04.03.2013 · Die Wut über Abzocker macht uns alle zu Schweizern. Nur die Aktionärsvertreter nicht.
Von Holger SteltznerRichtlinien für Lesermeinungen
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Nützliche Symbiosen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat
Daß die Aktionärsvertreter in Deutschland vielfach in
Vergütungsfragen kippe/wippe machen
liegt doch einfach daran, daß in dieser Farge jeder vom anderen
abhängig ist. Die Vorstandsgehälter schlägt der AR vor
oder entscheidet über sie, die Aufsichtsratsvergütungen
schlägt vielfach der Vorstand der Haupversammlung vor, über
reichliche Spesen des AR entschewidet der Vorstand allein. Zumindest
durften einmal ganze AR-Familien bei der Lufthansa unentgeltlich
fliegen. Und man kann sich vorstellen , daß der LHAR seine Ferienflüge
bis heute nicht selber bezahlt.
Nun sind allein entscheidende Aktionärsvertreter immer noch gärtnernde Böcke
Kennzeichnend fürs neoliberale (=neofeudale)
Demokratieverständnis ist ein entsprechendes Kastendenken.
Arbeitnehmer müssen in machtbezogen asymmetrisch strukturierten
Tarifauseinandersetzungen mühsam ihren Lohn aushandeln und sind
Umgehungsstrategien (Leiharbeit...) gegenüber weitgehend hilflos.
Die Shareholder-Macht hingegen, im Neoliberalismus fast nur noch an
schneller Rendite interessiert und der Rendite des Gemeinwohles fern,
hat Führungskräfte mit üppigem Shareholderstatus
korrumpiert und einer dienstfertigen mittleren Führungsebene
bessere Vergütungen nach Gutsherrenart zugeteilt. Scheint doch
effizient und der menschlichen Natur angemessen - dieser Neofeudalismus
(wenn die sozialen und ökologischen Nebenwirkungen außen vor bleiben).
Kant irrte, als er sich in einem Zeitalter der Aufklärung
wähnte.
Nach einem Empört euch! muss ein Engagiert euch! folgen. Und da
sollte die Entgeltfindung nur bei fairer Mitsprache aller in
Schirmherrschaft des demokratischen Staates geschehen.
Jetzt wird in D wieder auf die Selbstregulierungskräfte hingewiesen, alternativ auf die Aktionärsversammlung, sodass es eine Regelung wie in der Schweiz nicht braucht. Beide Argumente sind scheinheilig in einer von Korporatismus durchzogenen Wirtschaft. In der Aktionärsversammlung bestimmen die Großaktionäre, die bisher das Spiel von AR und Vorstand zur Gehältermaximierung schamlos mitgespielt haben. Und die Arbeitnehmervertreter im AR-Ausschuss sind auch keine Hilfe, da sie mit großzügigen "Liebesgaben" und der Teilhabe am Spiel um Macht und Pfründe ruhigstellt werden. Übrigens, noch über die Pensionierung hinaus, da gefügige Vertreter danach mit lukrativen AR Mandaten bei Tochterfirmen belohnt werden. Der Kleinaktionär (und hielte er auch ein großes Paket) hat nichts zu melden. Die vielen Eigner sind also entmachtet und dürfen höchstens mal in der HV ein wenig stänkern. Was bleibt also um der schamlosen Selbstbedienung von AR und Vorstand einen Riegel vorzuschieben? Die CH-Lösung.
Kleinanleger sind selten auf Hauptversammlungen vertreten.
Dafür werden diese ja auch mitten in der Woche abgehalten - also
wenn der Kleinanleger i. d. R. arbeiten muss. Auch ist es in sehr
wenigen Hauptversammlungen möglich, vor der Hauptversammlung zu
Punkten, wie Gehalt des Vorstandes,... schriftlich/per Internet
abzustimmen. Man kann dagegen nur ein Häkchen, für
Bestätigung des Vorstandes machen. Es ist insgesamt zu starr, auch
bei Entscheidungen mitten im Geschäftsjahr – da entscheidet
de Facto immer der Aufsichtsrat.
Zudem halten halt die Großaktionäre, z. B. Fonds, Allianz,
Banken, Familie Quandt,... die meisten Anteile. Es wird sich also nichts
ändern. Da dann doch lieber den Aufsichtsrat entscheiden lassen, da
ist wenigstens die Gewerkschaft stark vertreten und achtet ab und an auf
entsprechendes Maß.
Die Managervergütung - Eine Lachnummer!
Der Normalfall ist, dass wir es mit einem Prozess des Gebens und Nehmens
zu tun haben, was aber nicht für die Vergütung der
Managerleistungen gilt, und auch nicht für die Vergütung
unserer lieben, treuen, tapferen, und fleißigen Abgeordneten.
In beiden Fällen ist die gebende und nehmende Person mit sich
selbst identisch, frei nach dem Motto: Das Amt adelt die Person, und
nicht umgekehrt.
Wir sollten uns daher nicht über die exorbitanten
Verdiensthöhen wundern, insofern doch die Mechanismen von Angebot
und Nachfrage außer Kraft gesetzt sind, und sich das Subjekt somit
seines "Verdienstes" bedienen kann.
In beiden Fällen haben wir es doch mit einem Selbstbedienungsladen
zu tun, wo es der gemeine Mensch eben nicht lassen kann, einer
Bereicherung seiner selbst das Wort zu reden.
Dem tumben Volk dagegen, scheint nichts anderes übrig zu bleiben,
als sich vom Staat und seinen ungerechten Gesetzen abzocken zu lassen.
Wie lange noch?
"Liegt das daran, dass in vielen Aufsichtsräten
„Aktionärsschützer“ gemeinsam mit
Kapitalvertretern und Gewerkschaftsleuten in trauter Runde die
Gehälter der Manager regeln?"
Es liegt wohl daran, dass die genannten Herren selbst auch Manager sind,
die das Geld anderer verwalten. Eine Kraehe pickt der anderen kein Auge
aus. Was fehlt ist DER KAPITALIST. Im Vereinigten Koenigreich gibt es
noch grosse Firmen die zu einem wesentlichen Teil einem Lord XY
gehoeren. Der achtet dann schon darauf, dass sein Angestellter, der
Chief exceutive officer, nicht alles Geld mitnimmt.
Einigkeit und Recht und gegen die Freiheit
In all meinen deutschen Lieblingsparteien, insbesondere in der FDP, in der inzwischen wohl vor allem Marxismuszirkel das Parteileben aufrecht erhalten und als wesentliche politische Entscheidungshilfe von den parteioberen Linkspopulisten angesehen werden, herrscht wohl nun doch allseits und allgefällig, mithin durchgehend der Wunsch vor, Schritt für Schritt die letzten Reste einer Marktwirtschaft freien Unternehmertums zu beseitigen. Die Reihen fest geschlossen und im Gleichschritt mit dem linken Zeitgeist. Sie werden alle erfolgreich sein, darin bin ich mir sicher, sie werden alle dafür Beifall erhalten, auch von denen, die immer meckern, sich jedoch zunächst vor Freude über den neuen Sozialismus auf deutschem Boden gar nicht mehr einkriegen können. Dem gemeinen Mann hinter der Gardine wird jedoch seine verbliebene Stube der Unfreiheit nach einiger Zeit dann doch ein wenig zu kalt vorkommen. Dann kommt die nächste Stufe des gesellschaftlichen Fortschritts, diktatorisches Zwangsfreuen.
Das Aktionärsstimmrecht ist in der Praxis wenig wert, weil an die Banken abgetreten.
Die Aktionärsrechte der Kleinaktionäre werden in der Regel von
den Banken wahrgenommen, die ihre Aktien verwahren. Das Stimmrecht
selbst wahrzunehmen oder ihrer Bank Weisungen für das
Abstimmungsverhalten zu erteilen, dürften die meisten von ihnen
auch dann gar nicht wollen, wenn über die Managerbezüge
befunden werden dürfte. Mit "nicht wollen" meine ich
"nicht zu wollen trauen". Dafür würden die Banken zu
sorgen wissen. Habe selbst lang genug in der Wertpapierabteilung einer
Bank gearbeitet, um das beurteilen zu können.
Fazit: Wohin die Reise geht, werden weiterhin dieselben Wenigen
bestimmen, die uns dahin gebracht haben, wo wir jetzt sind. Eine
wirksame und zugleich verfassungsverträgliche gesetzliche Regelung,
die uns in eine andere Richtung führt, dürfte so gut wie
unmöglich sein.
Bleibt nur zu hoffen, dass zukünftige Generationen Manager
hervorbringen, die weniger raffgierig sind. Also, liebe Mütter und
Väter, denkt bitte auch daran bei der Erziehung Eurer Kinder!
Das Stimmrecht
der Aktionäre ist in Deutschland wenig wert, da es in der Regel an die Banken abgetreten wird. In der Schweiz ist es anders, da die Pensionskassen ihr Stimmrecht nicht an die Banken abtreten.
Und die Moral von der Geschicht:
Wir brauchen eine Verfassungsänderung mit Einführung der direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild in D. Das herrschende System gibt uns, dem Volk, nicht den Hauch einer Chance, Korruption, Filz, Selbstbedienung und neofeudale Ausbeutung zu stoppen.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 05.03.2013 11:11 UhrBis jetzt hatte das Volk noch nciht einmal die Möglichkeit, ...
...über die Verfassung des einigen Deutschlands abzustimmen.
Die Stärkung der Aktionärsrechte
ist automatisch eine Schwächung des Aufsichtsrates.
Deshalb werden Sommer, Bsirske, Huber und Co ganz schnell alles
ausbremsen, was Ihre Hinterzimmer-Küngelmöglichkeiten im AR
erschwert ;-)
Relativismus
Sehr guter poltischer Kommentar; löst jedoch zum Teil das problem: Kaum gesellschaftsfähig ist die 2.un3. Ebene im Vergleich zum Grundgehalt. Vielleicht ist mehr Transparenz möglich
..die traute Runde war schon immer vertraulich,warum sollte man "unnötige"Abstimmungen folgen lasse
n...Konkludentes Verhalten braucht keine Abstimmungen.Man versteht sich
auch ohne Worte.
"Liegt das daran, dass in vielen Aufsichtsräten
„Aktionärsschützer“ gemeinsam mit
Kapitalvertretern und Gewerkschaftsleuten in trauter Runde die
Gehälter der Manager regeln?....."
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