13.12.2004 · Die deutschen Wirtschaftswerber setzen darauf, daß vom Glanz der Fußball-WM 2006 einiges auf den Standort abstrahlt: Wie Klinsmann & Co. für die Investoren-Werbung eingespannt werden.
Von Andreas MihmNicht nur die Bundesregierung will im Wahljahr 2006 ihr Image mit Hilfe der Fußballweltmeisterschaft und des "1. FC Deutschland 2006" heben. Auch die deutschen Wirtschaftswerber setzen darauf, daß vom Glanz des sportlichen Großereignisses einiges auf den Standort abstrahlt. Für die bundeseigene Gesellschaft Invest in Germany ist Fußball schon heute ein Faktor mit unverzichtbarer Werbekraft.
Bevor Bundestrainer Jürgen Klinsmann und seine Nationalkicker am Montag zu ihrer Asien-Reise nach Japan, Korea und Thailand aufbrachen, hatten die Leute von Invest in Germany denn auch schon allerlei Treffen mit potentiellen lokalen Investoren drum herum organisiert. In Tokio ist beispielsweise ein Vorstand des Sportartikelherstellers Adidas mit von der Partie und auch renommierte Naturwissenschaftler. Sie sollen in Fernost eine Brücke vom deutschen Fußball zur deutschen Hochtechnologie schlagen.
Rheinische Gastlichkeit
Fußball - leidenschaftlich, kampfbetont, erfolgsorientiert und klassenübergreifend - ist gut fürs Geschäft, zumindest für die Beziehungspflege von Manager zu Manager. Die Einladung ins Stadion ist für viele Industrieunternehmen längst zur guten Gewohnheit geworden und beschert den Fußballclubs lukrative Einnahmen mit teuren "Business Lounges". Den kurzen Umweg über das Stadion zum Geschäftlichen haben auch die deutschen Wirtschaftswerber eingeschlagen.
Als die brasilianische Nationalmannschaft im September im Berliner Olympiastadion auflief (und es mit einem 1:1-Unentschieden wieder verließ), hatten die Experten von Invest in Germany lateinamerikanischen Unternehmern und Investoren schon die Vorzüge des Standortes erläutert. Betriebsbesichtigungen ergänzten Flip-Charts und Power-Point-Präsentationen. Wenn Anfang Juni die russische Fußballnationalmannschaft im Mönchengladbacher Borussia-Park zum Freundschaftsspiel antritt, sollen russische Unternehmer nicht nur von den deutschen Fähigkeiten im Balltreten überzeugt und mit rheinischer Gastlichkeit gewonnen, sondern auch zu Investitionen angeregt werden. Organisiert wird das von Invest in Germany. Die GmbH ist eine überschaubare Veranstaltung. Mit 5,5 Millionen Euro aus dem Haushalt des Wirtschaftsministers fällt das Budget 2005 für eine der weltgrößten Industrienationen vergleichsweise bescheiden aus, ebenso die Zahl von einem Dutzend Mitarbeitern. Immerhin steht ihnen für die kommenden vier Jahre ein zusätzliches Werbebudget von je 3 Millionen Euro zur Verfügung.
Die Tür ins Land
Auch hegen die Berliner die Hoffnung, daß von den Millionen, die die Industrie für die WM-Kampagne der Regierung mit dem "1. FC Deutschland 06" springen läßt, zumindest ein Teil für die Auslandswerbung genutzt wird. Bis zur WM stockt Invest in Germany die Mitarbeiterzahl auf 20 auf. Ausgeweitet wurden bereits die Auslandsaktivitäten der Werber: Nach New York gibt es jetzt auch in Chicago und San Francisco eigene Büros, Tokio und Schanghai sollen bald folgen. Sie sind Ansprechpartner vor Ort, bahnen Kontakte an, beschaffen Informationen, besuchen Messen und Ausstellungen, zuweilen gemeinsam mit Vertretern der Länder.
Bis zum Ende der neunziger Jahre betrieb der Bund überhaupt keine internationale Standortwerbung. Das Geschäft organisierten die Länder in Konkurrenz zueinander alleine. Auch heute will Invest in Germany nur die Tür ins Land öffnen. Bund und ostdeutsche Länder unterhalten daneben eine eigene Investitionsagentur. Auch sie dient vor allem der Kontaktanbahnung. Konkrete Vereinbarungen treffen die Investoren dann mit den Ländern. An der Philosophie der Auslandswerber hat sich seit 1998 wenig geändert. Damals hatte sich der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, von Kanzler Helmut Kohl überzeugen lassen, seine Kontakte als "Beauftragter der Bundesregierung für Auslandsinvestitionen" und damit auch für das Land einzusetzen. Kopper tat das bis Mitte 2003.
Seither gibt es gleich drei, nun von Kanzler Gerhard Schröder ernannte Beauftragte für Auslandsinvestitionen, die ihre in langen Managerjahren gewonnenen Kontakte gewinnbringend, aber honorarfrei für den Standort Deutschland einsetzen wollen: (Noch-)Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer für die Region Asien, der Vorsitzende des Lufthansa-Aufsichtsrates, Jürgen Weber, für Amerika und der frühere Daimler-Benz-Vorstand und Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, für Europa. Fußball finden die drei Herren übrigens auch ganz toll.
"Invest-in" allerorten
Invest-in-Agenturen gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Als Vorbild wird oft Invest in Britain genannt, die mittlerweile UK Trade & Investment heißt. Die jüngsten Aktionen kommen aus Frankreich und Italien.
Unter dem Motto "The New France. Where the smart money goes" versucht Frankreich seit Anfang Dezember, mit Klischees aufzuräumen, wie die Invest in France Agency hervorhebt. Eine dreijährige Werbekampagne mit einem Budget von 10 Millionen Euro soll die Ansiedlungsbemühungen unterstützen.
Frankreich nutzt Werbepartner wie den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer und stellt 50 Maßnahmen zur Förderung von Unternehmensaktivitäten (zum Beispiel Gewerbesteuerbefreiung, Exzellenzzentren, vereinfachte Einbürgerung von Führungskräften, Austauschprogramme zwischen Universitäten) vor.
Auch Italien wird zum Jahresende aktiv und bemüht sich um neue Unternehmen. Mit Invest in Italy werde versucht, den Rückstand bei Direktinvestitionen zu verkleinern, die oft negative Wahrnehmung Italiens im Ausland zu entkräften und die Reformen in den Vordergrund zu rücken. (hap.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.381,78 | −0,89% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2459 | −0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 105,91 $ | −0,88% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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