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Manuel Herder : Guttenbergs Verleger

Manuel Herder, Verleger in sechster Generation Bild: Kaufhold, Marcus

Ein katholischer Traditionsverlag stürmt die Hitparaden. Mit Margot Käßmann, dem Papst aus Rom und Politikern aller Parteien.

          "Geist schafft Leben", grüßt das mächtige Eingangsportal des Verlagshauses, drinnen grüßt Karl-Theodor zu Guttenberg. Niemand anderes hat Platz auf der Tafel im Foyer, auf dem das öffentliche Echo der Autoren gezeigt wird.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Herder heißt der altehrwürdige Verlag, der das Buch des Barons gedruckt hat. 1801 wurde er in Meersburg am Bodensee gegründet. Manuel Herder, Buchmensch in sechster Generation, ist der Mann, der alles eingefädelt hat. Und es wäre falsch zu behaupten, er wäre nicht stolz darauf. Sehr stolz ist er sogar auf das Guttenberg-Werk: "Von null auf Platz zwei in der Bestsellerliste", sagt er.

          120.000 Exemplare hat er in die Läden gekarrt zum Weihnachtsgeschäft, die Lager sind leer. Was kümmern ihn da die Attacken in der Presse, die Shit-Storms im Internet? Im Zweifel hilft das alles dem Geschäft.

          Das Guttenberg-Werk: „Von null auf Platz zwei in der Bestsellerliste“

          Manuel Herder, ein sportlich-seriöser Herr, Mitte 40, Sakko, Krawatte, Jeans, fühlt sich in diesen Tagen so unangreifbar wie jeder Verleger, der mit einem Buch solchen Rummel entfacht: "Nur die süffisante und intensive Häme hat mich überrascht."

          Wirtschaftlich betrachtet, und um Geld geht es auch im Buchgewerbe, hat Herder alles richtig gemacht: richtiges Thema, richtiger Zeitpunkt, grandiose Kampagne: Auftritt Guttenbergs in Halifax (Merkel-Schelte inklusive), tags darauf die Ankündigung für das Comeback-Buch, noch mal zwei Tage später ausführlicher Vorabdruck in der "Zeit", freudig flankiert von der "Bild"-Zeitung, und am Dienstag drauf, keine acht Tage später, liegen die Stapel im Handel. Eine logistische Meisterleistung, vorbereitet als Geheimprojekt: "Alle haben dichtgehalten", freut sich Herder: "Das klappt nur in einem Familienunternehmen, wo Sie so ein Projekt nicht durch mehrere Instanzen tragen müssen."

          Der Star unter den Autoren ist der Papst

          Heikel sind die Details des Deals, da wird der Verleger einsilbig: Hat er Giovanni die Lorenzo als Co-Autor für das Interview-Buch vorgeschlagen, oder war es Guttenberg aus Dankbarkeit für eine wohlwollende Kommentierung des "Zeit"-Chefredakteurs? "Ich habe Herrn di Lorenzo als Interviewpartner vorgeschlagen und angesprochen", sagt Herder nur.

          Verbürgt ist, wie die beiden zueinanderfanden, der durch und durch bürgerliche Verleger, verwurzelt im katholischen Milieu, und der adelige Politstar, der beim Bürgertum unten durch ist: Stephanie zu Guttenberg, die Politikergattin, ist das Bindeglied. Nach einer "Wetten, dass..?"-Show in Freiburg hat Manuel Herder sie gefragt, ob sie nicht bei ihm veröffentlichen wolle: Ein Buch über Kindesmissbrauch, ein Thema, für das sie sich engagiert hatte, "schon bevor ihr Mann Minister wurde", wie Herder sagt. Und so geschah es: Zu Stephanie zu Guttenbergs Sendung im Privatfernsehen publizierte Herder das Buch "Schaut nicht weg!" 20 000 Mal hat es sich verkauft - nicht gerade ein Megaseller, aber das Thema war es Manuel Herder wert: "Kindesmissbrauch war vorher ein Tabu. Die Bücher, die wir vorher dazu veröffentlicht hatten, sind in der Öffentlichkeit nie durchgedrungen."

          Glaube, Werte, Bildung - dafür steht der Verlag, seit mehr als 200 Jahren. "Das ist unser Leitbild", sagt der Chef. Mehr als 500 Titel wirft das Haus (samt Tochterverlagen wie Kreuz, Kerle, Urania, Knecht, Alber) im Jahr aus. Der Star unter den Autoren ist der Papst: 52 Titel von ihm sind von Herder lieferbar. Der erste Autorenvertrag mit Joseph Ratzinger, datiert aus dem Jahr 1956, hängt hinter Glas gerahmt auf dem Büroflur (das Honorar ist geschwärzt).

          Noch einträglicher ist Pater Anselm Grün, der es mit Erbauungsfibeln auf eine Millionen-Auflage bringt. Auch eine Margot Käßmann bedient Hunderttausende Leser. Und mit der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ("Das Ende der Geduld") landete Herder voriges Jahr auf Platz 2 der meistverkauften Sachbücher, direkt hinter Thilo Sarrazin.

          Sechs Währungen haben die Herders überlebt, auch die ein oder andere Pleite

          Und welches der 500 Werke ist dem Verlagsinhaber dieses Jahr das liebste? Was empfiehlt er als Geschenk? "Der Verleger ist der Freund aller seiner Autoren", weicht Manuel Herder aus.

          Mit diesen Worten antwortet er auch auf die Frage, wie eng oder herzlich sein Verhältnis zu Karl-Theodor zu Guttenberg in diesen stürmischen Tagen ist: "Natürlich haben wir Kontakt", sagt er nur. Ob er dem gefallenen Hoffnungsträger ein Comeback zutraut, inner- oder außerhalb der Union? Kein Kommentar. "Je näher ich als Verleger der Politik komme, desto mehr spüre ich, wie wenig ich als normaler Zeitungsleser vom Innenleben und den eigenen Gesetzen der Parteien verstehe."

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