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Martin Kannegiesser „Drei Jahre Kurzarbeit kann sich keiner leisten“

28.09.2009 ·  Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erwartet trotz Kurzarbeit keine Entlassungswelle - zum Jahresende könnte jedoch der Zuwachs der Aufschwungjahre aufgebraucht sein, befürchtet er. Die Altersteilzeit sei jedoch keine Lösung für die Branche.

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Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erwartet trotz Kurzarbeit keine Entlassungswelle - zum Jahresende könnte jedoch der Zuwachs der Aufschwungjahre aufgebraucht sein, befürchtet er. Die Altersteilzeit sei jedoch keine Lösung für die Branche.

Herr Kannegiesser, ist jetzt, nach der Wahl, die Schonfrist für die Arbeitsplätze abgelaufen?

Eine große Entlassungswelle erwarte ich nicht - auch weil unsere Unternehmen weiter alles tun, um ihre Stammbelegschaften zu halten. Noch haben wir von den 240.000 im Aufschwung geschaffenen Jobs fast 100.000 durch die Krise gerettet. Sofern uns die Bankenkrise nicht noch Überraschungen beschert, rechne ich damit, dass sich das Tempo des Abbaus nicht beschleunigen wird, dass wir also auch in den kommenden Monaten jeweils nur etwa 20.000 Stellen verlieren werden. Damit könnte allerdings rein rechnerisch etwa zum Jahreswechsel der Zuwachs der Aufschwungjahre aufgebraucht sein.

Welche Regionen in Deutschland sind besonders betroffen?

Unter der Krise leiden ganz besonders die Autoländer mit Baden-Württemberg an erster Stelle. Doch auch in Nordrhein-Westfalen, wo viele Zulieferbetriebe sitzen, und bei den Werften an der Küste sieht es alles andere als rosig aus.

Das Kurzarbeitergeld hat bislang als Puffer gewirkt. Sollte es über die Dauer von 24 Monaten hinaus verlängert werden?

Das würde den meisten Firmen kaum helfen. Wer Kurzarbeit beantragt hat, weil die Aufträge ausblieben, und auch nach zwei Jahren noch keine grundlegende Wende zum Besseren sieht, kommt gar nicht umhin, auch seine Belegschaften zu verkleinern. Drei Jahre Kurzarbeit zu finanzieren kann sich kaum ein Betrieb leisten. Wenn er überhaupt noch Reserven hat, braucht er diese, um in neue Produkte und Märkte zu investieren.

Und die Altersteilzeit? Sollte die weiter gefördert werden?

Nein. Wir haben im vorigen Sommer einen Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente geschlossen, der bewusst auf öffentliche Zuschüsse verzichtet. Eine Rückkehr zur Frühverrentung können wir uns aus finanziellen und personalpolitischen Gründen nicht leisten. Eine schrumpfende Gesellschaft muss die erfahrenen Älteren länger im Beruf halten, um ihren Lebensstandard zu sichern.

Die Zeitarbeit ist in Verruf geraten, weil hier kräftig und zuerst gestrichen wird. Wird sie im nächsten Beschäftigungsaufschwung wieder ihren Platz finden?

Unsere Strategie der Arbeitsplatzsicherung - nur 4 Prozent weniger Stellen bei 26 Prozent weniger Produktion - hat uns eine riesige Beschäftigungsreserve von umgerechnet etwa 300 000 Vollzeitstellen beschert. Ein gutes Stück des Aufschwungs könnten wir also mit unseren vorhandenen Arbeitskräften stemmen, bevor wir wieder Personal aufbauen. Solange die Wirtschaftslage unsicher ist, werden die Unternehmen ergänzend vor allem auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen. Wichtig ist deshalb, dass den Betrieben dieser Flexibilitätspuffer erhalten bleibt, der vor allem Arbeitslosen einen ersten Einstieg in Arbeit ermöglicht.

Die Fragen stellte Holger Appel.

Quelle: F.A.Z.
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