19.05.2008 · Bevor Manuela Moers und ihr Mann sich trennten, lebten sie noch relativ sorgenfrei. Jetzt sind aus einem Haushalt zwei geworden, steuerlich gelten beide wieder als Singles, zusammen verdienen sie weniger als Manuela Moers früher allein.
Fragt man Manuela Moers, wie die letzten Jahre finanziell waren, dann lacht sie, schnaubt und verdreht die Augen: „Ich frage mich, ob wir derzeit überhaupt noch zur Mittelschicht gehören.“ Die 36 Jahre alte Controllerin fühlt sich näher an der Unterschicht, zumindest rein finanziell gesehen.
Hätten sie und ihr Mann Felix, ein promovierter Akademiker, sich nicht getrennt, wäre ihr diese unangenehme Erfahrung wohl erspart geblieben. Über einige Jahre hinweg hatten sie phantastisch verdient. „Wir zählten zu den ,Dinks', den Doppelverdienern ohne Kinder, ließen es uns in Frankfurt richtig gutgehen.“ Sie arbeitete als Controllerin bei einem Finanzdienstleister, 60 Stunden in der Woche, der Job war gut bezahlt. Er verdiente als Forscher an der Hochschule auch nicht schlecht.
Sie zapften das Ersparte an
Dann aber bekamen sie ein Kind. Der Moment war ungünstig. Felix schrieb an seiner Doktorarbeit und hatte nun kein Einkommen mehr. Manuela blieb ein Jahr mit dem Baby zu Hause. Plötzlich gingen keine Gehaltszahlungen mehr ein.
Sie zapften das Ersparte an. „Das war nicht schlimm, wir wussten ja, dass es sich um maximal ein Jahr handelt.“ Dabei hatten sie allerdings nicht mit einer Trennung gerechnet. Vor einem Jahr war dann klar: zusammen ging es nicht mehr. „Das hat uns richtig nach unten gedrückt.“
Steuerlich gelten beide wieder als Singles
Aus einem Haushalt wurden zwei, steuerlich gelten beide wieder als Singles, Sohn Moritz pendelt tageweise hin und her. Die Betreuung teilen sich die Eltern. Das bedeutet aber zwei Teilzeitstellen und für den Zweijährigen einen Krippenplatz, der allein 307 Euro im Monat kostet, 179 davon zahlt das Sozialamt.
Die Controllerin arbeitet wieder in ihrem alten Job, allerdings nur mit 16 Stunden, sprich 40 Prozent ihres früheren Gehalts. Ihr Mann arbeitet Teilzeit im öffentlichen Dienst. Zusammen verdienen sie so weniger als die Hessin früher allein. Jetzt aber leben drei davon. „300 Euro muss jeder von uns im Monat an Ersparnissen drauflegen“, erzählt Manuela. „Unser Polster aus den fetten Jahren schmilzt.“ Das Auto teilen sie sich weiterhin. „Sonst ginge das alles gar nicht.“
Zum nächsten Fallbeispiel: Angst vor dem Abstieg: Beispiel Familie Hummel & Kraut
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