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Managervergütung : Das heikle Gehalt

Daniel Vasella und das Sahnehäubchen: Er verzichtet zwar auf viel Geld, doch sein Verhalten befeuert eine Anti-Abzocker-Initiative Bild: REUTERS

Martin Winterkorn und Daniel Vasella verzichten auf Millionen. Das heizt die Debatte um Spitzengagen in der Wirtschaft weiter an. In der Schweiz ist man noch einen Schritt weiter.

          Am Ende hat auch Berthold Huber zugestimmt. Aber nur zähneknirschend. Denn sein Ziel hat er nicht erreicht. Der Vorsitzende von Deutschlands mächtigster Gewerkschaft IG Metall wollte, dass Martin Winterkorn für seine Dienste als Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns im Jahr 2012 maximal 10 Millionen Euro bekommt.

          Jürgen  Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Doch nun erhält „Wiko“, wie er intern genannt wird, 14,5 Millionen Euro. Das ist zwar weniger als die 17 Millionen Euro aus dem Vorjahr. Aber immer noch deutlich mehr als viele an der berühmten Basis für „gerecht“ halten. Und genau von dort bekam Huber viel Druck. Schließlich ist der Gewerkschaftsführer nicht nur stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von VW. Er sitzt auch im Präsidium des Aufsichtsrats, das de facto über die Vergütung des Vorstands entscheidet.

          77 Millionen für Wendelin Wiedeking

          Doch in diesem Gremium war Huber mit seiner Forderung allein. Chefkontrolleur Ferdinand Piëch und sein Vetter Wolfgang Porsche hätten nicht einmal ein Problem damit gehabt, Winterkorn sogar die 20 Millionen Euro zu bezahlen, die dieser bekommen hätte, wenn man die Vergütungsregeln, wie am Freitag geschehen, nicht verschärft hätte. Schließlich hatten sie dem früheren Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking einst ohne zu mucken eine Jahresgage von sage und schreibe 77 Millionen Euro gewährt.

          Pikanterweise bekam Huber aber auch Gegenwind von seinesgleichen. Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh sitzt zwar neben Huber im Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen und im Vorstand der IG Metall. Aber Hubers moralische Keule trägt Osterloh nicht mit. Er ist ein Pragmatiker, kein Dogmatiker, und explizit der Meinung, dass Winterkorn sein Geld wert ist: „Wenn ich sehe, was Fußballer in der Bundesliga dafür bekommen, dass sie 90 Minuten gegen den Ball treten, ist Winterkorn in meinen Augen unterbezahlt“, sagt Osterloh im Gespräch mit der F.A.Z.

          Martin Winterkorn bekommt viel Geld, und er könnte sogar noch besser verdienen. Hat er noch Bodenhaftung? Mancher sagt ja, zudem stimme seine Leistung Bilderstrecke

          Als Verantwortlicher für 550.000 Mitarbeiter habe Winterkorn seine Arbeit so gut gemacht, dass die Gewinne und folglich auch die Boni viel höher ausfielen als ursprünglich geplant. Der VW-Chef habe sein Geld im wörtlichen Sinne „verdient“. Im Übrigen halte das Salär einem internationalen Vergleich stand: „Der Fiat-Chef Marchionne hat zuletzt 14 Millionen Euro verdient, der Ford-Chef 21 Millionen Euro. Keiner der beiden war erfolgreicher als Martin Winterkorn.“

          Dann sagt Osterloh einen Satz, der auch an Hubers Adresse gerichtet sein könnte und das Spannungsverhältnis im Arbeitnehmerlager spiegelt, gerade wenn es um die heikle Gehaltsfrage geht: „Mitbestimmung im Aufsichtsrat kann auch manchmal schmerzhaft sein. Aber man muss am Ende auch dazu stehen, was man beschlossen hat.“ Das fällt Osterloh freilich auch deshalb leichter, weil er an seiner eigenen Basis kaum Unmut spürt. Denn seine Wähler, die VW-Mitarbeiter, profitieren ihrerseits über einen Erfolgsbonus von den hohen Gewinnen. Im vergangenen Jahr sprangen für jeden 7500 Euro raus.

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