelt verändern. Robotik und Automatisierung ist ein großes Thema in der Industrie 4.0. Hochschulen und Unternehmen forschen deshalb an immer neueren Technologien. Mehr

21.07.2016, 12:00 Uhr | Wirtschaft
Reaktionen auf Amoklauf Seehofer: Müssen alles für Verteidigung der Sicherheit tun

Der Amoklauf von München hat auf der ganzen Welt für Erschütterung gesorgt. Amerika und Frankreich haben Deutschland ihre Unterstützung zugesichert. In Berlin will am Samstag das Sicherheitskabinett zusammenkommen. Mehr

23.07.2016, 08:59 Uhr | Politik

Das blaue Dieselgespenst

Von Holger Appel

Einfahrverbote in Städte helfen nicht dabei, die Luftqualität zu verbessern. Sinnvolle Effekte brächten Taxis, Busse und Behörden. Warum die blaue Plakette schleunigst vertrieben gehört. Mehr 57 76

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Das Leben als Schuldner

Ein eigenes Haus oder eine Wohnung kosten viel Geld. Manche übernehmen sich dabei. Wie viele Menschen sind in welchem Alter insolvent? Mehr 0