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Manipulationsskandal : Was Volkswagen in Amerika vorgeworfen wird

Die Markteinführung des VW Jetta 2010 in Amerika - auch dieses Modell ist von den Vorwürfen betroffen. Bild: dpa

Das Wolfsburger Unternehmen soll bei Emissionskontrollen gezielt betrogen haben. Die Vorwürfe sind gravierend - und für den Konzern wohl überhaupt nicht neu.

          Am Wochenende wurden Vorwürfe öffentlich, die Volkswagen beschuldigen, bei den Abgas-Emissionen mehrerer Modelle die Kontrolluntersuchungen manipuliert und damit die in Amerika geltenden Abgas-Regulierungen umgangen zu haben. So haben die sogenannten „Clean-Diesel“-Modelle einen höheren Ausstoß an Stickoxiden als die Tests bislang suggerierten. Die Grenzwerte für Stickoxide liegen in den Vereinigten Staaten viel niedriger als in Europa. Während hierzulande maximal 80 Milligramm pro Kilometer erlaubt sind, sieht die amerikanische Umweltbehörde ein Limit von 70 Milligramm pro Meile (etwa 1,6 Kilometer) vor.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die amerikanische Umweltbehörde (EPA) hatte in Untersuchungen bei Volkswagen und der Konzerntochtergesellschaft Audi unterschiedliche Abgas-Werte auf der Straße und im Test festgestellt. In einem offiziellen Brief der Umweltbehörde steht, dass die wesentliche Aspekte nicht in allen Belangen mit den Angaben konform gehen, die der Konzern während der Marktzulassung für die jeweiligen Modelle angegeben hatte.

          Die Gesetzgebung in Amerika unterscheidet sich von der in Europa: Während Hersteller die Einhaltung der Grenzwerte in Europa vorab bei einer Typ-Prüfbehörde nachweisen müssen, die auf unabhängige technische Dienste zurückgreifen, gilt in Amerika das Prinzip der Selbstzertifizierung.

          Software erkennt Prüfungssituationen

          Aus einem Schreiben der amerikanischen Umweltbehörde an Volkswagen geht hervor, dass die Software darauf ausgelegt war, Teile der Abgaskontrollanlage, die in den Fahrzeugen eingebaut ist, außer Betrieb zu setzen. Die Fahrprofile in Testsituationen sind derartig standardisiert, dass es der Software gelingt, herauszufinden, wann eine Prüfsituation vorliegt. Das geschieht dadurch, dass ein Software „unnatürliches Fahrverhalten“ erkennt - beispielsweise wenn ein Fahrzeug mit 90 Stundenkilometern gefahren wird, sich aber keinen Millimeter von der Stelle bewegt. Die Software sorgt dafür, dass die Abgasaufbereitung während der Tests vollumfänglich funktioniert und möglichst wenig Stickoxide in die Umwelt abgegeben werden.

          Laut einer Vorschrift der Umweltbehörde können Fahrzeuge, die mit einem solchen Hilfsmittel zur Emissionsminderung ausgestattet sind - sei es Computertechnologie in Form von Software oder eine eigene Hardware -, gar nicht erst zugelassen werden. Gegen diese Vorschrift hat Volkswagen bei seinen „Clean-Diesel“-Modellen verstoßen.

          Zudem benötigen Fahrzeuge, um in Amerika zugelassen zu werden, ein bestimmtes Konformitätszertifikat von der Umweltbehörde, das bestätigt, dass alle verwendeten Materialien mit der Bewerbung des Herstellers für die Zulassung übereinstimmen. Auch gegen diese Vorschrift verstieß Volkswagen, indem nicht alle Materialien in den Zulassungspapieren entsprechend deklariert worden waren. Die Behörde veröffentlichte eine Tabelle mit Modellen, auf die die Verstöße zutreffen. Betroffen ist sind vor allem der VW Jetta, der VW Beetle und der Audi A3.

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