23.02.2013 · Martin Winterkorn und Daniel Vasella verzichten auf Millionen. Das heizt die Debatte um Spitzengagen in der Wirtschaft weiter an. In der Schweiz ist man noch einen Schritt weiter.
Von Jürgen Dunsch, Johannes RitterRichtlinien für Lesermeinungen
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Der Vergleich Top-Manager zu Fußballer hinkt
Das Schlimme ist doch, dass sich eine neue Adelsschicht bildet, die
scheinbar meint, ihre göttlichen Eingaben rechtfertigen die
himmlischen Reichtümer, mit denen sie überhäuft wird.
Über dem Gesetz stehen diese Menschen ja allemal, zumindest in
ihrer Wahrnehmung, wie der Anruf des Herrn Fitschen bei Herrn Bouffier
vor Kurzem beispielhaft belegt.
In Wahrheit aber fände man in Billiglohnländern sicherlich
nicht nur billige Produktionsarbeiter, sondern auch
"Top"-Manager, die deren "adelige Verantwortung"
für einen Bruchteil der Gehälter adäquat übernehmen würden.
Traurigerweise ist nämlich oftmals die größte
(zweifelhafte) Leistung dieser Angestellten, dass sie gut
(schön)rechnen können.
Hier liegt meines Erachtens auch der Unterschied zu den vielzitierten
Fußballern. Diese Menschen haben wirklich ein einzigartiges Talent
(weswegen die Teams auch aus allen Ethnien und Schichten rekrutieren),
stehen in einer ganz anderen Öffentlichkeit, und riskieren so ihre
phys. und psych. Gesundheit.
Das Problem ist m.E. weniger das exorbitante Gehalt, sondern...
...die finanziell rundum sorglos Verträge dieser Vorstände. Wäre VW unter Winterkorn erfolglos gewesen, hätten sie ihn geschasst, mit ein paar Millionen als Abfindung. Damit hätte der Mann finanziell auf Lebzeiten ausgesorgt. Davon kann ein richtiger Unternehmer, der auf eigene Rechnung handelt nur träumen!
"Der Aktionärsschützer sieht den sozialen Frieden in Gefahr, wenn zweistellige Millionengehälter gezahlt werden." - das ist eher ein herbeigeredetes Problem neidbesessener Gutmenschen. Heute sind ja wieder hunderttausende Fans in den Bundesligaarenen und diese begeisterten Fans machen mir nicht den Eindruck, dass der "soziale Frieden" in Gefahr ist wenn sie ihren Balltretern zu jubeln, deren Millioneneinkommen mit Werbevertraegen dem Gehalt eines Winterkorn nicht nachstehen. Und Herr Vettel zahlt seine Steuern in der Schweiz und keiner sieht deshalb den "sozialen Frieden" in Gefahr. Klar, mit Kritik an der Abzocke unserer Sportidole kann man ja parteipolitisch nicht punkten.
Es gäbe ja auch die Möglichkeit für die Familie Piech und Porsche , Aktien aus ihrem eigenen Bestand Herrn Winterkorn als zusätzliche Belohnung zu schenken, wenn diese meinen er sollte eine höhere Vergütung erhalten.
Vergütungen oberhalb eines Niveaus von ca. 2 Mio Euro sollten nicht mehr in der Entscheidungsbefugnis der Aufsichtsräte liegen, da hier Interessenkonflikte der Entscheider vorprogrammiert sind. Auf der Kapialseite sitzen meist selbst Vorstände oder ehemalige Vorstände, auf der Arbeitnehmerseite teilweise abhängige Betriebsräte, die ein gewisses Wohlverhalten an den Tag legen, da sie für die von ihnen Vertretenen auch etwas "rausholen" möchten. Eine einfache Mehrheit des Aktionärskapitals (Stamm- und Vorzugsaktien) sollte nicht ausreichen. Eine qualifizierte Mehrheit von 2/3 oder 3/4 müsste vorgeschrieben werden, um einen Minderheitenschutz zu gewährleisten. Ob das im Verhältnis zu Fussballern oder anderen Medien-Leuten angemessen erscheint, ist unwichtig. Auch diese sollten wieder Bodenhaftung bekommen, da diese teilweise über Zwangsgebühren finanziert werden. Ethisch vertretbares Handeln sollte in der ganzen Gesellschaft wieder einen höheren Stellenwert erhalten.
Das Neue Feindbild z.B. D.Vasella
Vorab: Um die Zukunft von Herrn Vasella braucht sich niemand zu sorgen.
Hätte Herr Vasella seine Millionen behalten dürfen, wären
diese versteuert worden und der Schweizer Staat hätte seinen Profit.
Den Rest hätte Herr Vasell gespendet.
Die Schweizer Gesellschaft hätte ihren Profit.
Dies wollen die Schweizer Bürger offensichtlich nicht.
Es gab im Schweizer Fernsehen mal einen Werbespot der mit den Worten endete:
"Wir können`s uns leischte ! "
Ob Deutschland, die Schweiz oder andere Staaten.
Die jeweilig politische Führung genießt den psychologischen
Druck der Straße auf die Manager, um von den von ihnen
mitverursachen Problemen abzulenken.
Paria Vasella
Sehr geehrte Frau Bea Meister,
Marcel Ospel, Oswald Grübl, Kaspar Villiger , Namen für
Abfindungssummen, welche abgenickt wurden.
Nicht zu vergessen die 1,2 Milliarden Franken, welche die Swisscom
einigen Mitarbeitern zahlte fürs "Nichtstun"
(Sonntagszeitung/ch 6.12.98)
Jeweils eine Angelegenheit der Anteilseigner und desjenigen, welcher den
goldenen Handschlag erhält.
Jeweils sehr emotionale, demokratische Entscheidungen.
Als Gast und zwangsweise Außenstehender, (was auch seine Vorteile
hat) sehe ich mit Bedauern, wie die "Schweiz" sich
gegenwärtig mit der aufgeladenen Diskussion um Herrn Vasella, ihrem
ständigem Nachgeben einer autokratischen EU gegenüber, in
ihrem Einknicken beim Bankgeheimnis, ihrem ständigen Nachgeben
einem Kavalleriebesessenem Deutschland, selbst schadet, international demontiert.
Mit freundlichem Gruß
B.Klingenberger
Sehr geehrter Herr Klingenberger,
ja, ich bin Schweizerin. Was heisst hier Emotionen? Ich habe nur meine
Meinung geschrieben und einige Tatsachen festgehalten. Ihnen steht
selbstverständlich das Recht zu, auch offen zu schreiben.
Das Spendenversprechen: Tatsache ist, dass sich Novartis nach der
Indiskretion am 15.2. gezwungen sah, die Summe von CHF 72 Mio zu
bestätigen. Bis dahin war den Aktionärsvertretern jede
Auskunft verweigert über Vasellas Spezialvertrag verweigert worden,
obwohl gerade sie ein Recht darauf haben zu erfahren, was mit ihrem Geld
geschieht. Der Imageschaden, der dem ganzen Konzern wegen Vasella
entstanden war, musste wohl verringert werden, und ein wichtiger Teil
dieses Rückzuggefechts war denn auch die Beteuerung Vasellas, das
Geld zu spenden. Wenn er das wirklich ohne Druck gewollt hätte,
hätte er das schon viel früher sagen können.
Womit sich Vasella schon seit Jahren unbeliebt gemacht hat können
Sie im Artikel „Vasella: Das Ende der Macht“ lesen.
Freundliche Grüsse
Bea Meister
können wir uns einigen?
Sehr geehrter Herr Laus Wege,
vielen Dank für Ihre Stellungnahme, welcher ich im
Grundsätzlichen nicht widerspreche.
Ich denke wir könnten uns doch auf folgendes einigen:
a. Herr D. Vasella bekommt Geld versteuert jenes und spendet den Restbetrag.
Die Schweiz als Ganzes bekommt viel Geld und, wie sie richtig
bemerken, Novartis hat
eine steuerliche Entlastung.
b.Herr D. Vasella bekommt kein Geld. Novartis versteuert, im Idealfall,
das Geld was nicht
ausgegeben wurde in der Schweiz.
oder, eine neue ungünstigere Option, investiert das Geld im
Ausland und es ist weg.
Da Novartis in der emotionell aufgewühlen Diskussion auch nicht gut
weggekommen ist, ein durchaus denkbarer Weg.
Aber ich glaube am Ende wird es ein typisch schweizer Kompromiss werden.
Und alle haben ein wenig das Gesicht verloren.
Mit freundlichem Gruß
Bernhard Klingenberger
Emotionen, Emotionen, Emotionen, Emotionen,
Sehr geehrte Frau Bea Meister,
vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ihren Zeilen glaube ich
entnehmen ich, daß ich einer Schweizer Staatsbürgerin schreibe.
Als geduldeter Gast mit C Bewilligung in Ihrem Land will ich etwas
vorsichtiger schreiben.
Ihre Annahme Herr D. Vasella hätte sich nicht an sein
Spendeversprechen gehalten ist eine nicht mehr zu beweisende Unterstellung.
Ich wundere mich, gerade hier in der Schweiz und im besonderen in Ihrer
Stellungnahme über soviel unsachliche Emotionalität.
Herr D. Vasella muß wohl gegen irgendwelche, nicht
niedergeschrieben, Gesetze verstoßen haben?
Hoffentlich begehe ich als "straniero" (hier oft im pejorativ
gebraucht) nicht - unbeabsichtigt - auch einen solchen Fehler. (z.B.
Ihnen hier so offen zu schreiben)
Mit freundlichem Gruß
Bernhard Klingenberger
Stimmt, Herr Klingenberger, um Vasella braucht sich niemand zu sorgen.
Vasellas Bezüge (Gehälter, Aktien Optionen): Zu Marktpreisen
berechnet, dürfte er in den Jahren 2002-2012 knapp CHF 400 Mio
bezogen haben. Zudem hat er 3,1 Mio Novartis-Aktien (Dividenden 2010:
CHF 2.20, 2011: CHF 2.25, 2012. CHF2.30) und 1,6 Mio Optionen.
Sein Spendeversprechen: Wäre der Deal nicht an die
Öffentlichkeit gezerrt worden, hätte er diskret kassiert und
kein Mensch, vielleicht noch nicht einmal er selbst, hätte sich um
dieses Spendegelübde gekümmert. Und das nun hinfällige
Konkurrenzverbot, wofür er 72 Mio kassieren wollte: Es ist
fraglich, ob sich die Pharmakonkurrenz – bei seinen Tarifen - um
ihn reissen wird, und ob er bei seinem Aktienanteil Novartis schaden
will? Seinem (schon lange) ramponierten Ruf wäre es auch nicht zuträglich.
Er hat unbestreitbar einiges geleistet, aber er hat den Bogen
überspannt. Vielleicht ist es nicht ganz fair und nicht die ganze
Wahrheit, egal was immer er in Zukunft auch Generöses leisten wird,
das Etikett des Abockers wird ihm bleiben.
Es ist völlig egal, ob die Manager ein paar Millionen weniger bekommen als im Vorjahr. Diese Gehälter oder Boni sind ein Skandal, in den letzten Jahren völlig ausgeufert und durch eine menschliche Arbeitsleistung nicht zu rechtfertigen. Diese Unsummen kann man vor der Belegschaft, oder auch vor den Aktionären nicht verantworten. Hier sollten die Aktionäre eingreifen, soforn das möglich ist. Diese Herren sind absulot abgehoben und haben den Blick für die Realität verloren. Und ..... Manager deutlich über 70 Lebensjahre, gehören in den Ruhestand und nicht in eine Geschäftsführung eines Weltunternehmens.
Das Problem sehr hoher Vergütungen ist für mich nur deshalb ein Problem, weil wir in unserer Gesellschaft ein Problem der Unterbezahlung haben von: akademischem Personal an Universitäten, von Krankenhausärzten, von nicht-arztlichem Krankenhauspersonal, von Pflegekräften, von Erzieher/innen, von Lehrkräften usw. usw. Sodaß die Schere zwischen Spitzenverdiensten und "normalen" Einkommen immer größer wird. Zudem: Haben diese Spitzenkräfte vielfältige Möglichkeiten der "Steuergestaltung". Ansonsten: Können diese in meinen Augen so viel verdienen wie ihnen gezahlt wird, wenn sie denn auch voll haften für Schlechtleistung, falsche Entscheidungen - wie eben ein Einzelunternehmer auch. Einkommen nach oben zu begrenzen, ohne die Unterbezahlung in den genannten Fällen zu beheben, erachte ich nicht für gerechtigkeitsfördernd. Wir haben m. E. ein Problem von Unterbezahlung i.o.g. Fällen und weniger von Überbezahlung in den Fällen des Artikels.
Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 23.02.2013 20:53 UhrDas sind keine Sprueche, dass ist die Realitaet
Wir neigen dazu nur das um uns herum zu sehen, aber nicht das grosse
Ganze. Unsere Ansprueche sind so hoch, wenn wir nicht anfangen herunter
zu schauen bekommen wir gar nicht mit, das wir Elfenbeinturm leben.
Wieviele Handys werden noch in Europa gefertigt, wieviele
Kuechenartikel, wieviele Fahrraeder?
Ich bin im Moment in Katar, was meinst du lieber Andreas wieviel hier
ein philipinishcer Elektriker im Monat bekommt? Ich verrats dir: 400Euro
netto! Einer mit 20 Jahren berufserfahrung schafts auf 1000 Euro und
wenn man Inder findet, der machts fuer 200. Das ist die harte Realitaet
die wir uns frueher oder spaeter gefallen lassen muessen.
@Ricardo Simon
Im ständig wachsenden Niedriglohnbereich in diesem Land können Sie sich gar kein Auto leisten. Mit solchen Sprüchen lässt sich keiner mehr für dumm verkaufen.
Unterbezahlung gibt es in Deutschland nicht!!!
Für die selben Jobs bekommen die Asiaten nicht einmal ein Drittel
und arbeiten ein viertel länger pro Woche!
Unterbezahlt fühlt sich ein Deutscher ja schon, wenn er sich nicht
alle 2 Jahre ein neues Auto kaufen kann und nur einmal statt zweimal pro
Jahr in den Urlaub fliegen kann. Wir sind schon manchmal ziemlich
verzogenen Gören.
Wenn das dem Europäer nicht auf Dauer den Kopf kostet... Die Folgen
einer solcher Fehleinschätzung, wie sie sie hier vortragen kann man
im Übrigen gerade in Spanien, Griechenland, Italien und neuerdings
auch Frankreich beobachten.
Das komische ist nur, dass die Herrschaften die Vergleiche nie mit japanischen Managergehältern anstellen. Diese Gehaltsperversionen sind ein kulturelles Phänomen.
für einen UMSATZ von 14,5 Mio. müssen in einer
VW-Reparaturwerkstatt einige Leute viel und lange arbeiten.
Aber vielleicht bezahlt er ja wirklich 6,88 Mio EUR Einkommensteuer und
spendet freiwillig jedes Jahr 1 Mio EUR an ein
Krankenhaus/Rettungsdienst/Einrichtung zur ärztlichen Versorgung
Bedürftiger (wenn VW den AG Anteil dazu gibt, sind das 8 Arztpraxen
(15.000 Einwohner) die allein von Winterkorns Gehalt finanziert
würden); 1,5 Mio EUR an Pflegeheime oder für die Betreuung und
Versorgung von alten Menschen (71 Pflegekräfte). Wenn er dann noch
jedes Jahr 4,5 Mio EUR tatsächlich an Produkten und
Dienstleistungen kauft, dann kann er sich für schwere Zeiten auch
gerne 10 % seines Gehaltes zurücklegen.
Nur bezweifle ich das. Ein Großteil von dem Geld wird in
Steueroasen gewinnbringend angelegt und soll sich rasanter vermehren als
Mäuse im Heuschober - und das funktioniert auf Dauer eben nicht.
Ein Angestellter (Beispiel: Vasella) hat ein anderes Verhältnis zu seinem Arbeitgeber als der Besitzer eines Betriebes. Der Patron kann beispielsweise seinem Unternehmen nicht damit drohen, interne Geheimnisse an die Konkurrenz zu verraten, um sich so eine "Abgangsentschädigung" zu erpressen.
Seltsam, müsste Martin Winterkorn nach der sonst gepredigten Kartoffelmarktlogik ...
... nicht umgehend VW verlassen und seinem Elend überlassen, weil er sofort zur Konkurrenz geht, bei der er mindestens diese 17 Millionen bekommt? Der Mann handelt so doch irrational! ;-)
Verzicht üben kann man nur in Bezug auf etwas, das mir zusteht.
Moralisch ist das bei Gehältern im zweistelligen Millionenbereich
meiner Meinung nach nicht der Fall.
Die Herren Manager verweisen immer auf die (noch) höheren Boni in
den USA. Einen Massenexodus haben wir bisher nicht erlebt. Also gibt es
noch andere Motive, in Old Europe zu bleiben. Oder die Kandidaten haben
eben doch nicht das erforderliche Niveau...
Mehrheitseigentümer? Wohl so nicht richtig
Meines Wissens hat die Familie zwar das "Sagen" , aber nur wegen der Stimmrechte. Die Eigentumsverhältnisse sehen bei der Holding nämlich ganz anders aus, die Vorzugsaktien in Streubesitz sind aber nunmal nicht stimmberechtigt.
Soso, 14,5 Millionen Euro Gehalt, das entspricht etwa dem "WW" von 1.450.000 Schnitzeln mit Beilage
Hmm, der Warenwert (WW) eines deutschen "Lieblingsgerichtes",
dem Schnitzel mit gebratenen Champignons und weiteren köstlichen
Beilagen (als privater Sterne-Hobby-Koch natürlich höchst
selbst hergestellt) dürfte etwa bei ca. 10 Euro liegen.
Winterkorn verdient also ca. 1.450.000 derartiger "Schnitzel"
pro Jahr. Vermutlich wird er hiervon nicht mehr als 365 pro Jahr
verspeisen können.
Will heissen. Es ist vernünftig, in den Unternehmen darüber
nachzudenken, Spitzengehälter zu begrenzen. Hierzu wäre es
sinnvoll, ausgehend von einer durchschnittlichen Gehaltszahlung der
Mitarbeiter über einen betriebsintern auszuhandelnden Faktor die
Spitzengehälter zu bestimmen.
Steigt das Gehalt der Mitarbeiter, so steigt eben auch das Gehalt des Chefs.
und der EZB werden es noch viele erleben dürfen, Millionäre zu werden. Warten wir nur ab ...
"Jeder Franken mehr für die Manager ist ein Franken weniger Dividende für die Aktionäre, also die
Eigentümer der Unternehmen." Das scheint sich wohl noch nicht
rumgesprochen zu haben, wobei die "Eigentümer des
Unternehmens" gerade bei großen Konzernen ja auch selbst
wieder "Unternehmen", Anlagefonds u.ä. sind, deren
Manager enorme Vergütungen beziehen usw., usw.
Aber eine Frage bleibt hier am konkreten fall im Raum stehen: Warum
muß man als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und
Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums einem Beschluß
ZUSTIMMEN, wenn man eigentlich dagegen ist. Man kann auch dagegen
stimmen, obwohl es eine Mehrheit dafür gibt, und das
Minderheitsvotum nachvollziehbar erklären.
Waren da nicht noch dieses Grundrecht des Eigentümers ?
VW gehört mehrheitlich den Familien Porsche und Piech. Die
Eigentümerstruktur im Aufsichtsrat ist also übersichtlich, die
Eigentümerkontrolle der Angestellten ist bei VW direkt und strickt.
Es ist das selbstverständliche Recht der Eigentümer über
die Entlohnung ihrer Angestellten frei zu verhandeln. Der
moralisierende Diskurs ist im Fall von VW völlig deplaziert und
offenbart nur niederen Neid, der sich das allfällige
Gerechtigkeitsmäntelchen überstülpt.
Anders ist die Situation bei Gesellschaften mit komplexen
Eigentümerstrukturen, oder abgeleiteten Eigentümern, etwa mit
Wahlvertretern der öffentlichen Hand. Hier kennen wir Beispiele,
dass sich Angestellte (Management wie Gewerkschaften) die Firmen zur
Beute machen, wenn die Eigentümerseite schwach und schlecht
organisiert ist. Der Gestzgeber ist gefordert, die Eigentümerrechte
bei Kapitalgesellschaften besser organisierbar zu machen.
Wenn's ums Geld geht, wird es naturgemäss...
.. auch schnell mal emotional. Ganz besonders, wenn hohe Summen rational
nicht mehr zu begründen oder nachvollziehbar sind. Offenbar sind
die Herren Vasella und Winterkorn mit ihren Gehältern in
Dimensionen vorgestossen, die von der Gesellschaft als
"unsittlich" empfunden werden.
Das Argument, dass solche Führungskräfte eine enorme
Verantwortung tragen, wird in solchen Fällen immer gerne als
Rechtfertigung angeführt - der gute Patron. Tatsache ist aber, dass
die Grundlagen, auf denen die Führung Entscheidungen trifft, immer
von Leuten erarbeitet werden, die nur einen Bruchteil solcher
Gehälter erzielen. Klar, grobe Fehlentscheide sind existenziell
riskant für Manager, aber genauso für die weit weniger
fürstlich besoldete Belegschaft, die sie dann ausbaden muss, sofern
sie danach noch Arbeit hat.
Ich denke, das Gefühl des übervollen Masses, wie es weite
Bevölkerungskreise empfinden, haben sich die
Führungskräfte mit ihrer Masslosigkeit selbst eingebrockt. Die
Decke scheint erreicht.
„Wenn ich sehe, was Fußballer in der Bundesliga dafür
bekommen, dass sie 90 Minuten gegen den Ball treten, ist Winterkorn in
meinen Augen unterbezahlt“, sagt Osterloh im Gespräch mit der F.A.Z.
Somit sind aber eine Menge Leute ziemlich unterbezahlt.
Hhmm, jetzt weiss ich was ich bei der nächsten Lohnrunde fordern
darf…hoffe mein Chef denkt genau so wie Osterloh
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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