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Mannesmann-Prozeß Rückhalt für Josef Ackermann

24.11.2006 ·  Entspannung ist angesagt bei Josef Ackermann. Die bevorstehende Einstellung des Verfahrens ist „eine gute Nachricht“ für die Deutsche Bank: Der Vorstandsvorsitzende dürfte sich wieder fest im Sattel sehen.

Von Daniel Schäfer
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So entspannt war Josef Ackermann selten zu sehen. Genau eine Woche vor der nun bekanntgegebenen möglichen Einstellung des Mannesmann-Prozesses trat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank mit geradezu verdächtiger Lässigkeit auf. Auf dem Frankfurter „European Banking Kongreß“ begrüßte er vor dem Eingang sämtliche verblüfften Teilnehmer mit einem herzlichen Lächeln per Handschlag. Abends gab er sich mit seiner Frau Pirkko auf der Finanzplatzgala die Ehre und schwang als Schirmherr mit Frankfurts Bürgermeisterin Petra Roth das Tanzbein. Wer diese von Ackermann selten gesehene Charmeoffensive als Abschiedsveranstaltung interpretiert hat, lag offenbar gänzlich daneben.

Ackermann hatte auf dem festlichen Bankenball wohl schon geahnt, wenn nicht gewußt, was sieben Tage später folgte: Die Staatsanwaltschaft stimmte einem Ende des Prozesses um die millionenschweren Prämienzahlungen zu, sofern der 58 Jahre alte Bankmanager eine Geldauflage von 3,2 Millionen Euro zahlt. In einer Erklärung der Ackermann-Rechtsanwälte Eberhard Kempf und Klaus Volk heißt es zur Begründung der beantragten Einstellung: „Der Vorwurf, die Beschuldigten hätten bewußt gegen Rechtsvorschriften verstoßen, wird kaum beweisbar sein. Das Verfahren unabsehbar lange weiter zu betreiben, wäre angesichts allenfalls geringer Schuld der Angeklagten ein unvertretbar hoher Aufwand.“

Wieder fest im Sattel

Damit dürfte sich Ackermann wieder fest im Sattel sehen. Er hatte stets angekündigt, er werde nur zurücktreten, wenn er „rechtskräftig“ verurteilt worden wäre. Da mit einer Geldauflage aber keinerlei Schuldspruch verbunden ist, dürfte der Schweizer Manager nun keinen Anlaß sehen, sich zurückzuziehen.

Aus seinem Umfeld ist denn auch zu hören, Ackermann wolle den bis 2010 laufenden Vertrag erfüllen. Hier wird nun kein Grund mehr gesehen, warum er intern wie extern unter Druck geraten sollte - auch wenn gerüchteweise immer mal wieder davon die Rede ist, bestimmte Aktionäre und die stets skeptisch nach Frankfurt blickenden Londoner Investmentbanker seien nicht mehr zufrieden mit dem Chef der größten Bank in Deutschland.

Notfallplan stets in der Schublade

Im Vorfeld des Prozesses war aus dem Umfeld der Bank betont worden, die Frage nach dem Rücktritt stelle sich nicht, weil bis zu einer eventuellen Verurteilung und einer Urteilsrevision ohnehin mehrere Jahre vergingen. Einen Notfallplan mit einigen Namen darauf hatte Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Börsig dennoch stets in der Schublade. Im Vorfeld hatte es zudem - von der Bank heftig dementierte - Spekulationen gegeben, der einflußreiche Chef des globalen Wertpapierhandels, Anshu Jain, bereite sich auf eine Nachfolge vor. Auch wenn das als unwahrscheinlich erachtet wird, sind sich die Beobachter nicht einig, ob Jain tatsächlich uneingeschränkt loyal zu Ackermann steht.

Im Gegensatz zur ersten Auflage des Mannesmann-Prozesses im Jahr 2004 hat Ackermann allerdings jetzt wohl weitaus mehr Rückhalt aus der Frankfurter Zentrale und am Finanzplatz. Denn dieses Jahr linderte der Vorstandschef sein ramponiertes Ansehen in der deutschen Öffentlichkeit durch eine neue Heimatverbundenheit. Deutschlands größtes Geldhaus stellte neue Mitarbeiter im Inland ein, kaufte die Berliner Bank und die Norisbank, und zeigte mit Beteiligungen an der Deutschen Börse und dem Einsatz für eine Lösung für die Anteile des Luftfahrtkonzerns EADS industriepolitische Verantwortung. Politik und Wirtschaft sollten gemeinsam die deutschen Interessen im Rahmen einer europäischen Lösung wahrnehmen, sagte Ackermann kürzlich in einem Interview.

Aus eigener Tasche zahlen

Auch der Aktienkurs gab Ackermann Rückhalt: Er überschritt zuletzt die Marke von 100 Euro und ist damit auf neue Rekordhöhen geklettert. Aktionärsschützer begrüßten am Freitag die Einigung mit der Staatsanwaltschaft: Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, für die Bank und Ackermann sei die Einstellung des Verfahrens aus Imagegründen eine gute Nachricht.

Die Geldauflage will Ackermann nach eigenen Angaben aus eigener Tasche zahlen. Das dürfte dem Vorstandschef nicht schwer fallen, da er jährlich 15 bis 20 Millionen Euro brutto verdient, wie er zum Prozeßauftakt Ende Oktober bekanntgab.

Quelle: F.A.Z., 25.11.2006, Nr. 275 / Seite 13
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