http://www.faz.net/-gqe-7754m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 23.02.2013, 08:32 Uhr

Managervergütung Das heikle Gehalt

Martin Winterkorn und Daniel Vasella verzichten auf Millionen. Das heizt die Debatte um Spitzengagen in der Wirtschaft weiter an. In der Schweiz ist man noch einen Schritt weiter.

von ,
© REUTERS Daniel Vasella und das Sahnehäubchen: Er verzichtet zwar auf viel Geld, doch sein Verhalten befeuert eine Anti-Abzocker-Initiative

Am Ende hat auch Berthold Huber zugestimmt. Aber nur zähneknirschend. Denn sein Ziel hat er nicht erreicht. Der Vorsitzende von Deutschlands mächtigster Gewerkschaft IG Metall wollte, dass Martin Winterkorn für seine Dienste als Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns im Jahr 2012 maximal 10 Millionen Euro bekommt.

Jürgen  Dunsch Folgen: Johannes Ritter Folgen:

Doch nun erhält „Wiko“, wie er intern genannt wird, 14,5 Millionen Euro. Das ist zwar weniger als die 17 Millionen Euro aus dem Vorjahr. Aber immer noch deutlich mehr als viele an der berühmten Basis für „gerecht“ halten. Und genau von dort bekam Huber viel Druck. Schließlich ist der Gewerkschaftsführer nicht nur stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von VW. Er sitzt auch im Präsidium des Aufsichtsrats, das de facto über die Vergütung des Vorstands entscheidet.

77 Millionen für Wendelin Wiedeking

Doch in diesem Gremium war Huber mit seiner Forderung allein. Chefkontrolleur Ferdinand Piëch und sein Vetter Wolfgang Porsche hätten nicht einmal ein Problem damit gehabt, Winterkorn sogar die 20 Millionen Euro zu bezahlen, die dieser bekommen hätte, wenn man die Vergütungsregeln, wie am Freitag geschehen, nicht verschärft hätte. Schließlich hatten sie dem früheren Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking einst ohne zu mucken eine Jahresgage von sage und schreibe 77 Millionen Euro gewährt.

Pikanterweise bekam Huber aber auch Gegenwind von seinesgleichen. Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh sitzt zwar neben Huber im Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen und im Vorstand der IG Metall. Aber Hubers moralische Keule trägt Osterloh nicht mit. Er ist ein Pragmatiker, kein Dogmatiker, und explizit der Meinung, dass Winterkorn sein Geld wert ist: „Wenn ich sehe, was Fußballer in der Bundesliga dafür bekommen, dass sie 90 Minuten gegen den Ball treten, ist Winterkorn in meinen Augen unterbezahlt“, sagt Osterloh im Gespräch mit der F.A.Z.

VW-Vorstandsvorsitzender bekommt offenbar sechs Millionen Euro weniger als geplant Martin Winterkorn bekommt viel Geld, und er könnte sogar noch besser verdienen. Hat er noch Bodenhaftung? Mancher sagt ja, zudem stimme seine Leistung © dapd Bilderstrecke 

Als Verantwortlicher für 550.000 Mitarbeiter habe Winterkorn seine Arbeit so gut gemacht, dass die Gewinne und folglich auch die Boni viel höher ausfielen als ursprünglich geplant. Der VW-Chef habe sein Geld im wörtlichen Sinne „verdient“. Im Übrigen halte das Salär einem internationalen Vergleich stand: „Der Fiat-Chef Marchionne hat zuletzt 14 Millionen Euro verdient, der Ford-Chef 21 Millionen Euro. Keiner der beiden war erfolgreicher als Martin Winterkorn.“

Dann sagt Osterloh einen Satz, der auch an Hubers Adresse gerichtet sein könnte und das Spannungsverhältnis im Arbeitnehmerlager spiegelt, gerade wenn es um die heikle Gehaltsfrage geht: „Mitbestimmung im Aufsichtsrat kann auch manchmal schmerzhaft sein. Aber man muss am Ende auch dazu stehen, was man beschlossen hat.“ Das fällt Osterloh freilich auch deshalb leichter, weil er an seiner eigenen Basis kaum Unmut spürt. Denn seine Wähler, die VW-Mitarbeiter, profitieren ihrerseits über einen Erfolgsbonus von den hohen Gewinnen. Im vergangenen Jahr sprangen für jeden 7500 Euro raus.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Revision zurückgenommen Der Wiedeking-Freispruch ist rechtskräftig

Der Prozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist endgültig vorbei. Sein Freispruch ist jetzt rechtskräftig, die Revision vom Tisch. Mehr

28.07.2016, 11:42 Uhr | Wirtschaft
Weltjugendtage Eine teure aber große Chance für Krakau

Die Weltjugendtage beginnen im polnischem Krakau. Während die einen ihren Glauben feiern, machen andere damit ein Geschäft. In Madrid hat der letzte Weltjugendtag Einnahmen in Höhe von 350 Mio. Euro beschert. Mehr

27.07.2016, 02:00 Uhr | Politik
Medikamenten-Transport Nanocontainer für empfindliches Frachtgut

Winzige, fast unsichtbare Nanokapseln, die Wirkstoffe gezielt an einen bestimmten Ort im Körper transportieren, erleben einen Boom. Aber sind sie auch kontrollierbar? Forscher melden einen Durchbruch. Mehr Von Uta Bilow

27.07.2016, 08:08 Uhr | Wissen
Gronau Udo Lindenberg wird Ehrenbürger seiner Heimatstadt

Seine Heimatstadt Gronau ehrte den Sänger Udo Lindenberg kurz nach dessen 70. Geburtstag. Mehr

27.07.2016, 15:58 Uhr | Feuilleton
Neue Zahlen Volkswagen ist wieder der größte Autokonzern der Welt

Der Abgasskandal verdirbt Kunden die Laune auf Volkswagen, der Marktanteil sinkt. In absoluten Zahlen hat der Wolfsburger Konzern aber einen großen Rivalen überholt. Mehr Von Carsten Germis, Hamburg

28.07.2016, 13:00 Uhr | Wirtschaft

Merkels Sicherheitsquelle

Von Heike Göbel

Die Kanzlerin lobt die Wirtschaft für ihre Stärke. Und sollte endlich einmal etwas für ihre Weiterentwicklung tun. Mehr 10 46

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“