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Marketing Die wachsende Macht der Konsumenten

17.10.2004 ·  "Von der Produzenten-Autokratie zur Konsumenten-Demokratie"

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Die breite Masse greift nach der Macht - was dem Sozialismus nicht gelang, das sieht Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro in der Zukunft des Kapitalismus verwirklicht. Allerdings prognostiziert er natürlich nicht die Machtergreifung durch die Arbeiterschaft, sondern durch die Bürger in ihrer Rolle als Konsumenten. "Die Gesellschaft entwickelt sich von einer Produzenten-Autokratie hin zu einer Konsumenten-Demokratie", skizzierte er anläßlich des "Entdeckerkongresses" des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) die sich wandelnde Industriekultur. "Freiheit ist künftig da, wo die Mehrheit ist." Antriebskraft dieser Entwicklung sei zunächst die Erosion der klassischen, sozial definierten Solidargemeinschaft und ein schwindendes Vertrauen in den Staat und seine Institutionen. Der einzelne Bürger bewerte sein Leben zunehmend ökonomisch und begreife sich als Unternehmer in eigener Sache, auf der Suche nach Verbesserung seiner individuellen Verhältnisse. Dank der digitalisierten und vernetzten Technik entwickle sich die bisher vorwiegend politisch definierte Demokratie zu einer Konsumenten-Demokratie. "Die Rivalität der Verbraucher im Kampf um den eigenen Vorteil weicht einer neuen Solidarität", prognostiziert der Trendforscher. Zu sehen sei dies beispielsweise im Angebot des Internetbuchhändlers Amazon, wo die von Lesern selbstgeschriebenen Rezensionen eine wichtige Informationsquelle seien. Ein weiteres Beispiel sei die Internetgemeinschaft Tauschring, deren Teilnehmer bargeldlos Dienstleistungen miteinander tauschten.

Doch nicht nur die wachsende Vernetzung der Konsumenten untereinander, sondern auch ein immer engeres Verhältnis zwischen Kunde und Hersteller kennzeichne die Konsumenten-Demokratie, sagte Wippermann. Die Zeiten, in denen die Unternehmen ihre Produkte fern von den Kunden entwickelten, seien vorbei. Statt dessen spielten Kundenbindungsmaßnahmen künftig eine zentrale Rolle: Manche Unternehmen geben bereits die Hälfte ihrer Marketingbudgets für CRM (Customer Relationship Management) aus. Im Konsumgüterbereich werde die Produktion immer mehr vom Kunden selbst bestimmt - "Prosuming" nennt Wippermann diesen neuen Trend. Zu sehen ist dies beispielsweise bereits bei Turnschuhherstellern, bei denen der Kunde über das Internet unter anderem das Design individuell ("customized") bestimmen kann. (da.)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2004, Nr. 243 / Seite 24
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