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EZB-Geldspritzen : Draghi findet Erholung der Inflation „nicht selbsttragend“

  • Aktualisiert am

Mario Draghi auf dem European Banking Congress Bild: AFP

Der EZB-Präsident Mario Draghi hält starke Geldspritzen der Zentralbank nach wie vor für nötig. Vor allem mit einem „Schlüsselthema“ rechtfertigt er seine Meinung.

          Die Wirtschaft im Euro-Raum ist EZB-Präsident Mario Draghi zufolge noch immer auf erhebliche Hilfe der Europäischen Zentralbank angewiesen. Zwar befinde sich der Währungsraum inmitten einer Phase des solide Konjunkturaufschwungs, sagte Draghi am Freitag in Frankfurt auf dem „European Banking Congress“. Dennoch sei die Inflationsentwicklung weiterhin verhalten. „Wir sind noch nicht an einem Punkt angelangt, an dem die Erholung der Inflation selbsttragend sein kann ohne unsere konjunkturfördernde Geldpolitik“, sagte der Italiener. Die EZB strebt eine Teuerung von knapp zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. Davon ist sie mit einer Rate von 1,4 Prozent im Oktober aber noch weit entfernt.

          „Ein Schlüsselthema hier ist das Lohnwachstum,“ sagte der EZB-Chef. Zwar habe es seit Mitte 2016 zugenommen. Insgesamt sei der Trend aber weiter verhalten und noch nicht wie gewünscht in der Breite angekommen. Auch andere Euro-Hüter hatten zuletzt auf das ungewöhnliche Phänomen hingewiesen, dass trotz deutlich gesunkener Arbeitslosenquoten die Löhne nicht stärker zulegen. Daher hatten sich Notenbanker für stärkeres Lohnwachstum ausgesprochen. Vor Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen.

          „Ein zentraler Motor der Erholung bleiben die sehr günstigen Finanzierungsbedingungen für Firmen und Haushalte, die wiederum stark von unseren geldpolitischen Maßnahmen abhängen“, erläuterte der EZB-Chef. Geduld und Beständigkeit in der Geldpolitik seien weiterhin erforderlich, um mittelfristig das Preisstabilitätsziel zu erreichen. Die Euro-Notenbank verfehlt ihr Ziel hier inzwischen schon seit Frühjahr 2013.

          Anleihekäufe sollen ab Januar halbiert werden

          Die EZB hatte im Oktober angesichts der sich verfestigenden Konjunkturerholung zwar beschlossen, ihre Anleihenkäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro je Monat zu halbieren. Die Transaktionen, die für mehr Wachstum und Preisauftrieb sorgen sollen und momentan die schärfste Waffe der EZB sind, werden dafür aber bis mindestens September 2018 fortgesetzt.

          Das hat Draghi zufolge auch dafür gesorgt, dass an den Märkten nun mit einem späteren Beginn der Zinswende gerechnet werde. „Die Anleihenkäufe spielen auch ein Rolle für die Signale, die sie für den künftigen Pfad der Zinsen geben“, sagte er. Fachleute rechnen erst 2019 mit einer Anhebung von Schlüsselzinsen.

          Die EZB hatte wiederholt in Aussicht gestellt, dass mit Zinserhöhungen erst weit nach dem Ende der Anleihenkäufe zu rechnen ist. Sie hält ihre Leitzinsen schon seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Gelder bei der EZB parken. Der Einlagensatz liegt bei minus 0,4 Prozent.

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